München. Die wirtschaftliche Flaute in Deutschland trifft Unternehmen zunehmend mit voller Wucht. Nach einer aktuellen Auswertung des ifo Instituts sieht sich inzwischen jedes zwölfte Unternehmen in seiner Existenz bedroht. Der Anteil der Firmen, die akute wirtschaftliche Schwierigkeiten melden, ist im November auf 8,1 Prozent gestiegen. Noch ein Jahr zuvor lag der Wert spürbar niedriger bei 7,3 Prozent – ein Zeichen dafür, dass sich die Lage kontinuierlich zuspitzt.
ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe warnt, dass mit einer schnellen Entspannung nicht zu rechnen sei. Die Zahl der Insolvenzen werde in den kommenden Monaten voraussichtlich hoch bleiben. Der Grund: Vielen Unternehmen brechen die Aufträge weg, und der Nachfrageeinbruch führt zu erheblichen Liquiditätsproblemen. Gleichzeitig steigen Betriebs- und Personalkosten weiter, während die internationale Konkurrenz den Druck am Markt zusätzlich erhöht. Hinzu kommen umfangreiche bürokratische Anforderungen, die für viele Firmen zur Belastungsprobe werden.
Besonders angespannt ist die Situation im Einzelhandel. Dort melden mittlerweile 15 Prozent der Unternehmen schwerwiegende wirtschaftliche Sorgen – deutlich mehr als die 13,8 Prozent im Vorjahr. Auch die Dienstleistungsbranche steht zunehmend unter Druck, denn 7,6 Prozent der Firmen sehen ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet. Im Industriebereich zeigt sich dagegen eine leichte Entspannung: Der Anteil der bedrohten Unternehmen sank von 8,6 auf 8,1 Prozent. Im Bauhauptgewerbe fiel der Wert sogar von 7,9 auf 6,3 Prozent.
Trotz dieser kleinen Lichtblicke bleibt die Gesamtlage angespannt. Das ifo Institut sieht keine kurzfristige Trendwende. Viele Firmen kämpfen gleichzeitig mit Umsatzschwäche, steigenden Kosten und unsicheren Zukunftsaussichten – eine Mischung, die die wirtschaftliche Substanz des Landes zunehmend belastet.


