Essen/Bremen. Der globale Containerumschlag zeigt im Oktober wieder leichte Erholungstendenzen, doch Europa bleibt weiter klar auf der Verliererseite des Welthandels. Der Containerumschlag-Index des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung – und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik steigt nach einer ersten Schätzung auf 137,2 Punkte und macht damit den Rückgang des Vormonats fast vollständig wett. Während der Weltmarkt also wieder anzieht, geraten die europäischen Häfen zunehmend ins Hintertreffen.
Besonders alarmierend ist der dritte deutliche Einbruch in Folge: Der Containerumschlag in deutschen und europäischen Häfen fällt im Oktober um weitere fünf Punkte. Die Erholung des vergangenen Jahres ist damit zunichte, Europa entfernt sich spürbar vom Tempo des weltweiten Warenverkehrs. Die Entwicklung setzt einen Trend fort, der seit 2022 anhält und die internationalen Handelsströme sichtbar verschiebt.
Auch in China gibt es leichte Rückgänge, allerdings auf hohem Niveau. Der Umschlag sinkt nach einer revidierten Vorzahl von 153 Punkten auf 151,8 Punkte. Der finale Wert für November soll am 19. Dezember veröffentlicht werden und wird weitere Hinweise auf den Zustand des globalen Warenflusses liefern.
Ökonomen sehen mehrere Ursachen für Europas Schwächephase. RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt verweist auf die Folgen der Sanktionen gegen Russland, die Transportwege und Handelsbeziehungen nachhaltig verändert haben. Gleichzeitig belasten hohe Energiepreise die europäische Industrie erheblich und verschlechtern ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die schwache Konjunktur drückt zudem die Importnachfrage – ein Umstand, der den Häfen zusätzlich Frachtvolumen raubt.
Schmidt dämpft die Erwartungen deutlich. Angesichts des schleppenden Wirtschaftsumfelds gebe es derzeit kaum Anzeichen, dass Europa kurzfristig wieder Anschluss an die Dynamik der Weltwirtschaft finden könne.


