Mehrere Stromausfälle in Deutschland

Stromausfälle haben in der vergangenen Woche zahlreiche Regionen Deutschlands getroffen. Besonders auffällig waren eine größere Störung in Rosenheim mit rund 20.000 betroffenen Haushalten und ein lang andauernder Ausfall in Lauchringen mit zeitweise etwa 6.000 Haushalten ohne Strom. Hinzu kamen kleinere Netzstörungen, beschädigte Leitungen und Ausfälle nach technischen Defekten. Der Begriff „Blackout“ wird bei Stromausfällen häufig verwendet, doch die Ereignisse der vergangenen Woche zeigen vor allem ein anderes Bild: Deutschland hatte es mit einer Vielzahl lokaler und regionaler Netzstörungen zu tun.

Die Ursachen waren unterschiedlich. Sie reichten von technischen Defekten in Umspannwerken über beschädigte Leitungen und Brände bis hin zu Unfällen bei Bauarbeiten. Die meisten Störungen konnten innerhalb kurzer Zeit behoben werden. Dennoch zeigen die Ereignisse, wie schnell bereits ein Fehler an einem einzelnen Netzknoten erhebliche Auswirkungen auf Haushalte, Verkehr und öffentliche Einrichtungen haben kann.

Rosenheim: 20.000 Haushalte zeitweise ohne Strom

Eine der größten öffentlich bekannt gewordenen Störungen der Woche ereignete sich am 28. Juli in Rosenheim. Am Dienstagnachmittag kam es im Umspannwerk Pang zu einem technischen Defekt. Nach Angaben des Netzbetreibers Bayernwerk war ein Bauteil einer sogenannten Sammelschiene betroffen. Infolge des Fehlers lösten Schutzsysteme mehrere Stromkreise aus. Dadurch wurden mehrere Umspannwerke vorübergehend spannungslos. Rund 20.000 Haushalte waren zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten.

Die Folgen waren unmittelbar sichtbar: Ampelanlagen fielen aus, Aufzüge blieben stehen und Feuermelder lösten aus. Auch die Feuerwehr musste zu Einsätzen ausrücken. Die meisten Haushalte waren nach etwa 20 Minuten wieder versorgt. Bei einzelnen Kunden dauerte die Unterbrechung rund 30 Minuten. Eine Warnmeldung der Leitstelle wurde bereits kurz nach Beginn der Störung über die entsprechenden Warnsysteme verbreitet; kurze Zeit später konnte Entwarnung gegeben werden. Der Vorfall ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein relativ kurzer technischer Fehler in einem Umspannwerk erhebliche Auswirkungen auf eine Stadt haben kann.

Auch Kiefersfelden und Teile des Landkreises Rosenheim betroffen

Die Störung beschränkte sich nicht auf die Stadt Rosenheim. Auch Kiefersfelden und weitere Bereiche des Landkreises Rosenheim waren am 28. Juli betroffen. Die Gemeindewerke Kiefersfelden teilten mit, dass die Unterbrechung dort gegen 15.40 Uhr begann und um etwa 15.57 Uhr beendet war. Als Ursache wurde eine Störung beim vorgelagerten Netzbetreiber Bayernwerk Netz genannt. Die Gemeinde bestätigte anschließend, dass das Stromnetz wieder vollständig stabil aufgebaut war. Damit zeigt sich an diesem Beispiel besonders deutlich die Abhängigkeit der regionalen Verteilnetze von übergeordneten Netzebenen: Eine technische Störung kann sich über mehrere Orte hinweg auswirken.

Lauchringen: Brand im Schalthaus legt Teile der Gemeinde lahm

Noch deutlich länger dauerte der Stromausfall in Lauchringen im Landkreis Waldshut. Am Abend des 28. Juli fiel dort gegen 18 Uhr plötzlich der Strom aus. Nach Angaben der Gemeinde war ein Brand im Schalthaus an der Steinatalstraße die Ursache. Zeitweise waren nach Polizeiangaben rund 6.000 Haushalte betroffen. Die Störung erstreckte sich unter anderem auf Gebiete südlich der B34 sowie auf die Friedhofstraße, das Heidenäckergebiet, das Eichle, Teile der Goethestraße und die Lachenäcker.

