Erdbeben-Serie mitten in Deutschland

Dresden. Erdbeben sind in Deutschland eine Seltenheit – umso größer war die Verunsicherung, als am Neujahrstag im Südwesten Sachsens die Erde deutlich bebte. Im Vogtland registrierten Messstationen mehrere Erdstöße, die von vielen Menschen klar wahrgenommen wurden. Nach Angaben des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie handelte es sich um die stärksten Beben im Freistaat seit mehreren Jahren.

Insgesamt wurden fünf einzelne Erdbeben bestätigt. Das stärkste ereignete sich am 1. Januar um 18.04 Uhr und erreichte eine Magnitude von 3,2 auf der Richterskala. Ein weiterer Erdstoß kurz zuvor lag bei einer Stärke von 3,1. Damit überschritten die Erschütterungen deutlich die Schwelle dessen, was in Deutschland üblicherweise als spürbar gilt. Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur seien jedoch nicht zu erwarten, betonten die Behörden.

Anwohner schilderten die Erlebnisse als beunruhigend. Ein Bewohner berichtete in sozialen Netzwerken, er habe gleich zwei der Beben „stark gespürt“ – ein solches Ereignis habe er seit sehr langer Zeit nicht mehr erlebt. Auch bei den Behörden gingen vereinzelt Meldungen aus der Bevölkerung ein.

Der Ursprung der Erschütterungen lag nach ersten Auswertungen rund siebeneinhalb Kilometer unter der Erdoberfläche im Raum der tschechischen Stadt Luby, nahe der Grenze zu Sachsen. Die aktuellen Beben sind Teil eines sogenannten Schwarmbebens, das die Region bereits seit rund sechs Wochen beschäftigt. Schon am Nikolaustag, dem 6. Dezember, war es im Grenzgebiet zwischen dem Vogtland und Nordböhmen zu spürbaren Erdstößen gekommen.

Geologen sehen die Ursache in aktiven tektonischen Störungszonen, die sich unter der Region kreuzen. Das Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) weist darauf hin, dass das Vogtland seit Langem als erdbebengefährdete Zone bekannt ist. Weitere Erschütterungen in den kommenden Tagen oder Wochen seien daher nicht ausgeschlossen.

Grundsätzlich sind Erdbeben in Deutschland nicht gleichmäßig verteilt. Laut GFZ konzentriert sich die seismische Aktivität auf wenige Regionen. Die höchste Erdbebenhäufigkeit weist das Rheingebiet auf, das sich bis in den Raum Köln sowie nach Belgien und in die Niederlande erstreckt. Historisch gesehen zählt das Beben von 1756 bei Düren zu den stärksten bekannten Ereignissen: Mit einer Magnitude von 6,1 forderte es sogar Todesopfer.

Auch wenn die aktuellen Beben im Vogtland vergleichsweise moderat ausfielen, zeigen sie, dass selbst mitten in Deutschland spürbare Erschütterungen möglich sind. Vor dem Hintergrund global zunehmender Naturgefahren rückt damit auch hierzulande die Frage nach geologischen Risiken wieder stärker in den Fokus.

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