Ukraine greift Moskau mit Hunderten Drohnen an

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat am Dienstag eine neue Dimension der Luftangriffe erreicht. Russland meldet einen der bislang größten ukrainischen Drohnenangriffe auf die Region Moskau. Gleichzeitig wurden bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Region Charkiw zehn Menschen getötet. Die gegenseitigen Angriffe treffen zunehmend auch Infrastruktur und zivile Gebiete. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin flogen in der Nacht mehr als 600 ukrainische Drohnen in Richtung der russischen Hauptstadtregion. Das russische Verteidigungsministerium sprach insgesamt von 791 abgefangenen ukrainischen Drohnen über verschiedenen Regionen Russlands sowie über der Krim, dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer. Die Angaben der russischen Behörden lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

In der Region Moskau wurden nach Behördenangaben mehrere Menschen verletzt. Der Angriff gilt als einer der umfangreichsten ukrainischen Drohneneinsätze seit Beginn des russischen Angriffskrieges.

Zehn Tote bei russischem Raketenangriff

Parallel dazu meldeten ukrainische Behörden einen schweren russischen Raketenangriff auf den Ort Petschenihy in der Region Charkiw. Zehn Menschen wurden getötet, mindestens weitere 17 verletzt. Beschädigt wurden unter anderem Wohnhäuser, ein Café, ein Postamt, ein Geschäft und mehrere Fahrzeuge. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte eine Reaktion auf den Angriff an. Die gegenseitigen Fernangriffe verdeutlichen damit erneut die hohe Eskalationsdynamik des Krieges.

Auch Odessa und Belgorod betroffen

Weitere Angriffe wurden aus mehreren Regionen gemeldet. In der ukrainischen Region Odessa wurden nach ukrainischen Angaben vier Besatzungsmitglieder eines zivilen Schiffes verletzt. Zudem geriet Hafeninfrastruktur im Raum Ismajil unter Beschuss. Auf russischer Seite meldeten die Behörden wiederum einen ukrainischen Angriff auf die Grenzregion Belgorod. Dabei sollen sechs Menschen getötet und vier weitere verletzt worden sein. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar.

Gefahr für Atomstandorte

Besonders sensibel ist die Entwicklung rund um das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte die Explosion einer Drohne an einer Bushaltestelle, die von Beschäftigten des Kraftwerks genutzt wird. Nach IAEA-Angaben kam dabei ein Mensch ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Auch die beschädigte Schutzhülle des havarierten Reaktors in Tschernobyl bleibt ein Sicherheitsproblem. Bundesumweltminister Carsten Schneider kündigte bei seinem Besuch in der Ukraine Unterstützung für notwendige Reparaturen an. Die Reparaturkosten werden laut Kraftwerksleitung auf rund 500 Millionen Euro geschätzt.

Moskau droht Großbritannien

Zusätzliche Spannungen entstehen zwischen Russland und Großbritannien. Außenminister Sergej Lawrow erklärte, Moskau könne eine direkte britische Beteiligung am Krieg annehmen, sollten britisch produzierte Drohnen bei Angriffen auf russisches Territorium eingesetzt worden sein. London bekräftigte dagegen seine Unterstützung für die Ukraine. Die Entwicklung erhöht damit das Risiko einer weiteren internationalen Eskalation des Konflikts.

Krieg bleibt auch für Europa ein Sicherheitsrisiko

Der 18. August zeigt erneut, dass der Krieg längst nicht auf die unmittelbaren Frontgebiete beschränkt ist. Drohnen und Raketen erreichen weit entfernte Ziele, während gleichzeitig kritische Infrastruktur, Energieanlagen, Häfen und atomare Einrichtungen betroffen sind. Für die europäische Sicherheitslage besonders relevant ist zudem der Vorfall in Lettland: Eine Drohne wurde dort von NATO-Kampfjets abgeschossen. Nach lettischen Angaben war das Flugobjekt aus Belarus in den Luftraum eingedrungen; die genaue Herkunft blieb zunächst ungeklärt. Damit wächst auch außerhalb der Ukraine das Risiko, dass einzelne Vorfälle den Krieg unmittelbar auf NATO-Gebiet ausweiten könnten.

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