Vor der Küste von Wilhelmshaven läuft derzeit eine der wichtigsten maritimen Rettungsübungen des Jahres: Bei der SAREx 2026 trainieren Einsatzkräfte komplexe Notfallszenarien unter realitätsnahen Bedingungen. Ziel ist es, Abläufe für den Ernstfall zu optimieren – wenn jede Minute zählt.
Koordination im Fokus: Rettung unter Zeitdruck
Ausrichter der mehrtägigen Übung ist die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit verschiedener Einheiten auf See und in der Luft. Die Einsatzkräfte müssen unter anderem Schiffbrüchige orten, Verletzte versorgen und havarierte Schiffe sichern oder abschleppen. Besonders anspruchsvoll: Die Szenarien werden den Crews erst im Moment der „Alarmierung“ mitgeteilt. So entsteht maximaler Realitätsdruck – ähnlich wie bei echten Einsätzen.
Rettungsketten und medizinische Versorgung im Training
Ein zentraler Bestandteil der Übung ist die medizinische Erstversorgung. Verletzte müssen unter schwierigen Bedingungen stabilisiert und anschließend transportiert werden – oft per Hubschrauber oder durch Übergabe zwischen Schiffen. Unterstützt werden die Szenarien durch realistisch geschminkte Verletztendarsteller der I.S.A.R. Germany, die komplexe Notlagen simulieren und die Einsatzkräfte zusätzlich fordern.
Technik, Taktik und Teamarbeit im Zusammenspiel
Neben den Einsätzen auf offener See wird auch im Hafen intensiv trainiert. Dazu gehören Manöver wie die Rettung aus engen Schiffsbereichen, das sichere Übergeben von Personen zwischen Schiffen sowie standardisierte internationale Suchverfahren. Auch Navigation und Führungsstrukturen stehen im Fokus – denn bei größeren Unglücken müssen viele Einheiten präzise koordiniert werden.
Starke Flotte im Einsatz
An der SAREx 2026 nehmen mehrere Seenotrettungskreuzer und -boote teil, darunter die Einheiten HANS HACKMACK, EUGEN und PIDDER LÜNG sowie kleinere Rettungsboote aus verschiedenen Stationen entlang der Küste. Ergänzt wird das Aufgebot durch externe Partner.
Unterstützung aus der Luft und von Behörden
Neben den Schiffen sind auch mehrere Hubschrauber im Einsatz – darunter Maschinen der Marine, zivile Rettungshubschrauber und ein Helikopter des ADAC. Zusätzlich beteiligt sich ein Zollschiff an den Übungen. Für besonders realistische Szenarien stehen spezielle Schiffe als „Havaristen“ bereit, etwa der Schlepper „Fairplay 34“.
Erfahrung trifft auf Vorbereitung
Die Seenotretter betonen, dass Unglücke auf See jederzeit passieren können – unabhängig von Wetter oder Jahreszeit. Als zentrale Organisation für den Such- und Rettungsdienst auf Nord- und Ostsee ist die DGzRS rund um die Uhr einsatzbereit. Regelmäßige Großübungen wie die SAREx sind daher unverzichtbar, um im Ernstfall schnell und effektiv handeln zu können.
Wilhelmshaven erneut im Zentrum der Seenotrettung
Wilhelmshaven ist bereits zum sechsten Mal Gastgeber dieser groß angelegten Übung. In den vergangenen Jahren fanden ähnliche Trainings unter anderem in der Lübecker Bucht, vor Büsum oder im Greifswalder Bodden statt. Mit der SAREx 2026 wird einmal mehr deutlich: Hinter der Seenotrettung steht ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Technik, Erfahrung und präziser Vorbereitung.


