„Daltons“ breiten Angst in Berlin aus

Berlin. In Berlin wächst die Sorge vor einer neuen Form organisierter Kriminalität. Ermittler sprechen von einer hochgefährlichen Mischung aus Jugendkultur, sozialer Medieninszenierung und brutaler Gewalt. Im Zentrum stehen türkisch-kurdische Gruppierungen, die sich selbst „Daltons“ nennen und inzwischen als ernsthafte Bedrohung für Unternehmer, Behörden und die Justiz gelten. Die Gruppen präsentieren sich auf Plattformen wie TikTok und Instagram offen mit Waffen, Luxusautos und martialischen Botschaften. Hinter der Inszenierung steckt laut Sicherheitsbehörden jedoch ein Netzwerk aus Schutzgelderpressung, Schießereien und Auftragsgewalt.

Schutzgeldforderungen erreichen extreme Summen

Nach Erkenntnissen der Ermittler geraten insbesondere türkischstämmige Geschäftsleute ins Visier der Banden. Betroffene sollen zunächst telefonisch kontaktiert und anschließend mit hohen Geldforderungen unter Druck gesetzt werden. Gefordert würden teilweise sogenannte „Strafzölle“ in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro jährlich. Wer nicht zahlt, müsse mit massiven Konsequenzen rechnen — darunter Angriffe, Einschüchterungen oder bewaffnete Überfälle. Die Berliner Sicherheitsbehörden registrieren seit 2024 eine deutliche Zunahme solcher Fälle. Parallel dazu stieg auch die Zahl von Straftaten mit Schusswaffen erheblich an.

Polizei gründet Spezial-Einheiten gegen Mafia-Strukturen

Als Reaktion auf die Eskalation gründeten Polizei und Justiz die Spezialeinheiten „Ferrum“ und „Telum“, die gezielt gegen die neuen Gewaltstrukturen vorgehen sollen. Nach internen Ermittlungsunterlagen gelang es den Behörden inzwischen offenbar, Informanten aus dem Umfeld der türkischen Mafia zu gewinnen. Diese sollen wichtige Einblicke in interne Abläufe geliefert und Hinweise auf geplante Straftaten gegeben haben. Gleichzeitig offenbaren die Aussagen der Zeugen offenbar das enorme Gewaltpotenzial der Gruppierungen.

Ermittler und Richter offenbar bedroht

Besonders brisant sind Hinweise auf mögliche Todeslisten und Kopfgelder gegen Vertreter der Justiz. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sollen Mitglieder der kriminellen Netzwerke gezielt Berliner Staatsanwälte und Richter bedrohen. Felor Badenberg bestätigte laufende Ermittlungen zu entsprechenden Hinweisen im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Offiziell erklärte die Staatsanwaltschaft zwar, es gebe bislang keine konkreten Erkenntnisse über tatsächliche Kopfgeldlisten. Dennoch wurden Sicherheitsmaßnahmen nach Informationen aus Behördenkreisen bereits verschärft. Die Bedrohungslage gilt innerhalb der Justiz als außergewöhnlich.

Ursprung der Gruppen liegt in der Türkei

Nach Einschätzung der Ermittler haben die sogenannten Daltons ihren Ursprung in der türkischen Unterwelt. Seit 2021 sollen sich in Istanbul mehrere gewaltbereite Gruppierungen aus bestehenden Mafia-Strukturen abgespalten haben. Neben den „Daltons“ werden auch Gruppen wie die „Ezgins“, „Caspers“ oder „Sirinler“ genannt. Die Netzwerke arbeiten teilweise zusammen, konkurrieren jedoch gleichzeitig brutal um Einfluss und Geldströme. Sicherheitsbehörden beschreiben die Struktur nicht als klassischen Clan mit klarer Hierarchie, sondern als flexible Gewalt-Netzwerke mit internationaler Vernetzung.

Gewaltserie sorgt für Alarmstimmung

Die Chronik der vergangenen Monate zeigt laut Ermittlern eine zunehmende Eskalation. Mehrere Schießereien, Angriffe auf Geschäftsleute und gezielte Gewaltakte erschütterten Berlin. So wurde unter anderem ein Mann im Berliner Touristenviertel erschossen, ein Geschäftsmann mit mehreren Schüssen verletzt und eine Fahrschule Ziel bewaffneter Angriffe. Die Behörden warnen insbesondere vor der hohen Verfügbarkeit illegaler Waffen innerhalb der Szene.

Polizeipräsidentin erhöht Druck auf Ermittler

Die angespannte Sicherheitslage sorgt offenbar auch intern für Druck. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen zeigte sich Barbara Slowik Meisel zuletzt unzufrieden mit dem Tempo der Ermittlungen gegen die Mafia-Netzwerke. Demnach soll sie nach einem Gespräch mit Führungskräften des Landeskriminalamtes persönlich zusätzliche Treffen mit dem Bundeskriminalamt, Europol und Vertretern der türkischen Botschaft organisiert haben. Die Behörden sehen die Entwicklung inzwischen als eine der größten Herausforderungen im Bereich der organisierten Kriminalität in Deutschland.

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