Das Landeskriminalamt Sachsen beobachtet im Raum Leipzig ein zunehmend verfestigtes Milieu syrischer Großfamilien. Nach Einschätzung der Ermittler gehören der Szene zwischen 700 und 1.000 Personen an. Rund 130 von ihnen seien bereits wegen Straftaten polizeibekannt. Das LKA betont zugleich, dass nicht alle Angehörigen der Familien kriminell sind. Den Ermittlern zufolge reicht das Spektrum von Drogen- und Gewaltkriminalität über Betrug und Geldwäsche bis hin zu Steuer- und Urkundendelikten. Auch Schleusungskriminalität und illegale Finanzgeschäfte spielen demnach eine Rolle.
Besondere Aufmerksamkeit gilt wirtschaftlichen Strukturen. Gewerbebetriebe wie Bars, Spätverkaufsstellen oder andere Geschäfte könnten nach Einschätzung der Ermittler dazu genutzt werden, illegale Einnahmen zu verschleiern oder Geld in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen.
Task Force gegen Clan-Kriminalität
Sachsen setzt deshalb auf eine behördenübergreifende Strategie. Die 2023 gegründete „Task Force Clan“ arbeitet unter anderem mit Polizei, Bundespolizei, Zoll, Finanzbehörden und Steuerfahndung zusammen. Ziel ist es, nicht nur einzelne Straftaten aufzuklären, sondern kriminellen Netzwerken auch ihre finanziellen Grundlagen zu entziehen. Dabei spielen Vermögensabschöpfung, Gewerbekontrollen und die Analyse von Finanzströmen eine wichtige Rolle.
Familienstrukturen erschweren Ermittlungen
Nach Einschätzung des LKA erschweren enge familiäre Bindungen die Strafverfolgung. Angehörige könnten beispielsweise Fahrzeuge, Konten oder Vermögenswerte verwalten. Zudem seien Zeugen aus dem Umfeld der Familien häufig wenig bereit, gegen Verwandte auszusagen. Die Ermittler versuchen deshalb, stärker auf objektive Beweise wie Finanztransaktionen, Kommunikationsdaten und beschlagnahmte Gegenstände zurückzugreifen.
Leipzig bleibt Schwerpunkt
Sachsen gilt bundesweit nicht als klassische Hochburg der Clan-Kriminalität. Dennoch sehen die Behörden insbesondere in Leipzig eine Entwicklung, die sie aufmerksam beobachten. Sie wollen verhindern, dass sich kriminelle Familienverbände dauerhaft wirtschaftlich und organisatorisch etablieren. Dabei steht ausdrücklich nicht eine bestimmte Herkunftsgruppe insgesamt im Fokus. Die Ermittlungen richten sich gegen konkrete Personen und Strukturen, die mit Straftaten in Verbindung gebracht werden.


