Reggio Calabria. Ein deutlich spürbares Erdbeben hat am frühen Samstagmorgen die süditalienische Küste erschüttert. Die Erdstöße wurden gegen Tagesanbruch mit einer Stärke von 5,1 registriert. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) lag das Epizentrum rund 20 Kilometer vor der Küste Kalabriens im Meer, in etwa 65 Kilometern Tiefe. Die vergleichsweise große Tiefe und der Offshore-Ort des Bebens dürften Schlimmeres verhindert haben.
Trotzdem war die Erschütterung in weiten Teilen des Südens deutlich zu spüren. Berichte sprechen von wahrnehmbaren Bewegungen an der Südspitze des italienischen Festlands ebenso wie auf Sizilien. In mehreren Städten kam es zu kurzen Momenten der Verunsicherung, Menschen verließen ihre Häuser oder suchten Schutz, ernsthafte Folgen blieben jedoch aus.
Der Leiter des Zivilschutzes der Region Kalabrien, Domenico Costarella, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa, dass unmittelbar nach dem Beben Überprüfungen in den küstennahen Gebieten angeordnet worden seien. Bislang gebe es jedoch keine Hinweise auf Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur. Auch Verletzte seien nicht gemeldet worden. Ähnliche Einschätzungen kamen aus Sizilien. In Messina sprach der für den Zivilschutz zuständige Stadtrat Massimo Minutoli von „Momenten der Angst“, betonte aber ebenfalls, dass weder Sachschäden noch Verletzte zu beklagen seien.
Vorsorglich reagierten die Behörden dennoch. Der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Catanzaro und Melito wurde am Morgen vorübergehend eingestellt, um die Sicherheit der Gleisanlagen zu überprüfen. Die italienische Eisenbahngesellschaft Rete ferroviaria italiana setzte Ersatzbusse ein, während Experten den Zustand der Strecke begutachteten.
Das Beben rückt erneut die seismische Verwundbarkeit Italiens in den Fokus. Zwar liegt Kalabrien in einer bekannten Erdbebenzone, doch auch weiter nördlich bleibt die Lage angespannt. Insbesondere im Raum Neapel sorgt die anhaltende seismische Aktivität rund um die Phlegräischen Felder, einen der gefährlichsten Supervulkane Europas, für Besorgnis. Dort kam es zuletzt im November zu Erdbebenschwärmen. Ein möglicher Ausbruch hätte gravierende Folgen weit über die Region hinaus.
International reiht sich das Ereignis in eine Phase erhöhter seismischer Aufmerksamkeit ein. Noch im Dezember hatte ein starkes Erdbeben Japan erschüttert, begleitet von Tsunami-Warnungen und der Sorge vor zahlreichen Nachbeben. Das Beben vor Süditalien blieb zwar glimpflich, zeigt jedoch einmal mehr, wie schnell Naturgewalten ganze Regionen in Alarmbereitschaft versetzen können.


