Der Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog in Brandenburg entwickelt sich zunehmend zu einer ernsten Belastungsprobe für die Einsatzkräfte. Nach Angaben des Brandenburger Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel hat sich das Feuer inzwischen auf rund 37 Hektar ausgedehnt. Damit handelt es sich bereits jetzt um den größten Waldbrand der laufenden Saison in Brandenburg.
Das Feuer war am Freitag auf dem munitionsbelasteten Gelände im Landkreis Teltow-Fläming ausgebrochen. Auch am Sonntagmorgen konnte die Leitstelle noch keine Entwarnung geben. Die Einsatzkräfte rechnen damit, dass sich der Brand noch mehrere Tage hinziehen könnte.
Feuerwehr kämpft gegen Flammen – kann Brandherd aber nicht erreichen
Besonders problematisch ist die Lage, weil die Feuerwehr nicht direkt zu den eigentlichen Brandstellen vordringen kann. Im Boden des ehemaligen Militärgeländes liegen noch immer zahlreiche Altlasten und nicht detonierte Munition aus früheren Zeiten. Immer wieder seien Explosionen und Detonationen zu hören, berichtete Stadtbrandmeister Rico Walentin. Für die Einsatzkräfte besteht deshalb akute Lebensgefahr. Die Feuerwehr muss aus sicherer Entfernung agieren und darauf warten, dass die Flammen die angelegten Schutzstreifen erreichen.
Diese Brandschutzstreifen sollen verhindern, dass sich das Feuer unkontrolliert weiter ausbreitet. Auf den sandigen Freiflächen soll der Brand im Idealfall von selbst erlöschen oder zumindest soweit abgeschwächt werden, dass ein Löschangriff möglich wird.
Einsatzkräfte setzen auf bewährtes Schutzsystem
Nach Angaben der Stadtverwaltung bewegt sich das Feuer derzeit in Richtung der angelegten Sicherheitsstreifen. Das spiele den Einsatzkräften in die Hände, erklärte Stadtbrandmeister Walentin. Das Konzept habe sich bereits bei früheren Bränden bewährt. Per Drohnen überwachen Feuerwehr und Katastrophenschutz die Entwicklung aus der Luft. Rund 28 Einsatzkräfte sowie mehrere Tanklöschfahrzeuge sind im Einsatz. Ein Löschangriff per Hubschrauber wird aktuell allerdings als wenig sinnvoll eingeschätzt.
Jüterbogs Bürgermeisterin Christiane Lindner-Klopsch versuchte unterdessen, Sorgen in der Bevölkerung zu beruhigen. Es gebe derzeit keinen Grund zur Panik, sagte sie. Die Behörden hätten Erfahrung mit derartigen Lagen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz.
Wind und Trockenheit verschärfen die Situation
Die Wetterbedingungen bleiben jedoch kritisch. Brandenburg leidet seit Tagen unter Trockenheit, hohen Temperaturen und fehlendem Niederschlag. Schon kleinste Funken können derzeit großflächige Waldbrände auslösen. Hinzu kommt auffrischender Wind, der die Flammen zusätzlich anfachen könnte. Über dem Brandgebiet steigt dichter Rauch auf, der teilweise weit sichtbar ist. Die Feuerwehr warnte Anwohner in den Landkreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark vor starker Rauchentwicklung.
Bewohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen vorsorglich abzuschalten.
Waldbrandgefahr in Brandenburg erreicht Höchststufe
Die Lage bleibt auch landesweit angespannt. Nach Angaben des Umweltministeriums gilt in Teilen Brandenburgs inzwischen die höchste Waldbrandwarnstufe 5. Besonders betroffen ist die Uckermark. In vielen weiteren Regionen besteht weiterhin hohe Waldbrandgefahr. Brandenburg zählt aufgrund seiner sandigen Böden und ausgedehnten Kiefernwälder seit Jahren zu den besonders gefährdeten Bundesländern. Auf ehemaligen Militärflächen verschärfen Blindgänger und alte Munition die Situation zusätzlich erheblich.
Meteorologen rechnen erst ab Montag mit etwas Entspannung. Dann sollen die Temperaturen sinken und das Wetter unbeständiger werden.
Ehemaliger Truppenübungsplatz immer wieder Brandherd
Der ehemalige Truppenübungsplatz Altes Lager südlich von Berlin gilt seit Jahren als Problemgebiet. Immer wieder kommt es dort zu großflächigen Bränden. In der Vergangenheit standen teils mehrere hundert Hektar Wald in Flammen.
Da viele Feuer auf dem Gelände unter verdächtigen Umständen entstehen, ermittelt die Polizei regelmäßig wegen möglicher Brandstiftung. Die Kombination aus trockenen Wäldern, schwer zugänglichem Gelände und explosiven Altlasten macht Einsätze dort besonders gefährlich.


