Ein mutmaßlicher Amokangriff am Welfen-Gymnasium im oberbayerischen Schongau hat einen Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften ausgelöst. Mehrere Menschen wurden verletzt, zwei Schülerinnen erlitten schwere Verletzungen und mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Nach Angaben der Behörden befinden sich die beiden Jugendlichen inzwischen außer Lebensgefahr. Die Polizei konnte den mutmaßlichen Täter noch am Tatort festnehmen. Nach ersten Erkenntnissen deutet vieles auf eine gezielte Gewalttat hin. Die Ermittler prüfen derzeit sämtliche Hintergründe und das mögliche Motiv des Angriffs.
Innenminister bestätigt psychiatrische Behandlung des Tatverdächtigen
Für zusätzliche Brisanz sorgt die Tatsache, dass sich der festgenommene Jugendliche bereits in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung befunden hatte. Dies bestätigte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Welche Rolle dieser Umstand für die Tat gespielt haben könnte, ist derzeit jedoch völlig offen und Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Behörden betonen, dass derzeit keine belastbaren Erkenntnisse über die psychische Verfassung des Jugendlichen zum Tatzeitpunkt vorliegen und voreilige Schlussfolgerungen vermieden werden sollen.
Hinweise auf ehemaligen Schüler der Schule
Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 16-jährigen Jugendlichen mit kroatischer Staatsangehörigkeit, der zuletzt bei seinen Eltern lebte. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass er früher selbst Schüler des Gymnasiums gewesen sein könnte. Eine offizielle Bestätigung dafür steht allerdings noch aus. Ob zwischen dem Tatverdächtigen und den verletzten Schülerinnen eine persönliche Beziehung bestand, konnten die Ermittler bislang ebenfalls nicht feststellen. Noch ist unklar, ob die Opfer gezielt ausgewählt wurden oder zufällig mit dem Angreifer in Kontakt gerieten.
Messer und Schusswaffe: Ermittler rekonstruieren den Tatablauf
Nach Angaben der Sicherheitsbehörden war der Jugendliche offenbar sowohl mit einem Messer als auch mit einer Schusswaffe bewaffnet. Während Munition sichergestellt wurde, konnten die Ermittler zunächst keine entsprechende Schusswaffe finden. Medienberichten zufolge soll es mindestens einen Schuss gegeben haben, die genaue Rekonstruktion des Ablaufs dauert jedoch an. Die Polizei schließt derzeit die Beteiligung weiterer Täter aus. Zwischenzeitlich kursierende Gerüchte über mögliche Komplizen hätten sich bislang nicht bestätigt.
Ausnahmezustand in Schongau
Während des Einsatzes wurde das Gebiet rund um das Gymnasium weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Polizeikräfte sowie mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz, um Verletzte zu versorgen und die Lage unter Kontrolle zu bringen. Für Eltern und Angehörige richteten die Behörden eine Betreuungs- und Informationsstelle ein. Die Ereignisse haben die Stadt Schongau mit ihren rund 12.000 Einwohnern tief erschüttert. Das Welfen-Gymnasium wird von rund 800 Schülerinnen und Schülern besucht und gilt als zentrale Bildungseinrichtung der Region.
Viele Fragen bleiben offen
Noch immer stehen die Ermittler vor zahlreichen offenen Fragen. Das Motiv des Jugendlichen ist bislang unbekannt. Ebenso unklar bleibt, wie viele Menschen insgesamt verletzt wurden und ob die Tat lange geplant war oder spontan erfolgte. Die kommenden Tage dürften entscheidend dafür werden, ob sich der Verdacht einer Amoktat endgültig bestätigt und welche Hintergründe zu der Gewalteskalation geführt haben.


