Der Krieg zwischen Russland und Ukraine hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. In der Nacht auf Sonntag startete die Ukraine ihren bislang größten Drohnenangriff auf den Großraum Moskau seit mehr als einem Jahr. Nach russischen Angaben wurden fast 600 Drohnen abgefangen. Dennoch kamen mehrere Menschen ums Leben, zahlreiche Gebäude wurden beschädigt und wichtige Infrastruktur getroffen. Die Attacke gilt als direkte Vergeltung für die verheerenden russischen Luftangriffe auf Kiew wenige Tage zuvor.
Moskau stundenlang unter Beschuss
Nach Angaben von Sergey Sobjanin dauerte der Angriff vom Samstagabend bis tief in die Nacht hinein. Insgesamt sollen 586 ukrainische Drohnen über russischem Territorium abgeschossen worden sein. Videos in sozialen Netzwerken zeigten helle Explosionen und Detonationen über dem Moskauer Umland. Augenzeugen berichteten zudem von Explosionen im Zentrum der russischen Hauptstadt. Russische Staatsmedien bezeichneten die Attacke als den schwersten Drohnenangriff auf die Region seit über einem Jahr.
Tote und Verletzte im Raum Moskau
Nach offiziellen Angaben starben mindestens drei Menschen in den Orten Chimki und Pogorelki nördlich von Moskau. Weitere Menschen wurden verletzt. Besonders betroffen war auch die Infrastruktur rund um die Hauptstadt. Trümmerteile abgeschossener Drohnen stürzten auf das Gelände des internationalen Flughafens Flughafen Scheremetjewo. Im Dorf Subbotino geriet ein Wohnhaus nach einem Drohneneinschlag in Brand. Bilder zeigten das Gebäude vollständig in Flammen. Auch in der westlich von Moskau gelegenen Stadt Istra wurden Wohnhäuser beschädigt und mehrere Menschen verletzt.
Ukraine bestätigt gezielte Angriffe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angriffe öffentlich. Er sprach von „ukrainischen Langstreckensanktionen“ gegen Russland. Selenskyj erklärte, Russland müsse seinen Krieg beenden. Gleichzeitig betonte er, dass die Ukraine trotz der massiven russischen Luftabwehr in der Lage sei, Ziele im Raum Moskau zu erreichen. Nach ukrainischen Analysen sollen unter anderem eine Raffinerie, militärische Produktionsanlagen sowie Treibstoff- und Logistikzentren angegriffen worden sein.
Vergeltung nach tödlichem Angriff auf Kiew
Der massive Drohnenangriff folgt auf einen der schwersten russischen Angriffe auf Kiew seit Beginn des Krieges. Dabei wurden laut ukrainischen Angaben 24 Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt. Russland hatte zuvor innerhalb von 24 Stunden fast 1.500 Drohnen und Raketen auf die Ukraine abgefeuert. Ein Marschflugkörper traf dabei ein Wohnhaus in Kiew, das teilweise einstürzte. Unter den Opfern befanden sich auch Kinder. In Kiew wurde anschließend ein offizieller Trauertag ausgerufen.
Raffinerien und Militärziele im Fokus
Die ukrainischen Streitkräfte konzentrieren sich bei ihren Langstreckenangriffen zunehmend auf militärische Infrastruktur und Energieanlagen tief im russischen Hinterland. Neben Moskau wurden laut russischem Verteidigungsministerium auch Ziele in 14 weiteren Regionen sowie auf der annektierten Krim angegriffen. In Belgorod kam laut Behörden ebenfalls ein Mensch ums Leben. Unterdessen meldete Moskaus Bürgermeister zwölf Verletzte nach einer Explosion in einer Raffinerie in der Hauptstadtregion.
Kreml verschärft Kontrolle über Informationen
Angesichts der zunehmenden ukrainischen Angriffe reagiert der Kreml nun mit schärferen Informationskontrollen. Präsident Wladimir Putin unterzeichnete neue Vorschriften, die die Veröffentlichung von Fotos, Videos oder Berichten über Angriffsfolgen ohne staatliche Genehmigung verbieten. Wer künftig Material über Schäden oder Explosionen veröffentlicht, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Die Maßnahmen gelten als weiterer Schritt zur Kontrolle der öffentlichen Wahrnehmung des Krieges innerhalb Russlands.
Angst vor weiterer Eskalation wächst
Der jüngste Schlagabtausch zeigt, dass beide Seiten ihre Angriffe immer weiter intensivieren. Besonders die wachsenden ukrainischen Langstreckenfähigkeiten sorgen in Russland zunehmend für Unruhe. Eine aktuelle Umfrage einer kremlnahen Meinungsforschungsinstitution ergab, dass viele Russen inzwischen größere Sorgen vor ukrainischen Drohnenangriffen haben als vor den Entwicklungen an der Front. Die Gefahr einer weiteren Eskalation des Krieges wächst damit spürbar.


