Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair kehrt dem Hauptstadtflughafen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) den Rücken. Zum 24. Oktober will das Unternehmen seinen Standort in Berlin vollständig schließen – ein drastischer Schritt mit weitreichenden Folgen für Passagiere und Beschäftigte.
Im Zuge des Rückzugs werden alle sieben bislang in Berlin stationierten Maschinen abgezogen und an andere europäische Standorte verlegt. Genannt wurden unter anderem Flughäfen in Schweden, der Slowakei, Albanien und Italien. Gleichzeitig wird das Flugangebot von und nach Berlin massiv reduziert: Für den Winterflugplan rechnet Ryanair mit einem Rückgang um rund 50 Prozent.
210 Jobs betroffen
Von der Entscheidung sind etwa 210 Beschäftigte betroffen, darunter Piloten und Kabinenpersonal. Zwar stellt Ryanair in Aussicht, alternative Arbeitsplätze innerhalb des Konzerns anzubieten – diese dürften jedoch überwiegend im Ausland liegen. Für viele Beschäftigte bedeutet das faktisch den Verlust ihres Arbeitsplatzes in Deutschland.
Ryanair-Manager Eddie Wilson übte scharfe Kritik an den Standortbedingungen in Deutschland. Den BER bezeichnete er als „überteuert“ und sprach von einem „gescheiterten Milliardenprojekt“. Gleichzeitig warf er der Bundesregierung vor, keine klare Strategie für die Luftverkehrsbranche zu verfolgen.
Gebühren und Steuern als Hauptgrund
Als zentrale Ursache nennt das Unternehmen die steigenden Kosten. Seit 2019 habe sich die Luftverkehrssteuer mehr als verdoppelt. Hinzu kämen steigende Sicherheitsgebühren sowie deutlich höhere Flughafenentgelte – insbesondere in Berlin. Diese seien seit der Pandemie um rund 50 Prozent gestiegen und könnten weiter anziehen.
Die BER-Geschäftsführung, vertreten durch Aletta von Massenbach, zeigte sich überrascht von der Ankündigung. Man befinde sich weiterhin in Gesprächen mit den Airlines, eine weitere deutliche Erhöhung der Gebühren sei derzeit nicht vorgesehen.
Wettbewerb mit günstigeren Flughäfen
Ryanair argumentiert, der BER sei im europäischen Vergleich nicht konkurrenzfähig. Während andere Flughäfen deutlich günstigere Konditionen böten, versuche Berlin, sich mit großen internationalen Drehkreuzen zu messen – ohne deren Marktposition zu haben. Eine Rückkehr nach Berlin schließt Ryanair grundsätzlich nicht aus. Voraussetzung sei jedoch, dass der BER künftig deutlich wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen schaffe. Bis dahin scheint der Rückzug endgültig.
Bedeutender Einschnitt für den Luftverkehrsstandort
Der Abzug von Ryanair markiert einen weiteren Rückschlag für den BER und den Luftverkehrsstandort Berlin. Weniger Verbindungen, weniger Wettbewerb und steigende Preise könnten die Folge sein – insbesondere für preisbewusste Reisende.


