Washington. Der längste Regierungsstillstand in der Geschichte der USA trifft die Bevölkerung zunehmend mit voller Wucht. Am 36. Tag des Shutdowns kündigte Verkehrsminister Sean Duffy an, ab Freitag bis zu zehn Prozent der Flüge an 40 großen Flughäfen zu streichen – sofern sich Republikaner und Demokraten bis dahin nicht auf einen Haushalt einigen.
„Das wird sicher für Frustration sorgen“, erklärte Duffy. Hintergrund der Maßnahme ist die Überlastung der Fluglotsen und TSA-Mitarbeiter, die seit Wochen ohne Bezahlung arbeiten müssen. Schon jetzt kommt es zu langen Wartezeiten, Verspätungen und Personalausfällen – nun droht ein massiver Einbruch des Flugverkehrs.
Laut Berechnungen des Analysehauses Cirium könnten täglich bis zu 1800 Flüge und 268.000 Sitzplätze wegfallen. Besonders betroffen wären die Flughäfen in New York, Chicago, Los Angeles und Houston – ausgerechnet vor dem wichtigen Thanksgiving-Reiseverkehr am 27. November. Die Aktien von US-Airlines wie United und American Airlines rutschten nachbörslich ab.
Doch der Streit lähmt nicht nur die Flughäfen, sondern auch Millionen Familien. Präsident Donald Trump blockiert die Finanzierung des SNAP-Lebensmittelhilfeprogramms, das über 42 Millionen Amerikaner unterstützt. Trotz einer gerichtlichen Anordnung weigert sich das Weiße Haus, die Zahlungen freizugeben – ein Schritt, der in den USA Empörung auslöst.
Trump macht die Demokraten verantwortlich: Die Hilfen würden erst wieder fließen, wenn die „linksradikalen Demokraten“ die Haushaltssperre aufhöben, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die Demokraten wiederum fordern die Verlängerung der Zuschüsse zur Krankenversicherung armer Haushalte als Bedingung für eine Einigung.
Während 750.000 Bundesbedienstete im Zwangsurlaub sind oder ohne Lohn arbeiten, warnen Experten vor einem zunehmenden Sicherheitsrisiko im Luftverkehr. Airlines versuchen, ihre Mitarbeiter moralisch zu unterstützen – United, Delta und JetBlue verteilten an mehreren Flughäfen kostenlos Mahlzeiten.
Trotz des Chaos gibt es leise Hoffnung: Der republikanische Mehrheitsführer John Thune zeigte sich „optimistisch“, dass bis Ende der Woche eine Übergangslösung gefunden werden könnte. Doch bis dahin steht das Land am Rande des politischen und wirtschaftlichen Stillstands.


