Die Vereinigten Arabische Emirate treiben ihre wirtschaftliche Neuausrichtung mit hohem Tempo voran. Nur einen Tag nach dem überraschenden Austritt aus der OPEC haben die Emirate ein umfassendes Handelsabkommen mit Südkorea unterzeichnet. Das sogenannte „Comprehensive Economic Partnership Agreement“ (CEPA) markiert einen bedeutenden Schritt in Richtung engerer Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Golfregion und Asien. Beobachter werten den Deal auch als Signal, dass sich die Emirate strategisch breiter aufstellen und ihre Abhängigkeit vom Ölsektor weiter reduzieren wollen.
Zölle fallen für den Großteil der Waren
Kern des Abkommens ist der weitgehende Abbau von Handelsbarrieren. Rund 91,2 Prozent der gehandelten Waren sollen künftig zollfrei oder mit deutlich reduzierten Abgaben gehandelt werden. Ziel ist es, Investitionen zu erleichtern, Lieferketten zu stabilisieren und den bilateralen Handel spürbar auszubauen.
Bereits jetzt hat der Nicht-Öl-Handel zwischen beiden Ländern ein beachtliches Volumen erreicht: 2025 lag er bei rund 6,9 Milliarden US-Dollar. Mit dem neuen Abkommen rechnen beide Seiten mit einem deutlichen Wachstum in den kommenden Jahren.
Fokus auf Zukunftsindustrien
Nach Angaben von Thani bin Ahmed Al Zeyoudi soll das Abkommen insbesondere neue Chancen für Unternehmen schaffen. Im Mittelpunkt stehen dabei zukunftsträchtige Branchen wie Technologie, industrielle Fertigung und Logistik. Für die Emirate ist dies ein weiterer Schritt in Richtung wirtschaftlicher Diversifizierung. Für Südkorea wiederum eröffnet sich ein verbesserter Zugang zu einem strategisch wichtigen Markt im Nahen Osten.
Erstes Abkommen dieser Art für Südkorea in der Region
Das CEPA ist das erste Handelsabkommen Südkoreas mit einem Staat aus dem Golf-Kooperationsrat sowie der weiteren Region Nahost und Nordafrika. Damit gewinnt die Partnerschaft auch geopolitische Bedeutung. In einer Zeit wachsender Unsicherheiten im Welthandel – etwa durch gestörte Lieferketten und geopolitische Spannungen – setzen beide Länder bewusst auf engere Kooperation und wirtschaftliche Vernetzung.
Katar verstärkt ebenfalls seine Beziehungen zu Seoul
Parallel zu den Aktivitäten der Emirate baut auch Katar seine wirtschaftlichen Beziehungen zu Südkorea deutlich aus. Eine hochrangige Delegation unter Leitung von Ahmed bin Mohammed Al Sayed reiste kürzlich nach Seoul, um neue Kooperationen anzustoßen. Im Fokus der Gespräche stehen Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz, Halbleiter, Biotechnologie und moderne Produktionsverfahren. Ziel ist es, langfristige Partnerschaften zwischen Unternehmen und staatlichen Institutionen zu etablieren.
Golfstaaten richten Blick verstärkt nach Asien
Die parallelen Initiativen der Emirate und Katars zeigen einen klaren Trend: Die Golfstaaten orientieren sich zunehmend in Richtung Asien. Hintergrund ist nicht nur die wirtschaftliche Dynamik der Region, sondern auch der Wunsch, neue Märkte zu erschließen und strategische Abhängigkeiten zu reduzieren. Der Austritt der VAE aus der OPEC unterstreicht diesen Kurswechsel zusätzlich. Statt sich ausschließlich auf den Energiesektor zu stützen, setzen die Staaten verstärkt auf Handel, Technologie und Investitionen.
Neue Achsen im globalen Handel entstehen
Mit den aktuellen Entwicklungen formiert sich eine neue wirtschaftliche Achse zwischen dem Nahen Osten und Ostasien. Für beide Seiten ergeben sich daraus erhebliche Chancen – aber auch neue Abhängigkeiten. Analysten erwarten, dass weitere Länder der Region ähnliche Abkommen anstreben könnten. Die Verschiebung globaler Handelsströme nimmt damit weiter an Dynamik zu.


