Russische Großoffensive auf Kiew

Kiew hat eine der schwersten Angriffsnächte seit Beginn des Ukraine-Krieges erlebt. Russland überzog die ukrainische Hauptstadt stundenlang mit massiven Angriffen aus Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. In zahlreichen Stadtteilen kam es zu Explosionen, Bränden und schweren Zerstörungen. Die Behörden sprechen von dutzenden beschädigten Gebäuden, Verletzten und mindestens einem Todesopfer. Die Angriffe dauerten bis in die frühen Morgenstunden an. Immer wieder heulten Sirenen durch die Millionenstadt, während Einwohner Schutz in U-Bahn-Stationen und Bunkern suchten. Augenzeugen berichten von einer Nacht voller Angst, Feuer und ununterbrochener Detonationen.

Kiew unter Dauerbeschuss

Nach Angaben der ukrainischen Behörden handelte es sich um einen groß angelegten kombinierten Luftangriff. Russland setzte dabei gleichzeitig Kampfdrohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen ein. Der Chef der Militärverwaltung von Kiew, Tymur Tkatschenko, erklärte, dass mindestens 40 Gebäude beschädigt worden seien. In mehreren Bezirken brachen Brände aus. Besonders betroffen war der Stadtteil Schewtschenkiwskyj, wo unter anderem eine Schule getroffen wurde. Auch ein Geschäftszentrum geriet in Brand. Menschen, die sich dort in Schutzräumen befanden, konnten das Gebäude zeitweise nicht verlassen.

Explosionen bis zum Morgengrauen

Journalisten und Einwohner berichteten von einer der intensivsten Angriffsnächte seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Noch in den frühen Morgenstunden waren schwere Explosionen in der gesamten Stadt zu hören. Dichte Rauchwolken stiegen über mehreren Stadtteilen auf. Videos in sozialen Netzwerken zeigen brennende Gebäude, zerstörte Fensterfronten und Sirenenalarm in der Dunkelheit. Der in Kiew lebende Journalist Denis Trubetskoy sprach von einer der „absolut schlimmsten Nächte“, die die ukrainische Hauptstadt seit Beginn der russischen Invasion erlebt habe.

Tote und zahlreiche Verletzte gemeldet

Nach vorläufigen Angaben der Behörden wurde mindestens ein Mensch getötet. Mehr als 20 weitere Personen erlitten Verletzungen, darunter offenbar auch Schwerverletzte. Rettungskräfte waren während der gesamten Nacht im Dauereinsatz. Feuerwehrleute kämpften gegen zahlreiche Brände, während Sanitäter Verletzte aus beschädigten Gebäuden bargen. Das genaue Ausmaß der Schäden ist derzeit noch unklar. Die Behörden rechnen damit, dass die Opferzahlen weiter steigen könnten.

Angst vor Einsatz der gefürchteten Oreschnik-Rakete

Bereits vor den Angriffen hatten ukrainische Behörden und westliche Partner vor einem möglichen Einsatz der russischen Mittelstreckenrakete „Oreschnik“ gewarnt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Geheimdienstinformationen aus Europa und den USA deuteten auf einen möglichen Angriff mit der neuartigen Waffe hin. Die atomwaffenfähige Rakete gilt als besonders gefährlich. Nach russischen Angaben erreicht sie Geschwindigkeiten von über 12.000 Kilometern pro Stunde und soll für moderne Luftabwehrsysteme kaum abfangbar sein. Ob Russland die Oreschnik-Rakete bei den aktuellen Angriffen tatsächlich eingesetzt hat, ist bislang nicht bestätigt.

Polen versetzt Luftabwehr in Alarmbereitschaft

Die massiven Angriffe auf die Ukraine sorgten auch im Nato-Land Polen für erhöhte Alarmbereitschaft. Das polnische Militär teilte mit, dass Luftabwehrsysteme aktiviert und Kampfflugzeuge in Bereitschaft versetzt worden seien. Bei größeren russischen Angriffswellen auf die Ukraine reagiert Polen regelmäßig mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen entlang der Grenze. Teilweise steigen dabei auch Jets anderer Nato-Staaten auf.

Putin drohte zuvor mit Vergeltung

Der Angriff auf Kiew erfolgte kurz nach einer öffentlichen Vergeltungsdrohung aus Moskau. Hintergrund war ein ukrainischer Drohnenangriff auf die russisch kontrollierte Region Luhansk. Russland erklärte, dabei seien mehrere Menschen getötet worden. Die Ukraine bestreitet hingegen einen gezielten Angriff auf Zivilisten und spricht von einem Schlag gegen militärische Ziele der russischen Armee. Beobachter sehen in der neuen Angriffswelle auf Kiew eine mögliche direkte Reaktion des Kremls auf die jüngsten ukrainischen Attacken.

Ukraine-Krieg erreicht neue Eskalationsstufe

Mit den erneuten Massenangriffen verschärft sich die Lage im Ukraine-Krieg weiter. Die Kombination aus Drohnen, Marschflugkörpern und modernen ballistischen Raketen zeigt, mit welcher Intensität Russland seine Luftangriffe fortsetzt. Für die Menschen in Kiew war die Nacht erneut ein Vorgeschmack darauf, wie verletzlich selbst die am besten geschützten Regionen der Ukraine bleiben. Während Einsatzkräfte weiter Trümmer durchsuchen und Brände löschen, wächst international die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Krieges.

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