Zunächst war von einer Reparaturdauer von zwei bis drei Stunden ausgegangen. Im weiteren Verlauf wurde jedoch deutlich, dass die Arbeiten wesentlich länger dauern würden. Die Stadtwerke Waldshut-Tiengen rechneten am späten Abend mit weiteren sechs bis acht Stunden Reparaturzeit.

Gemeinde richtet Versorgungsstation ein

Die Gemeinde Lauchringen reagierte auf die länger andauernde Störung mit konkreten Maßnahmen. In der Gemeindehalle Unterlauchringen wurde ein Sammelpunkt mit Versorgungsstation eingerichtet. Dort konnten sich Betroffene bei Bedarf aufhalten und unter anderem ihre Mobiltelefone laden. Die Reaktion ist bemerkenswert, weil sie zeigt, wie sich ein zunächst technischer Netzfehler innerhalb weniger Stunden zu einer Situation entwickeln kann, in der kommunale Notfallstrukturen erforderlich werden. Lauchringen verfügt bereits über einen eigenen Notfallplan für länger dauernde Stromausfälle. Für größere Störungen sind im Gemeindegebiet Notfallmeldestellen und Notfalltreffpunkte vorgesehen. Damit gehört die Gemeinde zu den Kommunen, die sich inzwischen ausdrücklich auf länger andauernde Stromausfälle vorbereiten.

Westerwald: Baggerunfall beschädigt Stromversorgung

Auch im Westerwald kam es zu einer lokalen Netzstörung. Am 27. Juli verursachte ein Baggerunfall einen Stromausfall in Teilen der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach. Mehrere Ortschaften waren zeitweise betroffen. Die Stromversorgung konnte nach den erforderlichen Arbeiten wiederhergestellt werden. Der Vorfall verdeutlicht eine der häufigsten Ursachen lokaler Stromausfälle: Beschädigungen von Leitungen durch Bauarbeiten. Gerade im Bereich von Tiefbauarbeiten können unterirdisch verlegte Stromleitungen betroffen sein. Die Auswirkungen reichen dabei von einem einzelnen Straßenzug bis hin zu mehreren Ortsteilen.

Kleine Störungen bleiben häufig unsichtbar

Neben den größeren Ereignissen gab es in der vergangenen Woche zahlreiche kleinere oder sehr kurzfristige Unterbrechungen. Ein Problem bei der Erfassung: Solche Ausfälle tauchen häufig überhaupt nicht in überregionalen Nachrichten auf. Wenn beispielsweise ein Ortsnetz für wenige Minuten ausfällt und der Netzbetreiber die Versorgung automatisch wiederherstellen kann, gibt es oft weder eine Polizeimeldung noch einen Feuerwehrbericht. Auch kommunale Webseiten veröffentlichen nicht jede kurzfristige Störung. Das bedeutet: Die öffentlich recherchierbare Zahl der Stromausfälle liegt zwangsläufig unter der tatsächlichen Zahl der technischen Unterbrechungen.

München-Lochhausen: Brand an 10.000-Volt-Leitung

Ein weiterer bemerkenswerter Fall ereignete sich in München-Lochhausen. Dort war es zu einem Stromausfall gekommen. Während der Entstörungsarbeiten kam es an einer 10.000-Volt-Leitung zu einem Brand beziehungsweise Kleinbrand. Die Feuerwehr rückte aus und löschte das Feuer. Verletzte wurden nicht gemeldet. Die genaue Ursache und die Schadenshöhe waren zunächst offen. Der Fall zeigt eine weitere typische Verkettung: Ein Stromausfall ist nicht zwangsläufig das Ende des Ereignisses. Bei der Fehlersuche können beschädigte Kabel, Lichtbögen oder Folgebrände zusätzliche Gefahren erzeugen.

