Ein Großbrand hat am Sonntagabend im rheinhessischen Sprendlingen einen umfangreichen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Auf dem Gelände eines kunststoffverarbeitenden Betriebs standen mehrere Gebäude vollständig in Flammen. Dichter Rauch zog über den Ort und die umliegenden Gemeinden. Rund 230 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Polizei und weiteren Hilfsorganisationen waren im Einsatz. Das Feuer konnte im Laufe der Nacht unter Kontrolle gebracht werden, war nach den vorliegenden Informationen jedoch zunächst noch nicht vollständig gelöscht.
Flammen greifen auf mehrere Gebäude über
Der Brand entwickelte sich auf dem Betriebsgelände zu einem größeren Industriebrand. Mehrere Gebäude wurden von den Flammen erfasst und standen zeitweise komplett in Brand. Die starke Rauchentwicklung führte dazu, dass die Behörden auch die Bevölkerung außerhalb des unmittelbaren Einsatzbereichs warnten. Über Warn-Apps wurden Anwohner in Sprendlingen und mehreren umliegenden Orten über die Rauch- und Geruchsbelastung informiert. Betroffen waren unter anderem Badenheim, Pfaffen-Schwabenheim, Biebelsheim, Planig, Bosenheim und Hackenheim. Die Menschen wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Klima- sowie Lüftungsanlagen abzuschalten.
Mehrere Wohnhäuser vorsorglich geräumt
Besonders brisant war die Nähe des Betriebsgeländes zu Wohnhäusern. Mehrere angrenzende Gebäude mussten vorsorglich evakuiert werden. Nach Angaben des Landkreises Mainz-Bingen wurden sechs Bewohner von Einsatzkräften betreut. Hinweise auf Verletzte unter den Anwohnern gab es zunächst nicht. Eine Einsatzkraft erlitt während des stundenlangen Einsatzes eine leichte Hitzeerschöpfung und wurde vom Rettungsdienst behandelt. Weitere Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.
Hitze erschwert die Löscharbeiten
Für die Feuerwehr kam der Brand unter besonders schwierigen Bedingungen. Rheinland-Pfalz befindet sich derzeit in einer ausgeprägten Hitzeperiode. Die hohen Temperaturen belasteten nicht nur die Einsatzkräfte, sondern erschwerten auch die Versorgung des Brandes mit ausreichenden Mengen Löschwasser. Das örtliche Wassernetz erreichte nach Angaben der Behörden angesichts des hohen Verbrauchs seine Kapazitätsgrenze. Um dennoch genügend Wasser zur Verfügung stellen zu können, musste zusätzlich Wasser aus dem Wiesbach entnommen werden. Die Einsatzleitung musste damit nicht nur gegen die Flammen kämpfen, sondern gleichzeitig die Löschwasserversorgung organisieren – ein Problem, das bei großen Industriebränden schnell zu einem entscheidenden Faktor werden kann.
Freibad wird zur Löschwasserreserve
Besonders ungewöhnlich ist die Rolle des örtlichen Freibads. Das Bad musste vorerst geschlossen bleiben, weil es als zusätzliche Löschwasserreserve für den Feuerwehreinsatz eingeplant wurde. Darüber hinaus lagerten sich Rußpartikel und Verbrennungsrückstände auf der Wasseroberfläche sowie auf angrenzenden Flächen ab. Deshalb war eine normale Nutzung des Freibads zunächst nicht möglich. Damit hat der Großbrand auch unmittelbare Auswirkungen auf die Infrastruktur und das öffentliche Leben der Gemeinde.
Bahnstrecke vorübergehend gesperrt
Auch der Bahnverkehr war von dem Brand betroffen. Wegen der Lage des Betriebsgeländes und der starken Rauchentwicklung wurde die Bahnstrecke bei Sprendlingen vorsorglich gesperrt. Für Reisende wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die Sperrung sollte vor allem gewährleisten, dass weder der Bahnverkehr noch die Einsatzkräfte durch zusätzliche Gefahren beeinträchtigt werden. Damit entwickelte sich der Brand innerhalb kurzer Zeit von einem lokalen Feuerwehreinsatz zu einem Ereignis, das auch den Verkehr und das öffentliche Leben in der Region beeinflusste.
