Israel greift Syrien an – und warnt die Türkei

Der Konflikt um die militärische Zukunft Syriens bekommt eine neue Dimension. Israel hat einen syrischen Militärflugplatz im Nordwesten des Landes bombardiert und damit zugleich ein deutliches Signal an die Türkei gesendet. Im Mittelpunkt steht der zunehmende Einfluss Ankaras auf die neue syrische Führung und deren Streitkräfte. Israelische Kampfjets griffen den Militärflugplatz Abu Duhur in der Provinz Idlib an. Nach syrischen Angaben wurden unter anderem Start- und Landebahnen sowie Lageranlagen getroffen. Tote wurden zunächst nicht gemeldet. Der Flugplatz liegt nur rund 70 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Israel begründet den Angriff mit Sicherheitsinteressen. Nach Darstellung der Regierung in Jerusalem soll verhindert werden, dass türkische Truppen den Stützpunkt nutzen oder dort eine militärische Präsenz aufbauen.

Türkei weist Vorwürfe zurück

Ankara und Damaskus weisen die israelischen Vorwürfe zurück. Die Türkei unterhält enge Beziehungen zur neuen syrischen Regierung und unterstützt deren Aufbau von Sicherheits- und Militärstrukturen. Damit entsteht ein zunehmend heikler Interessenkonflikt: Während die Türkei ihren Einfluss in Syrien ausbauen will, betrachtet Israel eine stärkere türkische Militärpräsenz offenbar mit Sorge. Der Angriff auf Abu Duhur könnte deshalb weit mehr als ein Schlag gegen eine einzelne Militäranlage gewesen sein.

Sorge vor direkter Konfrontation

Die Entwicklung alarmiert auch Washington. Der US-Sondergesandte für Syrien bezeichnete den israelischen Angriff als unnötige Eskalation. Nach dem Schlag bemühten sich hochrangige Vertreter Syriens und Israels bereits um eine Beruhigung der Lage. Gleichzeitig bleibt die Lage in Syrien äußerst instabil. Besonders im Süden kämpfen weiterhin lokale bewaffnete Gruppen und Kräfte der Übergangsregierung um Einfluss. In der Provinz Suweida kam es zuletzt erneut zu Gefechten mit Todesopfern.

Israel will militärischen Einfluss begrenzen

Der israelische Kurs gegenüber Syrien hat sich seit dem Sturz von Baschar al-Assad grundlegend verändert. Jerusalem versucht, militärische Strukturen und mögliche Bedrohungen nahe seiner Grenzen frühzeitig zu kontrollieren. Dabei geht es zunehmend nicht nur um den Einfluss Irans oder syrischer Truppen. Mit dem wachsenden Engagement der Türkei kommt ein weiterer mächtiger Akteur hinzu.

Neue Front im Machtkampf um Syrien

Der Angriff auf Abu Duhur zeigt damit, wie kompliziert die Neuordnung Syriens geworden ist. Die ehemalige Assad-Diktatur ist Geschichte, doch an ihre Stelle ist kein stabiles Machtgefüge getreten. Israel, Türkei, die syrische Übergangsregierung, lokale Milizen und weitere Regionalmächte verfolgen unterschiedliche Interessen. Jeder militärische Vorstoß kann deshalb eine neue Eskalation auslösen. Der Angriff auf den syrischen Militärflugplatz könnte somit zum Warnsignal werden: Israel ist offenbar bereit, türkischen Einfluss in Syrien notfalls auch militärisch zu begrenzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert