Militärparade: Putin kappt mobiles Internet

Wenige Tage vor der großen Militärparade zum „Tag des Sieges“ hat der Kreml drastische Maßnahmen ergriffen: In Moskau und St. Petersburg wurde das mobile Internet zeitweise vollständig abgeschaltet. Offiziell begründeten die russischen Behörden den Schritt mit Sicherheitsbedenken und der Gefahr möglicher ukrainischer Drohnenangriffe rund um die Feierlichkeiten am 9. Mai.

Die Maßnahme traf Millionen Menschen in den beiden größten Städten Russlands und sorgte für massive Einschränkungen im Alltag. Beobachter sehen darin jedoch weit mehr als nur eine kurzfristige Sicherheitsmaßnahme – viele sprechen inzwischen von einem weiteren Schritt hin zu einem „digitalen Eisernen Vorhang“.

Kreml fürchtet Angriffe während der Siegesparade

Das russische Digitalministerium bestätigte eine „vorübergehende Blockade des mobilen Internets“. Hintergrund seien erhöhte Sicherheitsanforderungen im Vorfeld der traditionellen Militärparade in Moskau. Jedes Jahr nutzt Präsident Wladimir Putin den 9. Mai, um Russlands militärische Stärke öffentlich zu demonstrieren. Die Parade erinnert offiziell an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg, dient aber zunehmend auch der politischen Inszenierung des Kremls und der Rechtfertigung des Krieges gegen die Ukraine.

Russische Behörden warnen seit Tagen vor möglichen Drohnenangriffen ukrainischer Kräfte auf Moskau und andere Großstädte. Die Internetsperre gilt deshalb offenbar als Teil umfassender Sicherheitsvorkehrungen.

Alltag in Millionenstädten bricht teilweise zusammen

Die Folgen der Abschaltung waren sofort spürbar. In Moskau und St. Petersburg funktionierten zeitweise mobile Kommunikation, Navigationsdienste und zahlreiche digitale Bezahlsysteme nicht mehr zuverlässig. Besonders betroffen waren Menschen, die auf mobile Zahlungsdienste angewiesen sind. Teilweise konnten weder Fahrdienste noch Lieferdienste oder digitale Ticket-Systeme genutzt werden. Auch soziale Netzwerke und Messenger-Dienste waren stark eingeschränkt.

Am Mittag wurde die Sperre in Moskau schrittweise aufgehoben. Allerdings stellten die Mobilfunkanbieter den Zugang zunächst nur zu sogenannten „Whitelist“-Seiten wieder her – also zu staatlich genehmigten Internetangeboten, die auch bei digitalen Notlagen erreichbar bleiben. Neben Moskau und St. Petersburg wurden auch aus anderen Regionen Russlands Störungen gemeldet, darunter aus der Region Perm.

Russland verschärft Kontrolle über das Internet

Die aktuelle Maßnahme reiht sich in eine lange Serie staatlicher Eingriffe in Russlands digitalen Raum ein. Seit Beginn des Ukraine-Krieges hat die Regierung die Kontrolle über das Internet massiv verschärft. Beliebte westliche Plattformen wurden blockiert oder eingeschränkt, unabhängige Medien unter Druck gesetzt und VPN-Dienste zunehmend verboten oder technisch behindert. Kritiker werfen dem Kreml vor, ein abgeschottetes Staatsinternet nach chinesischem Vorbild aufzubauen.

Experten sprechen inzwischen offen von einem „digitalen Eisernen Vorhang“, der die russische Bevölkerung immer stärker vom freien globalen Internet trennt. Die jüngste Abschaltung in den Metropolen gilt dabei als weiteres Signal dafür, wie schnell der Staat bereit ist, Kommunikationsnetze im Namen der Sicherheit lahmzulegen.

Angst vor neuer Eskalation wächst

Die Nervosität in Russland wächst offenbar mit jedem Tag näher zur Parade. Sicherheitsbehörden rechnen nach Medienberichten mit weiteren Drohnenangriffen oder Sabotageaktionen rund um symbolträchtige Veranstaltungen. Für viele Russen wurde die zeitweise Abschaltung des mobilen Internets deshalb zu einem deutlichen Zeichen dafür, wie angespannt die Lage hinter den Kulissen inzwischen ist. Während der Kreml Stärke demonstrieren will, wächst gleichzeitig die Sorge vor neuen Angriffen und weiteren Einschränkungen im Alltag.

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