Neue Blackout-Drohungen gegen Berlin

Nach den schweren Sabotageakten auf die Berliner Stromversorgung im vergangenen Jahr gibt es offenbar neue Drohungen gegen die kritische Infrastruktur der Hauptstadt. Sicherheitsbehörden schlagen Alarm: Im Internet sind erneut Aufrufe zu möglichen Anschlägen auf das Stromnetz aufgetaucht. Der Staatsschutz ermittelt mit Hochdruck.

Drohplakat auf linksextremer Plattform veröffentlicht

Auslöser der neuen Ermittlungen ist ein anonym veröffentlichtes Plakat auf der Plattform Indymedia, die immer wieder von linksextremen Gruppen genutzt wird. Dort tauchte die Parole „Cut the Power, so we can see the stars“ auf – auf Deutsch sinngemäß: „Schaltet den Strom ab, damit wir die Sterne sehen können.“ Besonders auffällig: Das Wort „Sabotage“ wurde absichtlich in der Form „SA-BO-TAGE“ geschrieben. Ermittler vermuten, dass damit automatische Erkennungssysteme umgangen werden sollten.

Die Sicherheitsbehörden nehmen die Drohungen äußerst ernst. Der Berliner Staatsschutz beobachtet die Entwicklungen nach eigenen Angaben „durchgängig und sehr aufmerksam“.

Erinnerung an schwere Blackouts in Berlin

Die neuen Drohungen sorgen vor allem deshalb für große Nervosität, weil Berlin bereits mehrfach Ziel gezielter Angriffe auf die Energieversorgung war. Im Herbst 2025 sowie Anfang Januar 2026 hatten Sabotageakte teils massive Stromausfälle ausgelöst. Besonders dramatisch war der Angriff auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal Anfang Januar. Damals fiel in mehreren Stadtteilen über längere Zeit der Strom aus. Tausende Haushalte, Unternehmen und Einrichtungen waren betroffen. Bereits im September 2025 hatten Täter Stromleitungen in Berlin-Adlershof beschädigt. Mehr als 50.000 Haushalte und rund 2000 Betriebe waren damals zeitweise ohne Elektrizität (wir berichteten).

Ermittler vermuten Zusammenhang mit früheren Razzien

Die aktuellen Drohungen könnten laut Ermittlern aus dem Umfeld früherer Beschuldigter stammen. Hintergrund sind großangelegte Hausdurchsuchungen Ende März 2026 in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Brandenburg. Dabei wurden insgesamt 17 Objekte durchsucht, darunter Privatwohnungen und Wohnungen von Angehörigen mutmaßlicher Beteiligter. In Szenetexten auf Indymedia war anschließend von „verwüsteten Räumen“ die Rede. Sicherheitsbehörden analysieren nun, ob die neuen Veröffentlichungen als Reaktion auf diese Razzien zu verstehen sind. Die Texte gelten als mögliche Hinweise auf die Urheber der früheren Anschläge.

Millioneninvestitionen in Schutzmaßnahmen

Angesichts der wachsenden Bedrohungslage hat der Netzbetreiber Stromnetz Berlin seine Sicherheitsmaßnahmen massiv ausgeweitet. Erst vor wenigen Tagen kündigte das Unternehmen an, einen zweistelligen Millionenbetrag in den Schutz kritischer Infrastruktur zu investieren. Geplant sind zusätzliche Überwachungskameras, verstärkter Wachschutz und technische Sicherungssysteme. Ziel ist es, neue Angriffe auf das Stromnetz möglichst früh zu erkennen und zu verhindern.

Angst vor dem nächsten Blackout wächst

Die neuen Drohungen verstärken die Sorge vor weiteren gezielten Angriffen auf die Energieversorgung der Hauptstadt. Experten warnen seit Monaten davor, dass kritische Infrastruktur zunehmend zum Ziel extremistischer Gruppen werden könnte. Ein erneuter großflächiger Blackout hätte nicht nur Folgen für Haushalte und Unternehmen, sondern könnte auch Krankenhäuser, Verkehrssysteme und Kommunikationsnetze massiv beeinträchtigen. Die Ermittlungen laufen derzeit in alle Richtungen. Wer hinter den aktuellen Drohungen steckt, ist bislang unklar.

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