Die NATO hat über Rumänien erneut eine Drohne abgefangen. Ein spanischer F-18-Kampfjet schoss das unbemannte Fluggerät am frühen Sonntagmorgen ab, nachdem es in den rumänischen Luftraum eingedrungen war. Der Vorfall ereignete sich im Südosten des Landes nahe der Stadt Galați, unweit der Grenze zur Republik Moldau und damit in unmittelbarer Nähe des Kriegsgebiets in der Ukraine. Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums wurde die Drohne um 4.44 Uhr von den Überwachungssystemen erfasst. Sie war aus Richtung Moldau in den rumänischen Luftraum eingeflogen. Rund 17 Minuten später erhielt der spanische F-18 die Genehmigung zum Abschuss. Um 5.01 Uhr wurde das Fluggerät getroffen und zerstört.
Trümmer stürzen in unbewohntem Gebiet ab
Nach dem Abschuss gingen die Trümmer vermutlich im Kreis Galați zu Boden. Als möglicher Absturzbereich wurde ein unbewohntes Gelände zwischen den Ortschaften Băleni und Cudalbi identifiziert. Nach bisherigen Informationen wurden dabei keine Menschen verletzt. Auch größere Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur wurden zunächst nicht gemeldet. Die rumänischen Behörden untersuchen den Vorfall und den möglichen Ursprung der Drohne. Damit blieb der Zwischenfall auf rumänischem Staatsgebiet ohne die unmittelbaren Folgen, die bei einem Absturz über einem dicht besiedelten Gebiet möglich gewesen wären.
Zwei spanische F-18 bereits in Alarmbereitschaft
Die eingesetzten spanischen Kampfflugzeuge waren nicht zufällig in der Region. Spanien beteiligt sich mit F-18-Kampfjets an der NATO-Luftraumüberwachung in Rumänien. Die beiden Maschinen waren bereits vorsorglich gestartet, als die Drohne entdeckt wurde. Einer der Jets stellte Radarkontakt zu dem unbemannten Fluggerät her. Nach der Freigabe durch die rumänische Einsatzführung erfolgte der Abschuss. Anschließend wurde der Luftalarm für den Kreis Galați um 5.20 Uhr wieder aufgehoben. Der Vorgang zeigt, wie eng die nationale rumänische Luftverteidigung und die NATO-Luftraumüberwachung an der östlichen Bündnisflanke inzwischen miteinander verzahnt sind.
Herkunft der Drohne zunächst nicht eindeutig geklärt
Besonders brisant ist die Frage nach der Herkunft des Fluggeräts. Die Drohne wurde aus Richtung Moldau kommend registriert. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, von wem sie eingesetzt wurde. Mehrere internationale Berichte stufen das Fluggerät als mutmaßlich russische Drohne ein. Eine endgültige offizielle Zuordnung war zunächst jedoch nicht erfolgt. Auch NATO-Vertreter verwiesen auf die laufenden Untersuchungen. Der Vorfall ist deshalb auch politisch sensibel. Eine eindeutige Feststellung der Herkunft könnte erhebliche Auswirkungen auf die Bewertung des Zwischenfalls haben – insbesondere dann, wenn sich ein gezielter russischer Einsatz bestätigen sollte.
Rumänien erneut im Zentrum der Gefahr
Rumänien ist als NATO-Mitglied besonders stark vom Krieg in der Ukraine betroffen. Das Land verfügt über eine mehr als 600 Kilometer lange Grenze zur Ukraine. Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine kam es wiederholt zu Drohnenvorfällen und Luftraumverletzungen im rumänischen Grenzgebiet. Besonders gefährdet sind die Regionen entlang der Donau und des Schwarzen Meeres. Von dort aus sind ukrainische Gebiete, in denen regelmäßig russische Drohnenangriffe stattfinden, nur wenige Kilometer entfernt. Immer wieder müssen rumänische Behörden deshalb den Luftraum überwachen, Warnungen ausgeben oder NATO-Kampfjets starten lassen.
Bereits vierte Drohne in diesem Jahr abgeschossen
Der jüngste Vorfall ist nach Angaben von Reuters bereits die vierte Drohne, die in diesem Jahr über rumänischem Gebiet abgeschossen wurde. Erst im Juli hatten rumänische F-16-Kampfjets drei Drohnen bekämpft und zerstört. Noch schwerwiegender war ein Vorfall im Mai. Damals stürzte eine Drohne in Galați auf ein Wohngebäude. Zwei Menschen wurden dabei verletzt. Die wiederholten Zwischenfälle verdeutlichen, dass die Gefahr durch den Krieg in der Ukraine längst nicht mehr auf ukrainisches Territorium beschränkt bleibt. Für Rumänien bedeutet dies eine dauerhafte Belastung seiner Luftverteidigung. Gleichzeitig muss das Land darauf achten, auf Verletzungen seines Luftraums entschlossen zu reagieren, ohne dadurch eine direkte Konfrontation mit Russland zu provozieren.
