Polen investiert in modernste Drohnenabwehr

Polen treibt den Ausbau seiner Luftverteidigung mit einem milliardenschweren Schritt voran. Die Regierung in Warschau hat einen Vertrag über rund vier Milliarden US-Dollar für ein neues Drohnenabwehrsystem unterzeichnet, das Ministerpräsident Donald Tusk als „das modernste System seiner Art in Europa“ bezeichnet. Der Deal markiert einen weiteren Meilenstein in der sicherheitspolitischen Neuausrichtung des Landes – und ist Teil eines noch deutlich größeren Aufrüstungsprogramms.

Polen versteht sich als östlicher Schutzwall der NATO und der Europäischen Union. Entsprechend deutlich fielen die Worte des Regierungschefs aus: Mit dem neuen System erreiche das Land einen „absoluten Wendepunkt“, um die Ostgrenze Europas wirksam zu schützen. Hintergrund ist die wachsende Bedrohung durch Russland und der zunehmende Einsatz von Drohnen in modernen Konflikten.

Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz bezifferte den Preis des Systems mit etwas mehr als 3,6 Milliarden Euro, wie zuvor bereits polnische Medien berichtet hatten. Das System trägt den Namen „San“ und soll aus 18 Drohnenabwehrbatterien, 52 Feuerzügen, 18 Führungszügen sowie rund 700 Fahrzeugen bestehen. Die vollständige Einsatzbereitschaft ist nach Angaben des Ministeriums innerhalb von zwei Jahren geplant.

An der Umsetzung sind sowohl polnische Privatunternehmen als auch der norwegische Rüstungskonzern Kongsberg beteiligt. Das Unternehmen teilte mit, es werde Polen mit 18 CUAS-Batterien ausstatten, deren Auftragswert bei rund 1,4 Milliarden Euro liege. Damit soll insbesondere die Abwehr unbemannter Flugobjekte deutlich verbessert werden.

Der Handlungsdruck ist hoch: Im September des vergangenen Jahres verletzten rund 20 russische Drohnen den polnischen Luftraum. Warschau und seine NATO-Partner mussten Kampfflugzeuge starten – ein Vorfall, der die Verwundbarkeit selbst gut gesicherter Grenzen eindrücklich vor Augen führte.

Das neue System San ist jedoch nur ein Baustein eines umfassenden Verteidigungskonzepts. Polen baut derzeit einen mehrschichtigen Luftverteidigungsschild auf. Dazu zählen die mit US-Patriot-Raketen ausgestattete Mittelstreckenabwehr „Wisła“, das britische Kurzstreckensystem „Narew“ sowie die Systeme Pilica und Pilica+ für den Nahbereichsschutz.

In Summe belaufen sich die Kosten für diesen Verteidigungsschirm auf mehr als 60 Milliarden US-Dollar, wie der Verteidigungsminister erklärte. Ob das ausreicht, um die Ostflanke der NATO langfristig zu sichern, bleibt eine offene Frage – doch Polen sendet mit dieser Investition ein klares Signal an seine Verbündeten und potenzielle Gegner.

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