Verheerender Brand im Brentenbergtunnel

Bischofshofen. Für Hunderttausende Winterurlauber endeten die Skiferien im Salzburger Land am Wochenende mit einem massiven Verkehrschaos. Ausgerechnet zum Höhepunkt der Rückreisewelle kam es auf der Tauernautobahn (A10), der wichtigsten Nord-Süd-Achse zwischen Villach und Salzburg, zu einem schweren Lkw-Unfall mit dramatischen Folgen. Die ohnehin chronisch überlastete Autobahn wurde damit erneut zum Sinnbild eines Verkehrsnadelöhrs, das Österreich seit Jahren beschäftigt.

Am Freitagabend gegen 18 Uhr verlor ein 41-jähriger Lkw-Fahrer aus Rumänien aus bislang ungeklärter Ursache die Kontrolle über seinen Sattelschlepper. Das Fahrzeug prallte im Brentenbergtunnel gegen das rechte Tunnelportal, schleuderte quer über die Fahrbahn, kam im Tunnel zum Stillstand – und ging kurz darauf in Flammen auf. Die enorme Hitze setzte dem Tunnel massiv zu, Teile der Decke und der Tunnelschale stürzten herab.

Der Fahrer konnte sich zwar verletzt aus dem brennenden Führerhaus retten, wurde jedoch im dichten Rauch eingeschlossen. Erst Atemschutztrupps der Feuerwehr konnten ihn über einen Querstollen aus der benachbarten Tunnelröhre bergen. Er wurde ins Uniklinikum Salzburg eingeliefert. Mehrere Feuerwehren standen stundenlang im Einsatz, um den Brand zu löschen und ein Übergreifen auf weitere Tunnelbereiche zu verhindern.

Stundenlange Staus und überlastete Ausweichrouten

Die Folgen für den Verkehr waren gravierend. Zwischen Werfen und dem Pass Lueg wurde die A10 vollständig gesperrt, der Verkehr über die Salzachtalstraße umgeleitet. Dort ging zeitweise kaum noch etwas: Autofahrer benötigten am Samstagvormittag fast eine Stunde für die Strecke von Bischofshofen nach Werfen. Zwischenzeitlich stauten sich Fahrzeuge laut Medienberichten sogar bis zu drei Stunden. Auch auf der Autobahn selbst reichte der Stau kilometerweit zurück bis nach Hüttau im Pongau.

Besonders hart traf es Busse und Lastwagen. Für sie blieb nur die großräumige Umfahrung über die A9 und A1 – ein erheblicher Umweg. Die Nebenrouten waren heillos überlastet, auf der B159 bildete sich ein mehr als zehn Kilometer langer Stau. In Eben im Pongau wurde am Samstagnachmittag zusätzlich die Blockabfertigung aktiviert, um den Verkehr notdürftig zu regulieren.

Tunnel schwer beschädigt – Dauer der Sperre völlig offen

Erste Untersuchungen durch den Autobahnbetreiber Asfinag zeigen das ganze Ausmaß der Zerstörung. Auf den ersten rund 100 Metern des Tunnels wurden massive Schäden festgestellt. Fotos der Einsatzkräfte zeigen große Beton- und Felsbrocken, die aus der Decke und der Tunnelschale herausgebrochen sind. Auch die technische Infrastruktur wurde stark in Mitleidenschaft gezogen: Beleuchtung, Funk- und Brandmeldekabel sowie Sicherheitssysteme und Fahrbahn sind teilweise zerstört.

Der Brentenbergtunnel war erst im Juni nach einer aufwendigen und millionenschweren Sanierung wieder freigegeben worden. Projektverantwortliche betonten nun, dass die modernen Sicherheitseinrichtungen bei dem Brand Schlimmeres verhindert und vermutlich Leben gerettet hätten. Dennoch ist klar: Die Reparatur wird aufwendig. Wann der Tunnel wieder geöffnet werden kann, ist derzeit völlig ungewiss. Eine belastbare Einschätzung soll erst nach detaillierten Expertenanalysen möglich sein.

A10 bleibt Dauerproblem – weitere Baustellen drohen

Der Unfall trifft eine Region, die ohnehin unter Dauerbelastung leidet. Die Tauernautobahn gilt seit Jahren als das größte Verkehrsproblem Österreichs. Weitere Großbaustellen stehen bereits fest: Ab 2026 beginnen Vorarbeiten für die Generalsanierung von Tauern- und Katschbergtunnel, ab Herbst 2027 folgen jahrelange Hauptarbeiten mit Gegenverkehrsführungen. Zusätzlich sorgen Bauprojekte am Knoten Spittal-Millstätter See bis 2029 für neue Engpässe.

Für Urlauber, Pendler und Anwohner bedeutet das: Geduld bleibt ein rares Gut. Abfahrtssperren auf Nebenstraßen sollen Ausweichverkehr verhindern, sorgen aber für zusätzlichen Frust. Der jüngste Tunnelbrand hat nun schonungslos offengelegt, wie fragil das Verkehrssystem auf dieser zentralen Alpenroute ist – und wie schnell es im Ferienverkehr zum völligen Stillstand kommen kann.

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