Ein schweres Grubenunglück hat den Osten der Demokratischen Republik Kongo erschüttert: Bei einem massiven Erdrutsch in einer der größten Coltan-Minen des Landes sind nach aktuellen Angaben mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Die Katastrophe ereignete sich in der Mine Rubaya in der Provinz Nord-Kivu, einem Gebiet, das seit dem vergangenen Jahr von der Rebellenmiliz M23 kontrolliert wird.
Nach Angaben aus dem Umfeld der von den Rebellen eingesetzten Provinzverwaltung wurden bislang mindestens 227 Todesopfer bestätigt. Die tatsächliche Zahl könnte jedoch noch deutlich höher liegen, da zahlreiche Menschen weiterhin unter den Erdmassen oder in eingestürzten Schächten vermisst werden.
Zwei Erdrutsche nach Starkregen
Augenzeugen berichten, dass sich das Unglück in zwei Phasen ereignete. Bereits am Mittwochnachmittag habe es nach starken Regenfällen einen ersten Erdrutsch gegeben. Viele Bergleute seien dennoch in die Mine zurückgekehrt. Am Donnerstagmorgen folgte dann ein weiterer, deutlich größerer Erdrutsch, der große Teile der Grube zum Einsturz brachte.
„Es hat geregnet, dann kam der Erdrutsch und riss die Menschen mit“, schilderte ein Bergarbeiter die Situation. „Einige wurden verschüttet, andere stecken noch immer in den Schächten.“ Die Rettungsarbeiten gestalten sich schwierig – nicht zuletzt wegen fehlender Ausrüstung und der unsicheren Lage in dem Rebellengebiet.
Auch Kinder und Marktfrauen unter den Opfern
Unter den Toten befinden sich laut Behördenvertretern nicht nur Bergleute, sondern auch Kinder und Marktfrauen, die sich in der Nähe der Mine aufhielten. Mehrere Verletzte konnten zwar geborgen werden, viele von ihnen schweben jedoch in Lebensgefahr. Medizinische Versorgung ist in der Region nur eingeschränkt verfügbar.
Trotz der Tragödie kehrten bereits wenige Tage später wieder Dutzende Männer und Frauen zur Mine zurück, um weiterzuarbeiten – mit einfachen Schaufeln, ohne Schutzkleidung und für umgerechnet wenige Dollar am Tag. Für viele bleibt der gefährliche Abbau die einzige Einkommensquelle.
Coltan für die Welt – Armut für die Region
Die Mine von Rubaya ist von globaler Bedeutung: Rund 15 Prozent des weltweit geförderten Coltans stammen aus dieser Region. Aus dem Erz wird Tantal gewonnen, ein hitzebeständiges Metall, das für die Herstellung von Smartphones, Computern, Elektronikbauteilen und Gasturbinen unverzichtbar ist.
Paradox dabei: Obwohl die Demokratische Republik Kongo zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt zählt, lebt ein Großteil der Bevölkerung in extremer Armut. Sicherheitsstandards im Bergbau sind kaum vorhanden, staatliche Kontrollen fehlen – besonders in Regionen, die von bewaffneten Gruppen beherrscht werden.
Rebellenfinanzierung durch Rohstoffe
Seit 2024 steht Rubaya unter der Kontrolle der M23-Miliz. Nach Angaben der Vereinten Nationen nutzt die Rebellengruppe den Coltan-Abbau gezielt zur Finanzierung ihres Aufstands. Dabei werde sie von der Regierung des benachbarten Ruanda unterstützt – ein Vorwurf, den Kigali entschieden zurückweist.
Das Unglück wirft erneut ein Schlaglicht auf die enge Verbindung zwischen Rohstoffabbau, bewaffneten Konflikten und humanitären Katastrophen im Osten des Landes. Internationale Beobachter fordern seit Jahren strengere Kontrollen der Lieferketten – doch für die Menschen in Rubaya kommt jede Reform zu spät.


