Schüsse haben am frühen Sonntagmorgen für einen größeren Polizeieinsatz in Berlin-Hellersdorf gesorgt. Ein bislang unbekannter, maskierter Mann soll gegen 5.30 Uhr an der Stendaler Straße auf einen Nachtclub und einen unmittelbar danebenliegenden Friseursalon geschossen haben. Insgesamt sollen sechs Schüsse gefallen sein. Nach bisherigen Erkenntnissen traf eine Kugel den Nachtclub „Dream Club“, fünf weitere Geschosse schlugen in dem benachbarten Friseursalon ein. Die Polizei rückte mit einem größeren Aufgebot an und sicherte den Tatort.
Täter flüchtet nach den Schüssen
Der Schütze soll nach der Tat zu Fuß geflüchtet sein. Nach ersten Zeugenaussagen verlor er offenbar während des Geschehens das Magazin seiner Waffe. Ob es sich dabei tatsächlich um das Magazin der verwendeten Schusswaffe handelte und welche Bedeutung dieser Umstand für die Ermittlungen hat, ist derzeit Gegenstand der Untersuchungen. Eine konkrete Beschreibung des Täters liegt bislang nur eingeschränkt vor. Bekannt ist, dass der Mann zum Tatzeitpunkt maskiert war.
Niemand verletzt
Trotz der Schüsse wurden nach aktuellem Stand keine Menschen verletzt. Zeugen wurden vor Ort vorsorglich durch den Rettungsdienst untersucht. Nach Angaben der Feuerwehr musste jedoch niemand aufgrund von Verletzungen behandelt werden. Die Tatsache, dass die Schüsse in den frühen Morgenstunden fielen, dürfte bei den Ermittlungen eine wichtige Rolle spielen. Der Bereich an der Stendaler Straße wird zu dieser Zeit auch von Menschen genutzt, die aus dem Nachtleben kommen.
Einschusslöcher an den Geschäften
Die Spuren der Tat waren am Morgen deutlich sichtbar. Am Eingangsbereich des Friseursalons wurden mehrere Einschusslöcher festgestellt. Auch am Nachtclub fanden die Einsatzkräfte Spuren eines Schusswaffeneinsatzes. Die Polizei sperrte Teile der Stendaler Straße im Bereich des CineStar-Kinos ab. Ermittler sicherten dort Spuren und untersuchten unter anderem die betroffenen Gebäude. Warum der Täter auf die beiden Geschäfte schoss, ist derzeit nicht bekannt. Ebenso ist noch nicht geklärt, ob der Nachtclub, der Friseursalon oder möglicherweise eine Person beziehungsweise ein bestimmter Zusammenhang im Umfeld der Lokalitäten das eigentliche Ziel war.
Auch die Polizei konnte zunächst keine Angaben zu einem möglichen Motiv machen. Die Ermittlungen sollen deshalb klären, ob es sich um eine gezielte Tat, eine Auseinandersetzung im Umfeld des Nachtlebens oder einen anderen Hintergrund handelt. Nach übereinstimmenden Berichten ist derzeit ausdrücklich offen, welche der beiden Lokalitäten das primäre Ziel des Angriffs gewesen sein könnte.
Polizei sucht nach dem Unbekannten
Nach der Flucht des Mannes konzentrierten sich die Maßnahmen der Polizei auf die Spurensicherung und die Rekonstruktion des Tatablaufs. Zeugenaussagen könnten dabei entscheidend sein. Die Ermittler müssen insbesondere klären, aus welcher Position geschossen wurde, welchen Weg der Täter nach der Tat nahm und ob es weitere Zeugen oder Videoaufnahmen gibt. Auch die sichergestellten Spuren könnten Hinweise auf die verwendete Waffe und den Ablauf der Tat liefern.
Zweiter Schusswaffen-Vorfall in kurzer Zeit
Der Vorfall in Hellersdorf ereignete sich nur kurze Zeit nach einem weiteren Schusswaffenangriff in Berlin. Am Freitagabend war im Kreuzberger Graefekiez auf einen 22-jährigen Mann geschossen worden. Das Opfer wurde schwer verletzt und musste notoperiert werden, befindet sich nach bisherigen Angaben jedoch nicht in Lebensgefahr. Die Polizei prüft in diesem Zusammenhang mögliche Verbindungen zu früheren Schusswaffenfällen. Eine Mordkommission ermittelt in dem Kreuzberger Fall und steht dabei auch mit der beim Landeskriminalamt angesiedelten Sondereinheit „Ferrum“ in Kontakt. Ein Zusammenhang zwischen dem Angriff in Kreuzberg und den Schüssen in Hellersdorf ist bislang nicht belegt. Die beiden Fälle werden daher zunächst getrennt betrachtet.
Ermittlungen in Hellersdorf laufen
Die Schüsse in der Stendaler Straße werfen damit weiterhin zahlreiche Fragen auf. Fest steht bislang: Ein maskierter Mann gab am frühen Sonntagmorgen mehrere Schüsse auf zwei benachbarte Geschäfte ab, mindestens sechs Geschosse wurden abgegeben, anschließend flüchtete der Täter. Verletzt wurde niemand. Welche Hintergründe hinter der Tat stehen und ob der Schütze gezielt eines der Geschäfte ins Visier genommen hatte, müssen nun die weiteren Ermittlungen zeigen. Die Polizei wertet dazu die Spuren am Tatort und mögliche Zeugenaussagen aus.


