Frauenhass im Internet bleibt weitverbreitet

Manchester. Frauen im Sport sind im Netz einer massiven Welle aus Hass, Beleidigungen und gezielter Einschüchterung ausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, an der unter anderem die University of Manchester beteiligt war. Die Forscher sprechen von einer allgegenwärtigen Kultur der Misogynie, die sich insbesondere in sozialen Netzwerken verfestigt und durch einflussreiche Akteure weiter angeheizt wird.

Die Untersuchung zeigt, dass sich Geschlecht, Herkunft und Online-Gewalt häufig überschneiden. Gerade Sportler, Trainer oder Experten seien in digitalen Räumen systematisch Angriffen ausgesetzt. Soziale Medien wirkten dabei nicht nur als Bühne, sondern als Verstärker: Hass verbreite sich schneller, erreiche größere Reichweiten und normalisiere frauenfeindliche Narrative.

Analyse von Hasskampagnen auf X

Im Mittelpunkt der Studie standen drei konkrete Ereignisse auf der Plattform X (ehemals Twitter). Analysiert wurden öffentliche Reaktionen auf beleidigende Äußerungen des ehemaligen englischen Fußballprofis Joey Barton, der zwei Fußballspielerinnen sowie eine weibliche Sportexpertin mit abwertender und aggressiver Sprache attackiert hatte.

Für jedes dieser Ereignisse wertete das Forschungsteam rund 6.500 Beiträge aus. Dabei zeigte sich, wie schnell sich Hassrede vervielfältigt, wenn sie von prominenten Persönlichkeiten ausgeht. „Unsere Forschung macht deutlich, welchen Einfluss Personen mit großer Reichweite auf Ton und Dynamik von Online-Debatten haben“, erklärt Rosy Boardman von der University of Manchester.

Wenn Hass salonfähig wird

Laut Boardman liegt das Kernproblem nicht nur in einzelnen Beleidigungen, sondern in deren Wirkung: Äußerungen einflussreicher Nutzer würden schädliche Narrative legitimieren, die sonst am Rand der Gesellschaft blieben. Ihre Worte wirkten wie ein Brandbeschleuniger, förderten Polarisierung und schafften digitale Räume, in denen Missbrauch zur Normalität werde.

„Wer Misogynie öffentlich verbreitet, äußert nicht einfach nur eine Meinung“, betont Boardman. Vielmehr werde eine Atmosphäre geschaffen, in der gezielte Feindseligkeit gegen Frauen im Sport als akzeptabel erscheine.

Forderung nach klaren Regeln und Konsequenzen

Die Forscher fordern deshalb strengere Richtlinien, klare Verantwortlichkeiten und wirksame Sanktionsmechanismen auf Plattformen wie X. Gleichzeitig müssten Sportverbände, Vereine und Medien eine aktivere Rolle einnehmen, um Frauen zu schützen und respektvolle Diskussionskulturen zu fördern.

„Wenn Sport ein Raum sein soll, in dem sich Frauen und Mädchen sicher, wertgeschätzt und zur vollen Teilhabe befähigt fühlen, muss diese Kultur offen infrage gestellt werden“, so Boardman. Einflussreiche Akteure müssten höhere Standards erfüllen – und bei Verstößen zur Rechenschaft gezogen werden.

Verurteilung mit Signalwirkung

Joey Barton wurde im November 2025 am Liverpool Crown Court in sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen, grob beleidigende elektronische Nachrichten mit der Absicht versendet zu haben, Leid oder Angst zu verursachen. Im Dezember 2025 wurde er zu sechs Monaten Haft verurteilt, die für 18 Monate zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Für die Studienautoren ist das Urteil ein wichtiges Signal – reicht aber nicht aus. Ohne konsequente Regeln und gesellschaftlichen Druck drohe der digitale Frauenhass im Sport weiter zur Normalität zu werden.

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