Drohnen-Schwärme über Nato-Stützpunkt und Flughäfen

Eine Welle mysteriöser Drohnensichtungen sorgt in Europa für wachsende Nervosität. Der jüngste Vorfall ereignete sich in Belgien: Rund 15 unbekannte Drohnen überflogen das Nato-Übungsgebiet Elsenborn und setzten ihren Kurs anschließend nach Deutschland fort, berichtete der Sender VRT NWS.

Fast zeitgleich musste der Flughafen München für mehrere Stunden gesperrt werden, nachdem Zeugen Drohnen über dem Areal gemeldet hatten. Trotz massiver Suchaktionen am Boden und in der Luft konnte die Polizei keine Spur der Flugobjekte oder ihrer Steuerer finden.

Russischer Hintergrund? NATO in Alarmbereitschaft

Die Serie an Vorfällen reiht sich ein in eine Kette ähnlicher Beobachtungen in Polen, Estland, Rumänien, Dänemark und Schweden. Experten vermuten eine gezielte Strategie, um die Reaktionsfähigkeit der NATO zu testen. Im Raum steht der Verdacht, dass Russland die Drohnen von Schiffen aus starten könnte. Konkrete Beweise liegen bislang nicht vor – der Kreml weist alle Anschuldigungen zurück.

Die Allianz reagiert mit der Verlegung zusätzlicher Kräfte an die Ostflanke. Hinter verschlossenen Türen wird inzwischen sogar über den Abschuss unbekannter Drohnen diskutiert – ein Schritt, der die Gefahr einer direkten Eskalation mit Moskau birgt.

EU startet Initiative für „Drohnenmauer“

Als politische Antwort hat die EU eine „Drohnenmauer“ angekündigt, die die östlichen Außengrenzen des Bündnisses absichern soll. Unter Leitung der EU-Kommission beteiligen sich zehn Mitgliedstaaten, darunter Polen, die baltischen Länder, Ungarn und Rumänien. Auch die Ukraine, die mit geschätzt vier Millionen produzierten Drohnen pro Jahr enorme Kapazitäten aufgebaut hat, wurde eingeladen.

Die geplante Schutzlinie soll Teil der Initiative „Eastern Flank Watch“ werden, die sich auf drei Verteidigungsebenen stützt: Drohnenabwehr, Bodenabwehrwand und Seeschutz. Vorrangig geht es um Erkennung und Abwehr. Neben Radaren sollen akustische Sensoren, Störsender, Abfangdrohnen und Artillerie zum Einsatz kommen.

Technologische Lücken und politische Streitpunkte

Doch es gibt deutliche Schwächen: Polen setzte teure Raketen gegen billige Drohnen ein, Dänemark räumte ein, keine bodengestützte Luftabwehr zu haben. Litauens Präsident Nausėda kritisierte die bisherigen NATO-Pläne als unzureichend. Experten warnen, dass das Abwehrsystem gegen elektronische Störangriffe robust sein müsse – und dass die europäischen Staaten dringend von den Erfahrungen der Ukraine lernen sollten.

Ein Beispiel für den angestrebten Technologiemix ist das System „Eirshield“, entwickelt in Estland und Lettland. Es kombiniert Radar, Kameras und Funkaufklärung, erkennt Drohnen bis 200 km/h und kann sie stören oder mit Gegendrohnen abfangen. Es wird bereits in der Ukraine getestet – müsste für Friedenszeiten aber angepasst werden.

Unklare Zeitpläne und Finanzierung

Wann die Drohnenmauer tatsächlich einsatzbereit ist, bleibt umstritten: Während Lettlands Regierung von 12 bis 18 Monaten spricht, rechnet Berlin eher mit drei bis vier Jahren. Auch die Finanzierung ist ungeklärt. Zwar hat die EU-Kommission ein 800-Milliarden-Euro-Aufrüstungspaket bis 2030 vorgeschlagen, doch erste Förderanträge – etwa aus Estland und Litauen – wurden abgelehnt.

Drohnen-Festnahmen in Norwegen

Während die politischen Debatten laufen, gibt es erste Festnahmen. In Norwegen wurden drei Deutsche erwischt, die ihre Drohne in der Sperrzone um den Flughafen Røssvoll flogen. Nach kurzer Zeit kamen die jungen Männer wieder frei. Weniger glimpflich verlief es für einen chinesischen Staatsbürger: Er wurde des Landes verwiesen und zu einer Geldstrafe von 12.000 Kronen verurteilt, weil er am Airport Svolvær eine Drohne startete.

Die Polizei in Nordland untersucht derzeit weitere Hinweise auf Drohnen in der Nähe von Flughäfen, Militäreinrichtungen und Infrastruktur. Ob es Verbindungen zu den mysteriösen Schwärmen gibt, bleibt bislang offen.

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