Erneut schweres Zugunglück in Spanien

Barcelona. Nur zwei Tage nach dem verheerenden Hochgeschwindigkeitszugunglück im Süden Spaniens ist das Land erneut von einem tödlichen Bahnunfall erschüttert worden. In Katalonien, im Nordosten Spaniens, kam es in der Nacht zum Mittwoch zu einem schweren Unfall mit einem Nahverkehrszug. Ein Mensch kam ums Leben, mindestens 37 weitere wurden verletzt. Bei dem Todesopfer handelt es sich nach Angaben des regionalen Rettungsdienstes um den Zugführer.

Der Unfall ereignete sich nahe der Gemeinde Gelida, östlich von Barcelona. Dort stürzte während eines heftigen Unwetters eine Stützmauer auf die Gleise und erfasste einen Zug der Rodalies-Linie R4 frontal. Bilder aus Online-Medien zeigen eine vollständig zerstörte Zugfront, der erste Waggon wurde bei dem Aufprall massiv deformiert. Besonders die Fahrgäste im vorderen Bereich des Zuges waren betroffen.

Nach Angaben des Zivilschutzes Kataloniens waren rund 20 Krankenwagen, zahlreiche Sanitäter sowie Feuerwehr- und Rettungskräfte im Einsatz. In der Dunkelheit suchten Helfer mit Taschenlampen die Trümmer ab. Mindestens ein Passagier musste von der Feuerwehr aus dem stark beschädigten Waggon befreit werden. Augenzeugen beschrieben ein Bild der Verwüstung: zusammengepresstes Metall, Trümmerteile auf den Gleisen und verletzte Menschen, die notdürftig versorgt wurden.

Die Brisanz der Lage wurde durch die hohe Auslastung der Züge noch verschärft. Gerade in den Abendstunden sind die Rodalies-Züge im Großraum Barcelona häufig überfüllt, viele Pendler stehen während der Fahrt. Entsprechend hoch ist die Zahl der Verletzten.

Das schwere Unwetter traf Katalonien an mehreren Stellen. Bereits zuvor war ein weiterer Nahverkehrszug der Linie R2 nahe dem Ort Blanes infolge eines Erdrutsches entgleist. Der Zug verlor dabei eine Achse, über Verletzte wurde in diesem Fall zunächst nichts bekannt.

Auch abseits der Bahn sorgte das Unwetter für tödliche Folgen. In der Gemeinde Palau-Sator wurde ein Auto von Wassermassen in einem normalerweise trockenen Flussbett mitgerissen. Einsatzkräfte fanden später einen Toten in dem Fahrzeug.

Die Behörden hatten wegen des Sturms „Harry“ in Teilen Kataloniens die höchste Alarmstufe ausgerufen. Gemeldet wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde, heftige Regenfälle und meterhohe Wellen an der Küste. Die Bevölkerung wurde eindringlich davor gewarnt, sich in Küstennähe, an Stränden oder auf Hafenmolen aufzuhalten. Die Serie schwerer Unfälle wirft erneut Fragen zur Sicherheit der Infrastruktur und zur Vorbereitung auf extreme Wetterlagen auf.

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