Waldbrände in Kroatien: Tausende evakuiert

Die schweren Waldbrände an der kroatischen Adriaküste haben eine dramatische Entwicklung genommen. Rund um Omiš südlich von Split breiteten sich die Flammen auf einem mehr als zehn Kilometer langen Küstenstreifen aus und erreichten teilweise bewohnte Gebiete. Häuser, Fahrzeuge und weitere Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Tausende Menschen mussten ihre Unterkünfte verlassen. Besonders betroffen war die Gegend um Lokva Rogoznica. Dort war das Feuer am Donnerstagabend ausgebrochen und hatte sich durch trockene Vegetation und kräftigen Wind rasch ausgebreitet. Die Flammen bewegten sich von den bewaldeten Hängen in Richtung Küste und damit unmittelbar auf Siedlungen und touristisch genutzte Bereiche zu.

Ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte

Die Brandkatastrophe forderte mindestens ein Todesopfer. In dem vom Feuer betroffenen Ort Stanići entdeckte die Polizei eine Leiche. Nach bisherigen Erkenntnissen starb die Person infolge des Brandes. Auch die Zahl der Verletzten stieg deutlich an. Nach Angaben kroatischer Behörden und Medien wurden insgesamt 43 Menschen medizinisch versorgt, darunter drei Feuerwehrleute. Im Krankenhaus von Split mussten zahlreiche Patienten behandelt werden. Sieben Verletzte erlitten derart schwere Verbrennungen, dass sie zeitweise lebensgefährlich verletzt waren. Unter den Betroffenen befanden sich auch ein deutscher und ein polnischer Staatsangehöriger. Die Verletztenbilanz macht deutlich, wie gefährlich die Situation für Anwohner, Urlauber und Einsatzkräfte war. Die Flammen erreichten teilweise Bereiche, in denen sich Menschen und Fahrzeuge befanden.

Rund 2.500 Menschen in Sicherheit gebracht

Die Behörden reagierten mit umfangreichen Evakuierungen. Rund 2.500 Menschen mussten ihre Häuser, Ferienwohnungen oder Hotels verlassen. Viele Betroffene wurden zunächst in Notunterkünften untergebracht. Für Urlauber wurden zusätzliche Unterkünfte in Hotels der Gespanschaft Split-Dalmatien organisiert. Nach Angaben der kroatischen Tourismusbehörden erhielten alle Reisenden, die Unterstützung benötigten, Hilfe. Besonders eindrucksvoll war die Evakuierung über das Meer. Da die Küstenstraßen teilweise von Rauch und Feuer bedroht waren, wurden Menschen auch mit Schiffen aus den gefährdeten Bereichen gebracht. Andere Urlauber versuchten, mit ihren Autos zu entkommen.

Hunderte Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen

Für die Brandbekämpfung wurden Einsatzkräfte aus mehreren kroatischen Gespanschaften zusammengezogen. Hunderte Feuerwehrleute waren mit zahlreichen Löschfahrzeugen im Einsatz. Unterstützt wurden die Bodenkräfte von Löschflugzeugen, die die schwer zugänglichen Brandherde aus der Luft bekämpften. Die Einsatzleitung stand dabei vor erheblichen Schwierigkeiten. Das Feuer erfasste bewaldete und teilweise steile Hänge, während der Wind die Flammen immer wieder anfachte. Selbst nachdem offene Feuerfronten weitgehend verschwunden waren, blieb das Risiko weiterer Brandausbrüche bestehen.

Brandfläche auf rund 1.000 Hektar geschätzt

Nach Angaben des kroatischen Feuerwehrverbandes wurden im Raum Lokva Rogoznica rund 1.000 Hektar Fläche vom Feuer betroffen. Damit entwickelte sich der Brand zu einem der größeren Waldbrände der aktuellen Saison an der kroatischen Adriaküste. Die Schäden reichen weit über die eigentliche Waldfläche hinaus. Nach vorläufigen Angaben wurden im Raum Omiš unter anderem 58 Wohnhäuser, 36 Fahrzeuge und 25 Boote vom Feuer erfasst. Hinzu kamen Schäden an Garagen, Lastwagen, Anhängern und weiteren Objekten. Eine abschließende Schadensbilanz dürfte erst nach Abschluss der Löscharbeiten und einer detaillierten Untersuchung der betroffenen Gebiete möglich sein.

Starker Wind treibt Feuer bis an die Küste

Eine entscheidende Rolle bei der schnellen Ausbreitung spielte der Wind. Die Kombination aus lang anhaltender Trockenheit, ausgetrockneter Vegetation und kräftigen Luftströmungen sorgte dafür, dass sich die Flammen innerhalb kurzer Zeit über größere Gebiete ausbreiten konnten. Gerade an der dalmatinischen Küste sind die Voraussetzungen für Vegetationsbrände besonders kritisch. Kiefernwälder und trockenes Buschland bieten dem Feuer reichlich Brennmaterial. Kommt starker Wind hinzu, können sich Feuerfronten schnell verlagern und Funken neue Brandherde entzünden. Für die Einsatzkräfte bedeutet dies, dass sich die Situation auch nach dem scheinbaren Erlöschen eines Feuers kurzfristig wieder verschärfen kann.

