Massengrab an WM-Stadion in Mexiko entdeckt

Guadalajara. Wenige Monate vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 überschatten dramatische Entwicklungen in Mexiko die Vorfreude auf das Turnier. Während sich Fans weltweit auf das Sportereignis in den USA, Kanada und Mexiko vorbereiten, sorgt ein grausiger Fund nahe eines WM-Spielorts für Entsetzen: Unweit des Estadio Akron in Guadalajara wurden mindestens 500 Säcke mit menschlichen Überresten entdeckt.

Nach Informationen der spanischen Zeitung El País lagen die Fundorte im Umkreis von rund 16 Kilometern um das Stadion, in dem während der WM vier Spiele ausgetragen werden sollen. Bauarbeiter stießen demnach zunächst auf einzelne Leichensäcke – weitere Funde folgten. Die Region Jalisco gilt seit Jahren als Hochburg organisierter Kriminalität.

Seit Beginn des sogenannten Drogenkriegs im Jahr 2006 sind laut Amnesty International über 100.000 Menschen in Mexiko verschwunden. Menschenrechtsgruppen sprechen von systematischem „Verschwindenlassen“. Jaime Aguilar von der Suchinitiative „Guerreros Buscadores de Jalisco“ wirft den Tätern vor, gezielt Spuren zu beseitigen, um Verbrechen unsichtbar zu machen.

Die Sicherheitslage verschärfte sich zuletzt weiter. Nach dem Tod des Drogenbosses Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, kam es in mehreren Bundesstaaten zu massiven Gewaltausbrüchen. Bewaffnete Gruppen errichteten Straßensperren, zündeten Fahrzeuge an und attackierten Geschäfte. Bei Festnahmeoperationen und anschließenden Gefechten sollen 74 Menschen ums Leben gekommen sein.

Trotz der Eskalation zeigt sich Gianni Infantino, Präsident der FIFA, demonstrativ gelassen. Man beobachte die Lage genau, habe jedoch „vollstes Vertrauen“ in die mexikanischen Behörden und Präsidentin Claudia Sheinbaum, erklärte er bei einem öffentlichen Auftritt. Das Turnier werde reibungslos verlaufen, so die Einschätzung des Weltverbands.

Doch der Kontrast könnte größer kaum sein: Während Millionen Fans ein friedliches Fußballfest erwarten, rücken die jüngsten Funde und die anhaltende Gewalt die Sicherheitslage im Gastgeberland in ein grelles Licht. Die Weltmeisterschaft wird damit nicht nur sportlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich zur Bewährungsprobe für Mexiko.

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