Wiesbaden. In einer international koordinierten Großrazzia haben die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und das Bundeskriminalamt (BKA) am 4. November 2025 ein weit verzweigtes Betrugs- und Geldwäschenetzwerk zerschlagen. Ermittler durchsuchten Objekte in neun Ländern – darunter Deutschland, Italien, Kanada, die USA und Singapur – und nahmen mehrere Verdächtige fest.
Die Beschuldigten sollen über Jahre hinweg Kreditkartendaten von Opfern aus 193 Ländern missbraucht haben. Mit diesen Daten schlossen sie mutmaßlich mehr als 19 Millionen fingierte Online-Abos auf professionell gestalteten Fake-Webseiten ab. Das erbeutete Geld wurde anschließend über ein Geflecht von Finanzströmen gewaschen. Der Schaden soll sich auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag belaufen.
Brisant: Laut Ermittlern kompromittierten die Täter offenbar vier große deutsche Zahlungsdienstleister, um ihre Transaktionen zu verschleiern. Auch ehemalige Mitarbeiter sollen in die Vorgänge eingeweiht gewesen oder aktiv beteiligt gewesen sein. Medienberichten zufolge wurde sogar ein ehemaliger Gründer eines führenden deutschen Payment-Unternehmens festgenommen.
Im Fokus der Ermittlungen stehen zwei Geschäftsmänner, die bereits im Umfeld des Wirecard-Skandals aufgetaucht sein sollen. Einer von ihnen, ein deutscher Unternehmer mit besten Kontakten in die Payment-Branche, wurde laut Informationen der Wirtschaftswoche festgesetzt.
Die Ermittlungen laufen in enger Abstimmung mit der Financial Intelligence Unit (FIU) und der BaFin. Für Mittwoch ist eine Pressekonferenz angekündigt, bei der BKA und Generalstaatsanwaltschaft nähere Details zur Aktion und zu den Hintergründen der mutmaßlichen Cybercrime-Struktur bekanntgeben wollen.
Der Fall erinnert an die Dimensionen des Wirecard-Skandals – und zeigt erneut, wie anfällig der hochdigitalisierte Zahlungsverkehr für kriminelle Manipulationen bleibt.