Wartungsarbeiten können ebenfalls zu Unterbrechungen führen

Nicht jede Stromunterbrechung ist auf einen ungeplanten technischen Defekt zurückzuführen. In der vergangenen Woche wurden auch geplante Arbeiten am Stromnetz angekündigt. Ein Beispiel ist Glees im Landkreis Ahrweiler, wo zwischen dem 26. und 30. Juli Instandhaltungsarbeiten im Bereich des Stromnetzes durchgeführt wurden. Solche Maßnahmen unterscheiden sich grundlegend von einem ungeplanten Stromausfall. Sie sind angekündigt und dienen dazu, Leitungen, Stationen und andere Netzkomponenten zu warten oder zu erneuern. Für die Bevölkerung können sie sich dennoch wie ein Stromausfall bemerkbar machen.

Stromnetz unter hoher Belastung

Die Ereignisse der vergangenen Woche fallen zudem in eine Phase hoher Temperaturen. Gerade im Sommer kann die Belastung der Strominfrastruktur steigen. Klimaanlagen, Ventilatoren und Kühlsysteme erhöhen den Stromverbrauch. Gleichzeitig können hohe Temperaturen technische Komponenten und Kabel zusätzlich beanspruchen. Bereits Anfang Juli hatte der Südwestrundfunk über mehrere Stromausfälle in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz berichtet, bei denen Fachleute einen Zusammenhang zwischen Hitze und beschädigten Erdkabeln sahen. Das bedeutet nicht, dass die Ausfälle dieser Woche generell auf die Hitze zurückzuführen sind. Die Ursachen der einzelnen Störungen müssen jeweils separat betrachtet werden.

Vom Kurzschluss bis zum Brand

Besonders der Ausfall in Rosenheim zeigt, welche Folgen eine Stromunterbrechung bereits nach wenigen Minuten haben kann. Ampeln funktionieren nicht mehr. Aufzüge bleiben stehen. Automatische Türen, Kassen- und Bezahlsysteme oder technische Anlagen können ausfallen. Bei längeren Unterbrechungen kommen weitere Probleme hinzu: Mobiltelefone müssen geladen werden, Kühlketten können gefährdet sein, elektrische Heiz- oder Kühlsysteme funktionieren nicht mehr und möglicherweise sind auch medizinische Geräte betroffen. In Lauchringen wurde deshalb bereits nach mehreren Stunden ein kommunaler Versorgungspunkt eingerichtet.

Notfalltreffpunkte gewinnen an Bedeutung

Kommunen beginnen zunehmend damit, sich systematisch auf längere Stromausfälle vorzubereiten. Lauchringen hat beispielsweise für den Fall eines größeren beziehungsweise länger dauernden Stromausfalls eigene Notfallmeldestellen und Treffpunkte vorgesehen. Dort sollen Bürger auch dann Hilfe erhalten können, wenn Telefon- und Notrufverbindungen ausfallen. Das Konzept folgt einer einfachen Logik: Fällt der Strom großflächig aus, können nicht nur elektrische Geräte ausfallen. Auch Mobilfunknetze, Internetverbindungen und andere Kommunikationswege können nach einiger Zeit beeinträchtigt sein. Damit wird die Feuerwehr beziehungsweise die kommunale Gefahrenabwehr zu einem wichtigen Bestandteil der Krisenkommunikation.

Deutschland ist weiterhin kein Blackout-Land

Trotz der zahlreichen Meldungen der vergangenen Woche sollte zwischen Stromausfall und Blackout unterschieden werden. Ein lokaler Stromausfall ist in der Regel räumlich begrenzt und kann durch Netzbetreiber relativ schnell behoben werden. Ein Blackout bezeichnet dagegen einen großflächigen und länger anhaltenden Zusammenbruch der Stromversorgung, der erhebliche Folgewirkungen auf andere kritische Infrastrukturen haben kann. Die vergangenen Tage lieferten keinen Hinweis auf einen solchen bundesweiten Zusammenbruch.

