Ein schweres Erdbeben hat am Montag den Westen Kolumbiens erschüttert und eine verheerende Bilanz hinterlassen. Nach Angaben der Behörden kamen mehr als 50 Menschen ums Leben. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt, während Rettungskräfte und freiwillige Helfer weiterhin nach Verschütteten suchen. Das genaue Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht absehbar. Der kolumbianische Geologische Dienst bezeichnete das Beben als das stärkste Erdbeben seit rund zehn Jahren, das in dem südamerikanischen Land registriert wurde. Die Erschütterungen waren auch im benachbarten Ecuador deutlich zu spüren.
Epizentrum in der Region Chocó
Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS erreichte das Beben eine Stärke von 7,4. Das Epizentrum lag demnach in der Region Chocó nahe San José del Palmar, rund 400 Kilometer westlich der Hauptstadt Bogotá. Der Erdbebenherd befand sich in einer Tiefe von etwa 107 Kilometern. Die große Herdtiefe verhinderte offenbar ein noch größeres Schadensbild in einigen weiter entfernten Regionen. Dennoch waren die Erschütterungen über ein weites Gebiet hinweg spürbar. Besonders betroffen sind mehrere Städte im Westen Kolumbiens.
Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden
Besonders dramatisch ist die Situation in Pereira, Quibdó, Cali und Manizales. In mehreren Städten stürzten Gebäude oder Gebäudeteile ein. Unter den Trümmern werden weitere Menschen vermutet. In Cali berichtete Bürgermeister Alejandro Eder von zahlreichen eingestürzten Häusern. Rettungskräfte durchsuchten die zerstörten Gebäude gemeinsam mit Anwohnern. Mithilfe von Drohnen sollte aus der Luft zunächst ein genauer Überblick über das Schadensgebiet gewonnen werden. Gleichzeitig wurde Unterstützung aus anderen Großstädten angefordert. Die Rettungsarbeiten sind angesichts der möglichen Zahl verschütteter Menschen ein Wettlauf gegen die Zeit. Jede weitere Stunde erschwert die Suche nach Überlebenden.
Turm einer Kathedrale stürzt ein
Auch historische Bauwerke wurden durch die Erdstöße beschädigt. In Manizales stürzte ein Turm der neugotischen Kathedrale ein. Teile des Bauwerks fielen auf das Kirchenschiff. Die Schäden an der markanten Kirche verdeutlichen die Wucht des Bebens. In Bogotá blieb das Schadensbild nach bisherigen Angaben vergleichsweise begrenzt. Dort wurden vorsorglich Gebäude evakuiert. Der Bürgermeister berichtete zunächst vor allem von Rissen an Gebäuden.
Nachbeben sorgen für zusätzliche Gefahr
Nach dem Hauptbeben registrierten die Behörden bereits weitere Erschütterungen. Gemeldet wurden unter anderem Nachbeben mit Magnituden von 2,8 und 4,8. Die Gefahr weiterer Nachbeben erschwert die Rettungsarbeiten und erhöht zugleich das Risiko für bereits beschädigte Gebäude. Für Einsatzkräfte bedeutet dies, dass sie bei der Suche nach Verschütteten besonders vorsichtig vorgehen müssen. Gebäude, die durch das Hauptbeben instabil geworden sind, könnten bei weiteren Erschütterungen teilweise oder vollständig einstürzen.
Flughäfen zeitweise geschlossen
Auch die Infrastruktur des Landes wurde beeinträchtigt. Mehrere kleinere Flughäfen mussten nach Angaben der kolumbianischen Luftfahrtbehörde den Betrieb einstellen. Betroffen waren unter anderem die Flughäfen von Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura. Die Einschränkungen im Flugverkehr erschweren die Versorgung der betroffenen Gebiete zusätzlich. Gerade in Regionen, in denen Straßenverbindungen durch Schäden oder Erdrutsche beeinträchtigt sein können, sind Flughäfen für Rettungs- und Versorgungseinsätze von großer Bedeutung.
Neuer Präsident kündigt Reise ins Katastrophengebiet an
Kolumbiens neuer Präsident Abelardo de la Espriella reagierte auf die Katastrophe und kündigte an, in das betroffene Gebiet reisen zu wollen. Der Präsident ist erst seit wenigen Tagen im Amt und steht damit unmittelbar vor einer seiner ersten großen nationalen Krisen. Die Regierung muss nun vor allem die Rettungsmaßnahmen koordinieren, die Versorgung der Verletzten sicherstellen und die Schäden an Infrastruktur und Gebäuden erfassen.
Opferzahl könnte weiter steigen
Die derzeit bekannte Zahl von mehr als 50 Todesopfern stellt nach Einschätzung der Behörden noch keine abschließende Bilanz dar. In mehreren Städten werden weiterhin Menschen unter Gebäudetrümmern vermutet. Gleichzeitig laufen Such- und Rettungsmaßnahmen weiter. Damit richtet sich der Blick nun auf die kommenden Stunden: Erst wenn die Einsatzkräfte Zugang zu den beschädigten Gebäuden erhalten und die betroffenen Regionen vollständig erreichen können, wird sich das tatsächliche Ausmaß des Erdbebens zeigen.
Das schwere Beben vom 10. August 2026 zählt bereits jetzt zu den folgenschwersten Naturkatastrophen, die Kolumbien in jüngerer Zeit getroffen haben. Die Kombination aus zahlreichen beschädigten Gebäuden, vermissten Menschen, Nachbeben und Einschränkungen der Infrastruktur stellt die Rettungsdienste vor eine enorme Herausforderung.


