Russland verstärkt Offensive im Donbass

Während international über mögliche Signale für ein baldiges Ende des Krieges spekuliert wird, verschärft Russland seine Angriffe im Osten der Ukraine offenbar weiter. Besonders im Raum Pokrowsk im Donbass liefern sich ukrainische und russische Truppen weiterhin erbitterte Kämpfe. Ukrainische Militärs sprechen von einer laufenden Frühjahrs- und Sommeroffensive Moskaus, die trotz ihrer enormen Intensität vielfach kaum wahrgenommen werde.

Die Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin über ein mögliches „Ende“ des Krieges sorgen zwar international für Diskussionen. Doch an der Front zeigt sich ein völlig anderes Bild: Russland erhöht den Druck weiter und konzentriert offenbar massive Kräfte auf strategisch wichtige Gebiete im Donbass.

Russische Offensive bei Pokrowsk nimmt Fahrt auf

Nach Angaben des ukrainischen 7. schnellen Eingreifkorps versuchen russische Truppen seit Monaten, die Region um Pokrowsk und Myrnohrad vollständig unter Kontrolle zu bringen. Zwar gelingen den Kreml-Truppen immer wieder kleinere Geländegewinne, doch die ukrainischen Verteidiger leisten weiterhin heftigen Widerstand. Besonders auffällig sei die Verlegung zusätzlicher russischer Eliteeinheiten in das Kampfgebiet. Darunter befinden sich laut ukrainischen Angaben Teile der russischen 90. Panzerdivision sowie die als besonders schlagkräftig geltende Drohneneinheit „Rubikon“.

Krieg der Drohnen statt Panzer-Offensive

Der Charakter der Kämpfe hat sich laut ukrainischen Militärs deutlich verändert. Große Panzerangriffe seien inzwischen selten geworden, da gepanzerte Fahrzeuge durch moderne Drohnen extrem verwundbar seien. Stattdessen dominiere inzwischen ein langsamer, hoch technisierter Abnutzungskrieg. Russische Einheiten versuchten gezielt, ukrainische Nachschublinien, Drohnenstellungen und Aufklärungskapazitäten auszuschalten. Gleichzeitig werde versucht, eigene Drohnen-Teams möglichst nah an die Front heranzubringen.

Das 7. schnelle Eingreifkorps beschreibt die Situation als einen Krieg permanenter Überwachung, Aufklärung und präziser Angriffe aus der Luft. Besonders gefährlich sei dabei die enge Koordination russischer Drohnenpiloten mit Infanterie- und Aufklärungseinheiten.

100.000 russische Soldaten im Raum Pokrowsk

Die ukrainische Truppengruppierung Ost geht davon aus, dass Russland inzwischen rund 100.000 Soldaten im Raum Pokrowsk zusammengezogen hat. Ziel sei offenbar, die zahlenmäßige Überlegenheit in eine umfassende Feuerkontrolle über ukrainische Versorgungswege umzuwandeln. Auch das Gelände spielt Russland laut ukrainischen Militärs in die Hände. Flüsse, Straßen und bewachsene Gebiete würden gezielt für verdeckte Bewegungen und Infiltrationen genutzt.

Die Region gilt als strategisch besonders wichtig, da Pokrowsk ein bedeutender logistischer Knotenpunkt der ukrainischen Streitkräfte im Donbass ist. Ein Verlust der Stadt könnte die Verteidigung großer Teile der Ostukraine erheblich erschweren.

Putins Aussagen sorgen für Irritationen

Im Westen wurden jüngste Aussagen Putins teilweise als Hinweis auf mögliche Verhandlungen interpretiert. Der Kremlchef hatte erklärt, der Krieg bewege sich „dem Ende entgegen“. Gleichzeitig sprach er jedoch auch von der „endgültigen Zerstörung des Feindes“. Für viele Beobachter zeigen diese Aussagen vor allem eines: Russland sieht weiterhin keinen Anlass für echte Kompromisse. Die Financial Times berichtet unter Berufung auf Kreml-nahe Quellen, Putin sei überzeugt, dass russische Truppen bis Herbst den gesamten Donbass einnehmen könnten. Demnach lehne er weiterhin Zugeständnisse entlang der aktuellen Frontlinien ab.

Moskau fordert ukrainischen Rückzug

Auch aus dem Kreml kommen weiterhin harte Forderungen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verlangte zuletzt erneut, dass sich die Ukraine aus den von Russland beanspruchten Gebieten zurückziehen solle. Dazu zählen neben Teilen des Donbass auch weitere besetzte Regionen.

Die ukrainische Regierung lehnt territoriale Zugeständnisse kategorisch ab. Experten gehen deshalb davon aus, dass ein Ende des Krieges trotz aller Spekulationen weiterhin in weiter Ferne liegt. Viele Militärexperten warnen sogar, dass eine vollständige Eroberung des Donbass durch Russland noch Jahre dauern könnte – mit weiter hohen Verlusten auf beiden Seiten und einer zunehmenden Zerstörung der Region.

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