Deutschland erlebt eine der bislang heißesten Wetterlagen des Jahres. Am Freitag kletterten die Temperaturen vielerorts auf deutlich über 35 Grad. Den Spitzenwert registrierten die Meteorologen im unterfränkischen Kitzingen mit 38,5 Grad. Dahinter folgten Bad Kreuznach mit 38,0 Grad sowie Waghäusel-Kirrlach und Andernach mit jeweils 37,5 Grad. Auch Frankfurt am Main überschritt mit 37,2 Grad deutlich die 37-Grad-Marke.
Selbst in Norddeutschland, wo sich der Sommer bislang zurückhaltend zeigte, wurden verbreitet mehr als 30 Grad gemessen. Der Deutsche Wetterdienst warnte deshalb in zahlreichen Regionen vor extremer Hitze. Trotz der außergewöhnlichen Temperaturen blieb der bisherige Tagesrekord für einen 19. Juni unangetastet. Dieser stammt aus dem Jahr 2022, als in Dresden 39,2 Grad gemessen wurden.
Nach der Hitze folgen heftige Gewitter
Mit der extremen Wärme steigt gleichzeitig die Gefahr schwerer Unwetter. Bereits am Freitagabend entwickelten sich in zahlreichen Regionen kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und teils schweren Sturmböen. Besonders betroffen waren Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg. In mehreren Städten stürzten Bäume um, Straßen wurden überflutet und Keller liefen voll. Blitzeinschläge sorgten vereinzelt für Brände an Gebäuden, während Feuerwehren und Rettungskräfte im Dauereinsatz standen.
Meteorologen warnen davor, die Wetterlage zu unterschätzen. Die Kombination aus großer Hitze und feuchter Luft schafft ideale Bedingungen für besonders kräftige Gewitterzellen.
Bahnverkehr durch Unwetter massiv beeinträchtigt
Die Unwetter hatten auch erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Zwischen Hamburg und Bremen kam es am Freitagmorgen wegen einer Stellwerksstörung infolge der Unwetterschäden zu Zugausfällen und erheblichen Verspätungen. Zahlreiche ICE-Verbindungen mussten umgeleitet werden oder waren mit bis zu 90 Minuten Verspätung unterwegs. Auch der Regionalverkehr war betroffen. Mehrere Züge konnten nur mit stark reduzierter Geschwindigkeit fahren. Besonders ungünstig traf dies viele Besucher des Hurricane-Festivals, die am Freitag anreisen wollten.
Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz
In vielen Bundesländern mussten Feuerwehr und Polizei innerhalb kurzer Zeit zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen und Bahnstrecken, Aquaplaning führte auf mehreren Autobahnen zu Verkehrsunfällen.
Im Rhein-Lahn-Kreis stiegen nach heftigen Regenfällen die Pegel kleiner Flüsse innerhalb weniger Stunden deutlich an. Am Dörsbach wurde zeitweise ein Wasseranstieg von mehr als 1,5 Metern registriert. Experten sprechen von einem Hochwasserereignis, das statistisch nur etwa alle 50 Jahre auftritt.
Auch in Mannheim beschäftigten zahlreiche wetterbedingte Einsätze die Feuerwehr. Mehrere Blitzeinschläge wurden gemeldet, darunter auch in Gebäuden. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand.
Festivals zeitweise unterbrochen
Das wechselhafte Wetter sorgte auch bei mehreren Großveranstaltungen für erhebliche Einschränkungen. Beim Southside Festival in Baden-Württemberg musste das Gelände wegen eines schweren Gewitters vorübergehend geräumt werden. Die Besucher wurden aufgefordert, Schutz in ihren Fahrzeugen zu suchen. Erst nach Entwarnung konnte das Festival mit verkürztem Programm fortgesetzt werden. Mehrere Konzerte mussten jedoch endgültig abgesagt werden.
Auch andere Open-Air-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen waren betroffen. Konzerte begannen verspätet oder wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt.
Wetter am Samstag: Weitere Unwetter und Tornadogefahr
Auch am Samstag bleibt die Wetterlage angespannt. Vor allem in der Mitte, im Osten und im Süden Deutschlands erwarten Meteorologen erneut kräftige Gewitter. Lokal können sogenannte Superzellen entstehen, die neben großem Hagel und schweren Sturmböen auch sintflutartige Regenfälle bringen. Nach Einschätzung der Wetterexperten besteht regional zudem ein leicht erhöhtes Tornadorisiko. Abseits der Gewitter zeigt sich häufig die Sonne. Die Temperaturen erreichen erneut hochsommerliche Werte zwischen 30 und 38 Grad.
Entspannung erst zum Wochenbeginn
Erst ab Sonntag zeichnet sich im Norden Deutschlands eine leichte Wetterberuhigung ab. Dort sorgt trockenere Luft für etwas angenehmere Temperaturen. In der Landesmitte bleibt die Gewittergefahr jedoch bestehen. Zusätzlich warnen Experten angesichts der anhaltenden Hitze vor einer steigenden Waldbrandgefahr. Bereits kleine Zündquellen wie achtlos weggeworfene Zigaretten oder offene Feuer können unter den trockenen Bedingungen verheerende Brände auslösen.



Ein Kommentar zu “Hitzewelle: Unwetter ziehen über das Land”