Die Polizei Niedersachsen stellt ihr Auswahlverfahren neu auf und verankert ab 2026 einen verpflichtenden Demokratie-Check für Bewerberinnen und Bewerber. Die Polizeiakademie Hann. Münden will damit sicherstellen, dass angehende Polizeikräfte nicht nur körperlich und fachlich geeignet sind, sondern auch fest auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. Künftig müssen sich Bewerber zu ihrer Haltung gegenüber gesellschaftlichen Werten äußern – darunter Rassismus, Diversität und sexuelle Selbstbestimmung.
Die Polizeiakademie betont, dass die Prüfung der Werteorientierung nie völlig neu gewesen sei, nun aber deutlich stärker gewichtet werde. Hintergrund sind immer wieder Fälle, in denen Beamtinnen und Beamte gegen rechtsstaatliche Prinzipien verstoßen haben. Anja Bußmann, Leiterin der Nachwuchsgewinnung, erklärt, man wolle sicherstellen, dass solche Vorfälle künftig noch konsequenter ausgeschlossen werden.
Auch kommunikative Fähigkeiten sollen stärker in den Fokus rücken. Matthias Schwarze, Leiter des Projekts Generation Zukunft Polizei, verweist auf gestiegene Erwartungen der Öffentlichkeit an Transparenz und Dialogbereitschaft. Sprache sei heute ein zentrales Einsatzmittel, weshalb Bewerberinnen und Bewerber lernen müssten, Konflikte möglichst verbal zu entschärfen.
Zu den weiteren Änderungen gehört ein zusätzlicher Hallenparcours, der ab 2026 Teil des sportlichen Eignungstests wird. Damit will die Polizei die körperliche Belastbarkeit realitätsnah überprüfen.
Dringlicher Hintergrund der Reform sind laufende Ermittlungen gegen mehrere Polizisten verschiedener Direktionen. Sie sollen in einer Chatgruppe rassistische Inhalte und NS-verharmlosende Beiträge verbreitet haben. Bemerkenswert ist, dass sich die Mitglieder der Chatgruppe an der Polizeiakademie am Standort Oldenburg kennengelernt hatten. Die Landesregierung und die Polizei sehen darin ein deutliches Warnsignal und wollen mit verschärften Auswahlkriterien Vertrauen in die Polizei stärken und extremistischen Tendenzen konsequent entgegentreten.


