Mitten im morgendlichen Berufsverkehr ist in New York die Angst vor einer möglichen Gebäudekatastrophe Realität geworden. An einem 38-stöckigen Hochhaus in Manhattan wurden plötzlich schwere strukturelle Schäden festgestellt. Bauarbeiter bemerkten Risse, Verformungen und durchhängende Geschosse – wenig später rückten Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte mit einem Großaufgebot an. Der betroffene Wolkenkratzer in der East 42nd Street im Herzen von Midtown wurde umgehend geräumt. Auch angrenzende Gebäude, Hotels sowie eine Schule mussten vorsorglich evakuiert werden.
Nach Angaben der Einsatzkräfte wurden zwei tragende Innensäulen des Gebäudes erheblich beschädigt. Die Probleme konzentrierten sich auf die Bereiche zwischen dem 21. und 26. Stockwerk, wo mehrere Etagen sichtbar absackten und sich die Gebäudestruktur veränderte. Bauarbeiter berichteten von verbogenen Stahlträgern und ungewöhnlichen Bewegungen innerhalb der Konstruktion. Die Arbeiter verließen das Gebäude noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr eigenständig, nachdem sie die Gefahr erkannt hatten. Mehr als 130 Einsatzkräfte sicherten daraufhin die Umgebung und sperrten Straßen rund um das Gebäude weiträumig ab. Spezialisten untersuchten die Statik des Hochhauses mit Hilfe von Drohnen und technischen Messverfahren.
Betroffen ist ehemaliger Pfizer-Hauptsitz
Bei dem Gebäude handelt es sich um den ehemaligen Firmensitz von Pfizer in Manhattan. Das Hochhaus aus den 1960er Jahren befindet sich derzeit in einem milliardenschweren Umbauprojekt. Aus den ehemaligen Büroflächen sollen künftig mehr als 1.600 Wohnungen entstehen. Das Vorhaben gilt als eines der größten Projekte zur Umwandlung von Bürogebäuden in Wohnraum in der Geschichte der Stadt. Die Fertigstellung war ursprünglich für das Jahr 2027 vorgesehen.
Streit um die Ursache der Schäden
Während Baugewerkschafter die umfangreichen Umbauarbeiten und zusätzliche Belastungen der Gebäudestruktur als mögliche Ursache nennen, weist der Projektentwickler jede Verantwortung zurück. Nach Darstellung der Baufirma handelt es sich vielmehr um einen konstruktiven Mangel aus der ursprünglichen Bauzeit des Hochhauses in den 1960er Jahren. Demnach seien einzelne Stahlträger möglicherweise nicht ausreichend verstärkt worden. Die Verantwortlichen betonen, dass derzeit keine akute Gefahr eines vollständigen Einsturzes bestehe. Die betroffenen Zwischendecken sollen sich um rund zehn Zentimeter abgesenkt haben.
Behörden geben vorsichtige Entwarnung
Nach umfangreichen Untersuchungen erklärten Vertreter der New Yorker Behörden, die Situation sei derzeit stabil. Eine vollständige Entwarnung wollten die Experten jedoch nicht aussprechen. Das Risiko eines lokalen Teileinsturzes könne weiterhin nicht vollständig ausgeschlossen werden. Die Gebäudebehörde und Statiker überwachen die Konstruktion weiterhin rund um die Uhr. Ob und wann die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden können, ist bislang offen.
Der Zwischenfall sorgt inzwischen weit über Manhattan hinaus für Diskussionen über die Sicherheit großangelegter Umbauprojekte älterer Wolkenkratzer. Angesichts des zunehmenden Leerstands von Büroflächen werden in New York immer mehr Hochhäuser in Wohngebäude umgewandelt. Experten warnen jedoch, dass insbesondere bei Gebäuden aus der Nachkriegszeit erhebliche statische Herausforderungen entstehen können. Der Vorfall am ehemaligen Pfizer-Hochhaus dürfte deshalb die Debatte über Sicherheitsstandards und Bauaufsicht in der US-Metropole weiter verschärfen.