Vielmehr zeigt sich das deutsche Stromnetz weiterhin als grundsätzlich robust. Einzelne Fehler können jedoch durchaus größere regionale Auswirkungen haben – wie die 20.000 betroffenen Haushalte in Rosenheim eindrucksvoll zeigen.

Kritische Infrastruktur bleibt verwundbar

Die Ereignisse werfen dennoch eine wichtige Frage auf: Wie widerstandsfähig ist die Stromversorgung gegenüber einer Kombination verschiedener Störungen? Ein technischer Defekt ist normalerweise beherrschbar. Ein Brand in einer Schaltanlage ebenfalls. Auch eine beschädigte Leitung kann in vielen Fällen relativ schnell repariert werden. Problematisch wird es, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig auftreten. Dazu könnten beispielsweise extreme Wetterereignisse, Schäden an mehreren Leitungen, Brände, technische Ausfälle oder gezielte Beschädigungen gehören.

Je größer die Zahl der gleichzeitig betroffenen Netzkomponenten, desto schwieriger wird es für die Betreiber, die Versorgung über alternative Leitungswege aufrechtzuerhalten.

Eine Woche mit mehreren Warnsignalen

Die Stromausfälle der vergangenen Woche waren sehr unterschiedlich. Von einer rund 20-minütigen Unterbrechung für Tausende Haushalte bis zu einem länger andauernden Ausfall nach einem Brand reichte die Bandbreite. Gerade diese Unterschiede sind für die Krisenvorsorge interessant. Die meisten Menschen erleben einen Stromausfall nur als kurze Unannehmlichkeit. Fällt der Strom jedoch mehrere Stunden aus, verändert sich die Situation grundlegend. Dann werden Notstromversorgung, Kommunikationsmöglichkeiten und kommunale Anlaufstellen wichtig.

Die Ereignisse in Rosenheim, Kiefersfelden, Lauchringen, im Westerwald und München zeigen deshalb vor allem eines: Stromausfälle sind in Deutschland weiterhin überwiegend lokale Ereignisse – können aber innerhalb kurzer Zeit erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Infrastruktur entwickeln. Deutschland verfügt weiterhin über eines der stabilsten Stromversorgungssysteme Europas. Doch Stabilität bedeutet nicht Ausfallsicherheit. Jeder größere regionale Stromausfall ist zugleich ein Test für Netzbetreiber, Kommunen, Feuerwehr, Rettungsdienste und die Bevölkerung.

Hinweis: Eine vollständige Auflistung aller Stromausfälle in Deutschland ist in der Praxis nicht möglich, da kleinere und sehr kurzzeitige Störungen nicht zentral erfasst oder öffentlich gebündelt veröffentlicht werden. Während größere Stromausfälle in der Regel über Netzbetreiber, Polizei, Feuerwehr oder Medien dokumentiert werden, bleiben viele lokale Ereignisse auf einzelne Stadtteile oder Straßenzüge begrenzt und werden lediglich intern von den zuständigen Energieversorgern registriert.

Hinzu kommt, dass es in Deutschland kein einheitliches öffentliches Register gibt, das sämtliche Stromunterbrechungen in Echtzeit oder rückwirkend vollständig zusammenführt. Viele Meldungen erscheinen zudem nur kurzfristig in lokalen Presseportalen oder Social-Media-Mitteilungen der Stadtwerke und sind später nicht mehr abrufbar. Dadurch entsteht ein fragmentiertes Bild, das nur durch eine Auswahl relevanter oder medial erfasster Ereignisse sinnvoll zusammengeführt werden kann.

Die folgende Übersicht konzentriert sich daher auf bestätigte und öffentlich dokumentierte Stromausfälle mit regionaler oder überregionaler Relevanz. Kleine, sehr kurzfristige oder nicht offiziell gemeldete Störungen können in einer solchen Zusammenstellung nicht vollständig berücksichtigt werden.

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