Düsseldorf. Verdächtige Drohnenflüge über Deutschland sorgen zunehmend für Unruhe bei Sicherheitsbehörden und Politik. Besonders Nordrhein-Westfalen rückt dabei in den Fokus. Das geht aus der aktuellen „Drohnenbilanz 2025“ hervor, die NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Landtag vorgestellt hat. Demnach ist das Bundesland nicht nur wegen seiner dichten kritischen Infrastruktur betroffen, sondern auch wegen der Standorte bedeutender Rüstungsunternehmen.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Entwicklung: Im Jahr 2025 wurden landesweit 351 verdächtige Drohnensichtungen registriert – ein spürbarer Anstieg gegenüber 232 Fällen im Jahr 2024. Die Statistik bezieht sich auf das gesamte Landesgebiet Nordrhein-Westfalens. Hinzu kommen weitere Vorfälle über besonders sensiblen Bereichen. Nach vorläufigen Daten des Bundeskriminalamts gab es über kritischer Infrastruktur in NRW eine „niedrige dreistellige Zahl“ an Verdachtsfällen, bundesweit sogar eine niedrige vierstellige Zahl.
Zu den als kritisch eingestuften Bereichen zählen unter anderem Energie- und Wasserversorgung, Gesundheitswesen, IT und Telekommunikation, Behörden, Verkehrswege, Medien sowie Verteidigungseinrichtungen. Auch Produktionsstätten und Firmensitze der Rüstungsindustrie fallen darunter – ein Umstand, der NRW aus Sicht der Sicherheitsbehörden besonders verwundbar macht.
Viele Details bleiben allerdings unter Verschluss. Das Innenministerium verweist in dem Bericht ausdrücklich auf „operative Geheimhaltungserfordernisse“. Konkrete Angaben zu Zeitpunkten oder Orten einzelner Sichtungen werden nicht veröffentlicht, um Rückschlüsse auf sicherheitsrelevante Örtlichkeiten und polizeitaktische Vorgehensweisen zu verhindern.
Eine weitere Zahl unterstreicht jedoch die Brisanz der Lage: Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität listet der Bericht 25 Einzelfälle im Zusammenhang mit Drohnen. In keinem dieser Fälle konnten bislang Tatverdächtige identifiziert oder die Vorfälle aufgeklärt werden.
Wer hinter den Drohnenflügen steckt, bleibt damit weiter offen. Laut Innenministerium gibt es derzeit keine belastbaren Erkenntnisse, die eindeutig auf ausländische Staaten oder deren Nachrichtendienste hindeuten. Die Ermittlungen laufen. In einigen Fällen gehe man allerdings von sogenannten Trittbrettfahrern aus, die gezielt Polizeieinsätze provozieren wollten.
Innenminister Reul warnte vor den wachsenden Risiken: Drohnen seien leistungsfähiger, leichter zu bedienen und immer verfügbarer. Damit eigneten sie sich zunehmend als Mittel zur Ausspähung, Sabotage oder gezielten Verunsicherung der Bevölkerung.
Politisch wächst der Druck, schärfer zu reagieren. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Marcel Hafke, fordert eine gesetzlich verankerte Drohnen-Strategie für Nordrhein-Westfalen. Kritische Infrastruktur dürfe „nicht zum Flugplatz für Drohnen unbekannter Herkunft werden“, sagte er dem WDR. Das Polizeigesetz müsse aus seiner Sicht so geändert werden, dass Beamte im Ernstfall auch befugt seien, Drohnen abzuschießen. Zudem brachte Hafke den Einsatz erprobter Laser-Abwehrsysteme ins Spiel.
Bislang setzt die NRW-Polizei bei der Drohnenabwehr vor allem auf das Abfangen der Fluggeräte – etwa mit Fangnetzen oder Störsendern, die die Steuerung unterbrechen. Angesichts steigender Fallzahlen dürfte die Debatte über weitergehende Befugnisse und technische Mittel jedoch an Schärfe gewinnen.


