Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka haben sich in den frühen Morgenstunden dramatische Szenen abgespielt: Gleich zwei Vulkane brachen nahezu zeitgleich aus und schleuderten kilometerhohe Aschewolken in die Atmosphäre. Betroffen sind die Feuerberge Klyuchevskoy und Bezymianny – zwei der aktivsten Vulkane der Region. Vulkanologen sprechen von einem seltenen und spektakulären Naturereignis, das die außergewöhnliche Aktivität des pazifischen Feuerrings erneut unterstreicht.
Gewaltige Aschewolken steigen kilometerhoch auf
Besonders heftig fiel der Ausbruch des Klyuchevskoy aus. Nach Angaben des zuständigen Vulkanasche-Warnzentrums VAAC Tokio erreichte die Aschewolke eine Höhe von rund 7300 Metern. Die Eruption begann demnach gegen 08:13 UTC. Die gewaltige Aschewolke breitete sich anschließend langsam in südöstliche Richtung aus. Auch der nur rund zehn Kilometer entfernte Bezymianny zeigte starke Aktivität. Bereits Stunden zuvor war dort eine lang anhaltende Ascheemission registriert worden. Die Asche stieg auf etwa 3000 Meter Höhe und driftete ostwärts.
Rotglut an beiden Vulkanen sichtbar
Livecam-Aufnahmen aus der Region zeigten schwache Rotglut an beiden Vulkanen. Experten gehen deshalb inzwischen davon aus, dass tatsächlich beide Fördersysteme nahezu gleichzeitig aktiv waren. Zunächst hatten Beobachter vermutet, dass eine Aschewolke des bereits seit Tagen aktiven Bezymianny fälschlicherweise dem Klyuchevskoy zugeordnet worden sein könnte. Die unterschiedliche Ausbreitungsrichtung der Aschewolken spricht jedoch dagegen.
Einer der aktivsten Vulkane Eurasiens erwacht
Der Klyuchevskoy gilt als einer der aktivsten Stratovulkane Eurasiens. Mit einer Höhe von 4754 Metern ist er zudem der höchste aktive Vulkan der größten zusammenhängenden Landmasse der Erde. Nach einer Ruhephase deutet nun vieles darauf hin, dass der Vulkan erneut in eine aktive Phase eingetreten ist. Der benachbarte Bezymianny ist hingegen für seine häufigeren und oft langanhaltenden Ausbrüche bekannt. Dort kommt es regelmäßig zu Domwachstum, Lavaaufstiegen und explosiven Kollapsereignissen.
Schwierige Analyse wegen überlappender Aschewolken
Die räumliche Nähe der beiden Feuerberge erschwert die genaue Analyse der Ereignisse erheblich. Beide Vulkane gehören derselben vulkanischen Gruppe an. Satellitenaufnahmen können dadurch teilweise schwer interpretierbar sein, da sich Aschewolken überlagern und vermischen. Trotzdem halten Vulkanologen eine Verwechslung der beiden Eruptionen inzwischen für unwahrscheinlich. Vielmehr deuten die Daten auf eine echte Doppelaktivität zweier unterschiedlicher Magmasysteme hin.
Vier aktive Vulkane gleichzeitig auf Kamtschatka
Die Lage auf Kamtschatka bleibt insgesamt äußerst angespannt. Neben dem Klyuchevskoy und dem Bezymianny zeigen derzeit auch die Vulkane Shiveluch und Krasheninnikov deutliche Aktivität. Während am Shiveluch weiterhin ein Lavadom wächst und neue Lavablöcke austreten, fördert der Krasheninnikov aktuell einen Lavastrom. Die Halbinsel Kamtschatka zählt zu den vulkanisch aktivsten Regionen der Erde. Mehr als 300 Vulkane prägen dort die Landschaft – viele davon gelten als aktiv.
Sorge vor weiteren Eruptionen
Experten schließen nicht aus, dass die Aktivität in den kommenden Tagen weiter zunimmt. Besonders Aschewolken können für den internationalen Flugverkehr gefährlich werden, da Vulkanasche Triebwerke schwer beschädigen kann. Die Behörden beobachten die Situation daher rund um die Uhr.