Rauch und Ruß sorgen für Warnungen
Die Rauchentwicklung war zeitweise so stark, dass die Behörden Warnungen für mehrere Gemeinden herausgaben. Neben Sichtbehinderungen wurde vor allem vor Geruchsbelästigungen gewarnt. Im Umfeld des Brandortes gingen zudem Ruß- und Verbrennungsrückstände nieder. Nach Angaben des Landkreises bestand dadurch keine besondere unmittelbare Gefahr. Eine direkte Berührung sollte dennoch vermieden werden. Die Rückstände könnten anschließend mit Wasser und Seife entfernt werden. Die Behörden rieten der Bevölkerung außerdem, das Einsatzgebiet weiträumig zu meiden.
Brandursache noch unbekannt
Warum das Feuer auf dem Betriebsgelände ausbrach, war zunächst unklar. Die Ermittlungen zur Brandursache konnten wegen der laufenden Löscharbeiten zunächst nur eingeschränkt beziehungsweise noch nicht umfassend aufgenommen werden. Bei einem Brand, der mehrere Betriebsgebäude erfasst hat, müssen die Ermittler später zahlreiche mögliche Ursachen prüfen. Dazu gehören technische Defekte ebenso wie Fehler im Betriebsablauf oder andere mögliche Auslöser. Eine vorschnelle Festlegung auf eine Brandursache wäre deshalb nicht angebracht.
Großeinsatz zieht sich über Stunden
Die Dimension des Einsatzes zeigt sich bereits an der Zahl der beteiligten Kräfte. Rund 230 Einsatzkräfte waren beziehungsweise sind mit der Brandbekämpfung und den damit verbundenen Maßnahmen beschäftigt. Neben den Feuerwehren waren auch das THW, Hilfsdienste und die Polizei eingebunden. Während die Feuerwehr gegen die Flammen vorging, mussten gleichzeitig Wohnhäuser geräumt, Verkehrswege gesichert, die Bevölkerung gewarnt und die Wasserversorgung organisiert werden. Erst nachdem das Feuer unter Kontrolle gebracht werden konnte, verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Nachlöscharbeiten und die Kontrolle möglicher Glutnester.
Sprendlingen kommt zunächst glimpflich davon
Trotz des erheblichen Sachschadens und der massiven Rauchentwicklung gibt es nach bisherigem Stand keine Meldungen über Tote. Lediglich eine Einsatzkraft musste wegen einer leichten Hitzeerschöpfung medizinisch versorgt werden. Für die Bewohner der geräumten Häuser stand dagegen zunächst die Rückkehr in ihre Wohnungen im Mittelpunkt. Voraussetzung dafür ist, dass von dem Brand keine Gefahr mehr ausgeht und die Einsatzleitung die entsprechenden Bereiche wieder freigeben kann. Wie hoch der Sachschaden auf dem Betriebsgelände ist, war zunächst nicht bekannt.
Industriebrand zeigt Risiken bei extremer Hitze
Der Großbrand von Sprendlingen macht zugleich deutlich, wie schwierig große Feuerwehreinsätze während einer Hitzeperiode werden können. Hohe Außentemperaturen belasten die Einsatzkräfte, während gleichzeitig der Wasserbedarf massiv steigt. Wenn dann ein Industrieunternehmen mit mehreren Gebäuden brennt, können die Anforderungen an die Löschwasserversorgung innerhalb kurzer Zeit die vorhandene Infrastruktur an ihre Grenzen bringen. In Sprendlingen musste deshalb auf zusätzliche Wasserressourcen zurückgegriffen werden. Das Freibad wurde zur Reserve, der Wiesbach zur zusätzlichen Wasserquelle. Der Brand ist damit nicht nur ein Beispiel für die zerstörerische Kraft eines Industriefeuers, sondern auch für die wachsenden Herausforderungen, vor denen Feuerwehren bei Großschadenslagen unter extremen Wetterbedingungen stehen.


