Asiatische Hornisse breitet sich rasant aus

Die invasive Asiatische Hornisse breitet sich in Nordrhein-Westfalen immer schneller aus und sorgt bei Behörden, Naturschützern und Imkern zunehmend für Besorgnis. Neue Zahlen zeigen, wie stark sich die aus Südostasien stammende Art inzwischen etabliert hat: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 7.300 Sichtungen registriert. Damit hat sich die Zahl der gemeldeten Tiere innerhalb eines Jahres etwa verfünffacht – 2024 waren es noch rund 1.400 Beobachtungen.

Besonders häufig taucht die Hornisse derzeit im Rheinland und im Ruhrgebiet auf. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Art dort bereits großflächig ausgebreitet hat.

Die Entwicklung verläuft rasant: Noch 2022 wurden lediglich neun Exemplare nachgewiesen. Bereits 2020 war die Asiatische Hornisse erstmals in NRW entdeckt worden. Inzwischen melden Bürgerinnen und Bürger jedes Jahr deutlich mehr Tiere. Auffällig ist auch der frühe Beginn der Saison: Schon im März wurden mehr als 120 bestätigte Beobachtungen gemeldet – so früh wie noch nie.

Bedrohung für Bienen und Ökosysteme

Die Asiatische Hornisse gilt als hoch effizienter Jäger. Sie lauert vor allem Honig- und Wildbienen auf und fängt sie direkt im Flug. Die erbeuteten Insekten dienen als Nahrung für die Brut. Naturschutzexperten warnen, dass diese Jagdstrategie ganze Bienenvölker schwächen kann. Wenn Bestäuber verschwinden, hat das weitreichende Folgen für die Natur. Viele Pflanzen sind auf Insekten angewiesen, um sich fortzupflanzen. Geht die Zahl der Bestäuber zurück, können auch Blütenpflanzen seltener werden.

Damit gerät ein ganzer Lebensraum unter Druck: Weniger Pflanzen bedeuten auch weniger Nahrung für Schmetterlinge, andere Insekten und viele Vogelarten. Hinzu kommt Konkurrenz zu heimischen Arten. Die Asiatische Hornisse nutzt ähnliche Nahrungsquellen und Nistplätze wie andere Insekten und kann diese langfristig verdrängen. Da sie in Europa kaum natürliche Feinde hat, kann sich die Art besonders schnell vermehren.

Imker sehen ihre Bienenvölker gefährdet

Vor allem Imker beobachten die Entwicklung mit wachsender Sorge. Nach Einschätzung von Fachleuten besteht ein Großteil der Nahrung der Hornissen aus Honigbienen. „Rund 65 Prozent ihrer Nahrung sind unsere Honigbienen“, erklärte Ulf Bergmann vom Kreis-Imkerverein Unna-Hamm bereits im vergangenen Sommer. Wenn Hornissen regelmäßig vor Bienenstöcken jagen, geraten die Bienenvölker unter Stress und verlassen den Stock teilweise kaum noch. Das schwächt sie zusätzlich.

Nester entstehen oft in Wohngebieten

Die Tiere sind etwa zwei Zentimeter groß und lassen sich relativ gut erkennen. Typisch sind eine schwarze Brust, schwarz-gelbe Beine und ein überwiegend dunkler Hinterleib mit gelben Bändern. Im Frühjahr beginnen die Königinnen mit dem Bau neuer Nester. Diese entstehen häufig in Sträuchern, unter Dachüberständen oder in Geräteschuppen. Später können die Nester deutlich größer werden und sogar hoch in Bäumen hängen.

Bürgerinnen und Bürger werden deshalb gebeten, Sichtungen oder Nester bei den Städten zu melden, damit die Ausbreitung besser dokumentiert werden kann.

Für Menschen meist keine große Gefahr

Trotz ihrer Größe stellt die Asiatische Hornisse für Menschen normalerweise keine besondere Gefahr dar. Ihr Stich ist nicht gefährlicher als der einer heimischen Wespe oder Hornisse. Die Tiere gelten als relativ friedlich – aggressiv werden sie meist nur, wenn ihr Nest direkt bedroht wird. Eine Ausnahme bilden Allergiker, für die jeder Insektenstich problematisch sein kann.

Entfernung der Nester nicht mehr überall Pflicht

Weil sich die Art inzwischen deutschlandweit verbreitet hat, sind Behörden nicht mehr verpflichtet, jedes Nest zu beseitigen. In vielen Fällen entscheiden Kommunen inzwischen individuell, ob eine Entfernung notwendig ist. Empfohlen wird weiterhin, Nester von Fachleuten entfernen zu lassen. Grundstückseigentümer sind dafür in der Regel selbst verantwortlich.

Der Aufwand kann dabei erheblich sein. Erst vor einigen Monaten musste in Ennepetal ein besonders großes Nest entfernt werden. Es hing in etwa zehn Metern Höhe in einem Baum auf dem Gelände einer Grundschule und war etwa so groß wie zwei Medizinbälle. Wegen der schwierigen Lage brauchte die Feuerwehr zusätzliche Hilfe durch einen Spezialsteiger eines Dachdeckerbetriebs.

Behörden setzen auf Meldungen aus der Bevölkerung

Da sich die Asiatische Hornisse inzwischen kaum noch vollständig eindämmen lässt, konzentrieren sich Behörden vor allem auf Monitoring und gezielte Maßnahmen. Meldungen aus der Bevölkerung spielen dabei eine zentrale Rolle, um neue Nester frühzeitig zu entdecken. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie stark sich die invasive Art in Nordrhein-Westfalen noch ausbreiten wird – und welche Folgen das für Bienen, Natur und Landwirtschaft haben könnte.

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