NATO-Ostflanke unter besonderer Beobachtung
Der Abschuss erfolgte vor dem Hintergrund einer zunehmenden Zahl von Drohnenvorfällen an der östlichen NATO-Flanke. Auch andere Bündnisstaaten mussten zuletzt auf unbemannte Fluggeräte reagieren. Damit gewinnt die NATO-Luftraumüberwachung an der Ostflanke weiter an Bedeutung. Kampfjets verschiedener Mitgliedstaaten werden eingesetzt, um verdächtige Flugobjekte zu identifizieren und gegebenenfalls abzufangen. Die spanische Beteiligung in Rumänien ist dabei Teil der sogenannten Air-Policing-Mission. Ziel ist es, den Luftraum eines NATO-Mitglieds zu überwachen und im Ernstfall schnell reagieren zu können.
Abschuss zeigt veränderte Sicherheitslage
Der Einsatz über Galați verdeutlicht zugleich eine grundlegende Veränderung der europäischen Sicherheitslage. Noch vor wenigen Jahren wäre der Abschuss eines unbekannten Fluggeräts über NATO-Gebiet ein außergewöhnlicher Vorgang gewesen. Inzwischen müssen die Bündnisstaaten regelmäßig mit Drohnen rechnen, die infolge des Krieges in der Ukraine den Luftraum von Nachbarstaaten erreichen. Dabei ist nicht jeder Vorfall automatisch ein gezielter Angriff auf die NATO. Drohnen können vom vorgesehenen Kurs abkommen, durch elektronische Störungen beeinflusst werden oder bei Angriffen und Abwehrmaßnahmen ihre Flugbahn verändern. Gleichzeitig kann ein wiederholtes Eindringen in NATO-Luftraum nicht ignoriert werden. Die militärische Herausforderung besteht deshalb darin, innerhalb kürzester Zeit zwischen einer tatsächlichen Bedrohung, einem technischen oder elektronischen Fehlverhalten und einem möglichen gezielten Eindringen zu unterscheiden.
Auch das Schwarze Meer bleibt ein Sicherheitsrisiko
Die Spannungen beschränken sich zudem nicht auf den rumänischen Luftraum. Erst wenige Tage vor dem aktuellen Drohnenabschuss mussten rumänische Spezialkräfte zwei unbemannte Fluggeräte im Schwarzen Meer kontrolliert zerstören. Die Drohnen waren nahe dem Offshore-Gasprojekt Neptun Deep entdeckt worden. Ihre Herkunft war zunächst unklar; die Ukraine erklärte, es habe sich nicht um ukrainische Drohnen gehandelt. Der Vorfall zeigt, dass neben dem Luftraum zunehmend auch kritische Infrastruktur auf See geschützt werden muss. Rumänien ist dabei nicht nur als NATO-Mitglied, sondern auch wegen seiner Energieinfrastruktur und seiner Lage am Schwarzen Meer von strategischer Bedeutung.
Keine unmittelbare Eskalation – aber wachsamer NATO-Ostflügel
Der Abschuss der Drohne bei Galați stellt nach den bisherigen Informationen keine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen NATO und Russland dar. Dennoch zeigt der Vorfall, wie nah die Folgen des Ukraine-Krieges inzwischen an das Bündnisgebiet heranreichen. Für die NATO steht dabei die Glaubwürdigkeit ihrer Luftverteidigung auf dem Spiel. Ein Eindringen in den Luftraum eines Mitgliedstaates muss erkannt und bewertet werden können. Gleichzeitig muss eine Reaktion verhältnismäßig bleiben und darf nicht unnötig zur Eskalation beitragen.
Der spanische F-18 hat die Drohne letztlich über unbewohntem Gebiet abgeschossen. Menschen kamen nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu Schaden. Doch mit jedem weiteren Vorfall steigt der Druck auf die NATO, ihre östliche Flanke dauerhaft gegen Drohnen, Marschflugkörper und andere Bedrohungen abzusichern. Der Zwischenfall bei Galați ist damit mehr als ein isolierter Drohnenabschuss: Er steht exemplarisch für die wachsende militärische Anspannung entlang der NATO-Ostgrenze und die unmittelbaren Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf das Bündnisgebiet.