Auswärtiges Amt warnt Kroatien-Urlauber

Angesichts der zunächst nicht unter Kontrolle gebrachten Lage reagierte auch das deutsche Auswärtige Amt. Reisenden wurde dringend davon abgeraten, das Gebiet zwischen Lokva Rogoznica und Omiš zu betreten. Wer von den örtlichen Behörden zur Evakuierung aufgefordert wird, soll den Anweisungen unverzüglich folgen. Das Ministerium fordert Urlauber außerdem auf, Zufahrtswege für Feuerwehr und Rettungsdienste freizuhalten und sich keinesfalls aus Neugier in gefährdete Gebiete zu begeben. Auch das Fotografieren oder Filmen innerhalb der Gefahrenzone kann Einsatzmaßnahmen behindern. Besonders wichtig ist der Hinweis auf Drohnen: Der Betrieb solcher Fluggeräte ist im Bereich der Löscharbeiten untersagt, da sie den Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern gefährden können.

Lage bei Omiš stabilisiert sich

Inzwischen hat sich die Lage im Raum Omiš und Lokva Rogoznica deutlich verbessert. Der Brand blieb zwar aktiv, die großen offenen Flammen waren jedoch weitgehend verschwunden. Die kroatische Feuerwehr setzte ihre Kräfte deshalb verstärkt für Nachlöscharbeiten und die Sicherung der Brandflächen ein. Auch der Wetterumschwung hilft den Einsatzkräften. Für weite Teile Kroatiens wurden Gewitter und Regenfälle vorhergesagt. Niederschlag kann die Brandgefahr vorübergehend erheblich reduzieren und die Nachlöscharbeiten erleichtern. Gleichzeitig bleiben die betroffenen Gebiete wegen möglicher Glutnester und weiterer Gefahren unter Beobachtung.

Weitere Waldbrände in Kroatien

Der Großbrand bei Omiš ist nicht der einzige größere Waldbrand, mit dem Kroatien derzeit zu kämpfen hat. Auch auf der Halbinsel Pelješac sowie auf der Insel Dugi Otok waren Feuer ausgebrochen. Auf Pelješac liefen zuletzt Sicherungs- und Nachlöscharbeiten. Wohngebiete waren dort nicht mehr unmittelbar bedroht. Auf Dugi Otok konnte ein zwischen Savar und Brbinj ausgebrochenes Feuer ebenfalls unter Kontrolle gebracht werden. Weitere Brände wurden unter anderem aus Dalmatien gemeldet. Nach Angaben des ADAC haben Waldbrände in Kroatien seit Jahresbeginn bereits fast 10.000 Hektar Fläche zerstört. Damit liegt die bisherige Schadensbilanz bereits deutlich über dem Vorjahreswert.

Urlaubsregion wird zum Katastrophengebiet

Die Ereignisse rund um Omiš zeigen eindrücklich, wie schnell sich die Situation in einer beliebten Urlaubsregion verändern kann. Noch wenige Stunden vor der Eskalation hielten sich zahlreiche Menschen an Stränden, in Ferienhäusern und Hotels auf. Dann erreichten die Flammen die Küstenregion. Für den Tourismus ist die Situation besonders problematisch, weil viele Ferienorte unmittelbar zwischen Meer und bewaldeten Berghängen liegen. Fluchtmöglichkeiten über Straßen können dadurch schnell eingeschränkt werden. In Omiš erwies sich die Möglichkeit einer Evakuierung über das Meer als wichtiger zusätzlicher Rettungsweg. Trotz der schweren Brände sind große Teile der kroatischen Adriaküste weiterhin touristisch erreichbar. Reisende in den betroffenen Regionen müssen jedoch mit Straßensperren, Einschränkungen und kurzfristigen Änderungen rechnen.

Waldbrandgefahr bleibt bestehen

Auch wenn sich die Lage rund um Omiš inzwischen stabilisiert hat, kann noch keine vollständige Entwarnung gegeben werden. Die Einsatzkräfte müssen weiterhin nach Glutnestern suchen und verhindern, dass sich das Feuer erneut ausbreitet. Für Urlauber und Einheimische gilt deshalb weiterhin: Warnungen der lokalen Behörden müssen ernst genommen werden. Gefahrenbereiche sollten gemieden und Rettungswege freigehalten werden.

Der Waldbrand bei Omiš zeigt zugleich die zunehmende Bedeutung einer schnellen und koordinierten Waldbrandbekämpfung in den Mittelmeerregionen. Innerhalb kürzester Zeit wurden rund 1.000 Hektar Fläche erfasst, Tausende Menschen evakuiert und zahlreiche Gebäude sowie Fahrzeuge beschädigt. Die Kombination aus Trockenheit, brennbarer Vegetation und starkem Wind machte aus einem Waldbrand eine unmittelbare Gefahr für eine dicht besiedelte und stark touristisch geprägte Küstenregion.

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