Ein bedeutender Schritt für das größte Rüstungsprojekt der US-Marine: Der zukünftige Flugzeugträger USS John F. Kennedy (CVN-79) ist erstmals aus eigener Kraft in See gestochen. Am Mittwoch verließ das Schiff die Werft von Huntington Ingalls Industries (HII) in Newport News im US-Bundesstaat Virginia, um zu den sogenannten Builder’s Trials auszulaufen – den entscheidenden Erprobungsfahrten des Schiffbauers vor der Übergabe an die Marine.
Wie HII-Sprecher Todd Corillo erklärte, werden bei diesen Tests zentrale Systeme und Komponenten des Trägers erstmals unter realen Seebedingungen geprüft. Dazu zählen Antrieb, Steuerung, Energieversorgung und weitere sicherheitsrelevante Systeme. Die Erprobungsfahrten markieren den Übergang von der Bau- zur Testphase und gelten als Voraussetzung für die spätere Abnahme durch die US Navy.
Die USS John F. Kennedy ist der zweite Flugzeugträger der modernen Ford-Klasse und soll künftig eine Schlüsselrolle in der globalen Machtprojektion der Vereinigten Staaten spielen. Doch der Weg dorthin war lang und von Rückschlägen geprägt. Das Schiff befindet sich seit Jahren im Bau und hat bereits mehrere Terminverschiebungen erlebt. Aktuell ist die Übergabe an die Marine für März 2027 vorgesehen.
Ursache der Verzögerungen sind unter anderem tiefgreifende technische Anpassungen. Im Jahr 2020 änderte die US Navy ihr ursprüngliches Konzept einer zweistufigen Auslieferung und entschied sich für eine einphasige Übergabe. Diese Entscheidung führte zu zusätzlichen Arbeiten und verlängerte den Bauvertrag um rund zwei Jahre. Ziel war es, wichtige Fähigkeiten direkt ab Werk zu integrieren, statt sie später nachzurüsten.
Dazu zählen insbesondere die Einsatzfähigkeit für den F-35C Joint Strike Fighter, das neue Enterprise Air Surveillance Radar sowie zwei Schlüsseltechnologien der Ford-Klasse: das Advanced Arresting Gear (AAG), das landende Flugzeuge abbremst, und die Advanced Weapons Elevators (AWE), die Munition durch das Schiff transportieren. Beide Systeme gelten als technologisch anspruchsvoll und haben in der Vergangenheit wiederholt für Verzögerungen gesorgt.
Noch im Haushaltsplan für das Fiskaljahr 2024 war die Auslieferung für Juli 2025 vorgesehen. Dieser Termin wurde jedoch erneut verschoben, um die Zertifizierung des Fangsystems und die Fertigstellung der Waffenaufzüge sicherzustellen. Laut aktuellen Haushaltsunterlagen ist eine vorläufige Abnahme Mitte 2026 geplant.
Mit dem Auslaufen zu den Builder’s Trials erreicht das Projekt nun einen entscheidenden Wendepunkt. Ob der ambitionierte Zeitplan bis 2027 gehalten werden kann, hängt maßgeblich davon ab, ob die komplexen Hightech-Systeme nun wie vorgesehen funktionieren.


