Äthiopien. In der abgelegenen Afar-Region im Nordosten Äthiopiens hat sich erstmals seit rund 12.000 Jahren erneut der Vulkan Hayli Gubbi geöffnet – mit weltweit spürbaren Folgen. Der überraschende Ausbruch schleuderte eine mächtige Aschewolke bis zu 14 Kilometer in die Atmosphäre und brachte den internationalen Luftverkehr in Teilen des Nahen Ostens und Südasiens zeitweise zum Erliegen.
Seltene Eruption erschüttert die Afar-Region
Nach Angaben örtlicher Behörden wurden zwar keine Todesopfer gemeldet, jedoch legte der feine Ascheregen zahlreiche umliegende Dörfer unter eine graue Decke. Viehhalter berichten von kargen Weideflächen, Kindern und Familien fällt das Atmen schwer, und immer wieder hallten laute Detonationen durch die Region. „Viele Dörfer wurden von Asche bedeckt, und infolgedessen haben ihre Tiere wenig zu fressen“, erklärte der Verwaltungsbeamte Mohammed Seid.
Geolog*innen ordnen den Ausbruch als außergewöhnliches Ereignis ein: Das Global Volcanism Program der Smithsonian Institution weist keine dokumentierten Eruptionen des Hayli Gubbi im gesamten Holozän aus – einer Epoche, die vor etwa 12.000 Jahren begann. Vulkanologe Simon Carn bestätigte dies und sprach von einer geologisch „historischen Eruption“.
Asche zieht über drei Kontinente – Fluggesellschaften reagieren
Die riesige Aschewolke driftete zunächst über den Jemen und den Oman hinweg und erreichte anschließend Pakistan sowie Nordindien. Der Luftverkehr geriet daraufhin in mehreren Regionen ins Stocken: Air India strich elf Flüge, andere Airlines wie IndiGo, Akasa Air und KLM zogen nach, leiteten Routen um oder sagten Verbindungen ab.
Flughäfen in Metropolen wie Mumbai, Delhi und Jaipur warnten vor erheblichen Verzögerungen. Die indische Luftfahrtbehörde ordnete an, belastete Flughöhen zu meiden und Landebahnen auf Aschepartikel zu kontrollieren – ein Standardverfahren, da vulkanische Asche Triebwerke, Sensoren und Cockpitsysteme schwer beschädigen kann.
Luftraum in Indien wieder frei – Asche zieht nach China
Am Dienstagabend gaben indische Meteorolog*innen Entwarnung: Die Aschemassen seien weiter ostwärts abgezogen, der Luftraum wieder sicher. Der Blick richtet sich nun auf Ostasien, wohin die Partikel weiter treiben.
Ein Ausbruch im Rift Valley – und ein Weckruf
Die Afar-Region ist Teil des ostafrikanischen Grabenbruchs, eines geologisch hochaktiven Gebiets, in dem sich mehrere tektonische Platten voneinander wegbewegen. Der plötzliche Ausbruch führt erneut vor Augen, wie dynamisch und unberechenbar diese Zone bleibt – und wie weitreichend die Folgen eines einzigen vulkanischen Ereignisses sein können.


