Ein gewaltiger Brand bei einem Recyclingbetrieb hält die Feuerwehr in Krefeld seit Stunden in Atem. Im Hafenbereich gerieten am Abend rund 700 Tonnen Schrott in Flammen. Dichter, schwarzer Rauch breitete sich kilometerweit über das Stadtgebiet aus und zog bis nach Düsseldorf sowie in den Rhein-Kreis Neuss. Die Feuerwehr löste Vollalarm aus und kämpft mit einem massiven Großaufgebot gegen die Flammen. Die Situation gilt weiterhin als kritisch. Vor allem die enorme Hitzeentwicklung und die schwierigen Bedingungen auf dem Betriebsgelände erschweren die Löscharbeiten erheblich.
Feuerwehr spricht von „Patt-Situation“
Seit kurz nach 19 Uhr sind zahlreiche Einsatzkräfte im Dauereinsatz. Nach Angaben der Feuerwehr gestaltet sich das Löschen des brennenden Schrottbergs äußerst kompliziert. Eigentlich müsste das Material mit schwerem Gerät auseinandergezogen werden, um Glutnester gezielt bekämpfen zu können. Doch genau darin liegt das Problem: Die Baggerfahrer dürfen sich ohne spezielle Atemschutz-Ausbildung nicht in die unmittelbare Gefahrenzone begeben. Feuerwehrkräfte mit Atemschutz könnten zwar nah an die Flammen heran, sind jedoch nicht befugt, die schweren Maschinen zu bedienen.
Die Einsatzleitung spricht deshalb von einer regelrechten „Patt-Situation“. Derzeit bleibt den Kräften nichts anderes übrig, als den Schrottberg aus sicherer Entfernung mit großen Mengen Wasser zu kühlen und das Feuer statisch zu bekämpfen.
Mitarbeiter versuchten zunächst selbst zu löschen
Als der Brand ausbrach, hatten Mitarbeiter des Recyclingbetriebs offenbar zunächst versucht, die Flammen eigenständig einzudämmen. Insgesamt 13 Beschäftigte kamen dabei mit Rauch und Ruß in Kontakt. Mehrere von ihnen mussten medizinisch untersucht werden, zwei Personen wurden vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Bilder vom Einsatzort zeigen rußverschmierte Arbeiter und meterhohe Rauchschwaden über dem Hafengebiet. Die genaue Ursache des Feuers ist bislang völlig unklar.
Rauchwolke sorgt für Warnungen in mehreren Städten
Besonders brisant: Die massive Rauchentwicklung zog weit über Krefeld hinaus. Die Rauchwolke breitete sich über Teile von Düsseldorf, Meerbusch und den Rhein-Kreis Neuss aus. Anwohner wurden dringend aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Klima- und Lüftungsanlagen abzuschalten. Vor allem im südwestlichen Stadtgebiet Krefelds rechnen die Behörden weiterhin mit starker Geruchsbelästigung. Gesundheitliche Beeinträchtigungen können laut Feuerwehr nicht ausgeschlossen werden.
Die Warn-App NINA wurde aktiviert. Betroffen waren insbesondere die Stadtteile Gellep-Stratum, Linn und Uerdingen. In Gellep-Stratum heulten zusätzlich Sirenen, um die Bevölkerung vor der Rauchentwicklung zu warnen.
Schulen und Kitas könnten betroffen sein
Die Feuerwehr überwacht die Luftqualität inzwischen rund um Schulen und Kindertagesstätten besonders intensiv. Gemeinsam mit Umweltbehörden und dem Landesumweltamt werden laufend Messungen durchgeführt. Ob einzelne Einrichtungen am Morgen geschlossen bleiben müssen, soll nach einer offiziellen Bewertung entschieden werden. Eltern und Anwohner warten deshalb gespannt auf neue Informationen der Behörden.
Feuerwehr aus mehreren Städten im Einsatz
Die Dimension des Feuers zwang die Krefelder Feuerwehr zu einem Großeinsatz. Zwischenzeitlich waren rund 150 Einsatzkräfte vor Ort. Unterstützung kam unter anderem aus Duisburg und Viersen. Mit mehreren Drehleitern wird das Feuer weiterhin bekämpft. Trotz der dramatischen Rauchentwicklung betonte die Feuerwehr, man habe die Lage aktuell unter Kontrolle. Allerdings dürfte der Einsatz noch viele Stunden andauern.
Zusätzlich richteten die Behörden ein Bürgertelefon unter der Nummer 19700 ein, um Fragen besorgter Anwohner zu beantworten.


