Neue massive Drohnen- und Raketenangriffe haben die Ukraine in den vergangenen Tagen erneut hart getroffen und große Teile der Energieversorgung lahmgelegt. Besonders betroffen sind die südöstlichen Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja, wo es in der Nacht zu einem nahezu vollständigen Blackout kam. Millionen Menschen waren stundenlang ohne Strom, zentrale Einrichtungen konnten nur noch mithilfe von Notstromaggregaten betrieben werden.
Nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums richteten sich die Angriffe gezielt gegen Anlagen der kritischen Energieinfrastruktur. „Der Feind hat einen weiteren schweren Schlag gegen die ukrainische Energieversorgung geführt“, erklärte das Ministerium. Zeitweise fielen neben dem Strom auch Wasser- und Internetversorgung aus. Krankenhäuser, Wasserwerke und Kommunikationsnetze mussten auf Reserveenergie umschalten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Besonders angespannt ist die Lage in der Region Dnipropetrowsk mit rund drei Millionen Einwohnern. In der Gebietshauptstadt Dnipro wurden alle Kliniken auf Generatorbetrieb umgestellt. Bürgermeister Borys Filatow erklärte, die medizinische Versorgung sei gesichert und es gebe ausreichende Wasservorräte. Dennoch seien mehr als eine Million Menschen weiterhin ohne Heizung und fließendes Wasser. Die Frontlinie im Donbass liegt nur etwa 150 Kilometer entfernt – die Bedrohung bleibt allgegenwärtig.
Der Zeitpunkt der Angriffe verschärft die Lage zusätzlich: In den kommenden Tagen werden Temperaturen bis minus zehn Grad erwartet. Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko sprach von einer extremen Belastung für das Energiesystem. Dieses sei täglich Angriffen ausgesetzt, während Energiearbeiter unter gefährlichsten Bedingungen versuchten, Licht und Wärme für die Bevölkerung zu sichern. Der Winter mache die Situation besonders dramatisch.
In der Region Saporischschja, von der Teile unter russischer Kontrolle stehen, meldeten Energieversorger eine teilweise Wiederherstellung der Stromversorgung innerhalb weniger Stunden. Möglich sei dies durch vorbereitete Notfallpläne gewesen. Allerdings berichten lokale Kanäle, dass in mehreren frontnahen Ortschaften weiterhin kein Strom verfügbar ist.
Um die Folgen abzufedern, hat die Regierung in Kiew zusätzliche Generatoren und Reparaturteams in die betroffenen Gebiete entsandt. In Dnipro wurden Schulferien verlängert, der öffentliche Nahverkehr teilweise auf Busse umgestellt und öffentliche Veranstaltungen abgesagt. Kindergärten arbeiten nur eingeschränkt, beheizte Schutz- und Versorgungszentren stehen für die Bevölkerung bereit.
Nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums sind die Angriffe Teil einer seit Wochen intensivierten russischen Kampagne gegen die ukrainische Energieinfrastruktur. Maxim Timtschenko, Chef des größten Energieversorgers DTEK, sprach von einem „permanenten Krisenmodus“. Die Schlagfrequenz sei so hoch, dass kaum Zeit bleibe, Schäden vollständig zu reparieren. Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Moskau vor, gezielt eine humanitäre Krise herbeiführen zu wollen – insbesondere in dicht besiedelten Industriezentren. In sozialen Netzwerken mehren sich derweil Warnungen, anhaltende Angriffe im Winter könnten eine neue Fluchtbewegung Richtung Westen auslösen.



Ein Kommentar zu “Mega-Blackout in der Ukraine”