Italien geht gegen Sea-Watch vor

Die italienischen Behörden verschärfen ihren Kurs gegen private Seenotrettungsorganisationen im Mittelmeer. Im Mittelpunkt steht erneut die NGO Sea-Watch: Nach der Ankunft des Rettungsschiffs Sea-Watch 5 mit 166 Migranten an Bord haben Polizei und Küstenwache umfangreiche Maßnahmen eingeleitet. Gegen den Kapitän wird inzwischen wegen des Verdachts der Beihilfe zur unerlaubten Einreise ermittelt. Die Durchsuchungen markieren die nächste Eskalationsstufe im jahrelangen Konflikt zwischen der italienischen Regierung und privaten Seenotrettern.

Stundenlange Durchsuchung im Hafen von Brindisi

Wie die Organisation mitteilte, wurde die Sea-Watch 5 in der Nacht zum Samstag im Hafen der süditalienischen Stadt Brindisi über mehrere Stunden hinweg durchsucht. An dem Einsatz beteiligt waren Beamte der italienischen Küstenwache sowie Polizeikräfte. Nach Angaben der NGO beschlagnahmten die Behörden Dokumente und technische Ausrüstung des Schiffs. Zudem wurde der Kapitän der Sea-Watch 5 zu einem Verhör vorgeladen. Italienische Ermittler werfen ihm vor, die illegale Einreise von Migranten nach Europa unterstützt zu haben.

Auch zwei weitere Crewmitglieder sollen unmittelbar nach den Maßnahmen zu Befragungen gebracht worden sein.

166 Migranten an Bord des Rettungsschiffs

Die Sea-Watch 5 war erst am Freitag in Brindisi eingelaufen. An Bord befanden sich nach Angaben der Organisation 166 Migranten, die zuvor aus seeuntauglichen Booten im Mittelmeer gerettet worden seien. Unter den Migranten befanden sich laut NGO 138 Männer, 25 unbegleitete Minderjährige und drei Frauen. Die Organisation erklärte, man habe die Menschen vor dem Ertrinken bewahrt und anschließend nach Italien gebracht.

Sea-Watch berichtet von Angriff durch libysche Küstenwache

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch Vorwürfe gegen die libysche Küstenwache. Laut Sea-Watch soll die Sea-Watch 5 wenige Tage zuvor von libyschen Schiffen beschossen worden sein. Außerdem habe es Drohungen gegeben, das Schiff gewaltsam an die libysche Küste zurückzubringen. Trotz der angespannten Situation habe die Crew schließlich Kurs auf Italien nehmen können. Unabhängig überprüfbar waren diese Angaben zunächst nicht.

Konflikt zwischen Italien und Seenotrettern eskaliert weiter

Die Auseinandersetzungen zwischen Italien und privaten Seenotrettungsorganisationen dauern bereits seit Jahren an. Immer wieder werfen italienische Politiker den NGOs vor, illegale Migration über das Mittelmeer indirekt zu fördern. Die Sea-Watch 5 war bereits Ende März zeitweise im Hafen festgesetzt worden. Auch andere Rettungsschiffe waren in der Vergangenheit von ähnlichen Maßnahmen betroffen. Besonders bekannt wurde der Konflikt bereits 2019 während der Amtszeit des damaligen Innenministers Matteo Salvini. Damals kam es zu einer internationalen Debatte über die Rolle privater Seenotrettung im Mittelmeer.

Regierung Meloni verfolgt harten Kurs

Auch unter der aktuellen Regierung von Giorgia Meloni setzt Italien auf einen deutlich härteren Kurs gegen irreguläre Migration und private Rettungsmissionen. Die Behörden gehen verstärkt gegen Organisationen vor, die Migranten im Mittelmeer aufnehmen und nach Europa bringen. Kritiker sprechen von einer Kriminalisierung humanitärer Hilfe, während die Regierung betont, illegale Migration eindämmen zu wollen.

NGO spricht von absurder Eskalation

Sea-Watch reagierte scharf auf die Ermittlungen gegen die Crew. Eine Sprecherin der Organisation bezeichnete die Maßnahmen als absurde Eskalation. Die NGO kritisierte, dass die Kriminalisierung privater Seenotrettung inzwischen zur gängigen Praxis geworden sei. Trotz der Ermittlungen wolle man sich jedoch nicht einschüchtern lassen und weiterhin Menschen aus Seenot retten. Wie die italienische Justiz im Fall des Kapitäns weiter vorgeht, ist derzeit noch offen.

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