Im von Russland kontrollierten Kernkraftwerk Saporischschja sorgen Berichte über einen mutmaßlichen Drohnenangriff für neue internationale Besorgnis. Nach Angaben des russischen Staatskonzerns Rosatom schlug eine Drohne auf dem Gelände des Atomkraftwerks ein und beschädigte eine Turbinenhalle. Zwar seien keine sicherheitsrelevanten Anlagen betroffen gewesen, dennoch habe die Explosion ein Loch in die Außenwand des Gebäudes gerissen.
Rosatom-Chef Alexej Lichatschow sprach von einem ukrainischen Angriff und warnte vor den Risiken militärischer Aktivitäten in unmittelbarer Nähe einer Atomanlage. Das Kernkraftwerk Saporischschja gilt als das größte Europas und steht seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine immer wieder im Fokus internationaler Sicherheitsbedenken.
Für zusätzliche Brisanz sorgt die Reaktion der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Die Organisation fordert umgehend Zugang zu der betroffenen Turbinenhalle, um die Schäden unabhängig überprüfen zu können. Nach Angaben der Behörde wurde sie über den Vorfall informiert und untersucht die Umstände des Angriffs. Sollte sich der Bericht bestätigen, wäre es nach Angaben der IAEA der erste Drohnenangriff innerhalb des Kraftwerksgeländes seit April 2024.
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi zeigte sich alarmiert. Angriffe auf nukleare Einrichtungen seien äußerst gefährlich und könnten schwerwiegende Folgen für die Sicherheit der gesamten Region haben. Er warnte davor, mit der Sicherheit von Atomanlagen zu spielen, und appellierte erneut an alle Konfliktparteien, militärische Handlungen in der Nähe nuklearer Infrastruktur zu unterlassen.
Das ukrainische Militär weist die russischen Vorwürfe hingegen entschieden zurück. Die Behauptung, eine ukrainische Drohne habe die Turbinenhalle von Reaktorblock 6 angegriffen, sei ein „Propagandatrick“ Moskaus. Kiew wirft Russland vor, mit solchen Meldungen die internationale Öffentlichkeit zu beeinflussen und neue Schuldzuweisungen im Informationskrieg zu platzieren.
Der Vorfall verdeutlicht erneut die angespannte Lage rund um das umkämpfte Kernkraftwerk. Während Russland von einem gezielten Angriff spricht, bestreitet die Ukraine jede Verantwortung. Solange unabhängige Inspektoren keinen Zugang zum Schadensort erhalten, bleiben zahlreiche Fragen offen. Klar ist jedoch: Jeder Zwischenfall auf dem Gelände des Kernkraftwerks erhöht die Sorge vor einer möglichen nuklearen Krise inmitten des andauernden Krieges.


