Deutschland baut seine Energiepartnerschaften weiter aus und setzt künftig verstärkt auf Flüssigerdgas aus Kanada. Ein langfristiges LNG-Abkommen zwischen dem bundeseigenen Energieunternehmen SEFE und dem kanadischen Projekt Ksi Lisims LNG soll die deutsche Energieversorgung für Jahrzehnte absichern. Geplant sind Lieferungen von bis zu einer Million Tonnen Flüssigerdgas pro Jahr – über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren. Der Deal gilt als eines der größten Energieabkommen zwischen Deutschland und Kanada seit Beginn der europäischen Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
Deutschland will unabhängiger von Krisenstaaten werden
Mit dem Abkommen verfolgt Deutschland ein klares Ziel: die weitere Diversifizierung seiner Energieversorgung. Nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen versucht die Bundesregierung seit Jahren, neue und politisch stabile Lieferländer aufzubauen. Kanada gilt dabei als strategisch wichtiger Partner. Das Land verfügt über enorme Erdgasreserven und gilt im Westen als verlässlicher Rohstofflieferant. Gleichzeitig versucht auch Kanada, seine Energieexporte unabhängiger vom US-Markt auszurichten. Der neue LNG-Deal soll deshalb beiden Seiten wirtschaftliche und geopolitische Vorteile bringen.
LNG-Lieferungen sollen ab den 2030er Jahren starten
Das Gas soll künftig über das geplante Exportterminal Ksi Lisims LNG an der Westküste Kanadas verschifft werden. Das milliardenschwere Projekt entsteht in British Columbia und gehört zu den größten geplanten LNG-Anlagen Nordamerikas. Die Lieferungen nach Deutschland sollen voraussichtlich Anfang der 2030er Jahre beginnen. Das Terminal soll jährlich bis zu zwölf Millionen Tonnen LNG exportieren können. Neben SEFE haben auch internationale Energiekonzerne wie Shell und TotalEnergies bereits langfristige Lieferverträge mit dem Projekt abgeschlossen.
Deutschlands Energieversorgung wird neu ausgerichtet
Der Vertrag zeigt, wie stark sich Deutschlands Energiepolitik seit 2022 verändert hat. Während früher russisches Pipelinegas dominierte, setzt Berlin inzwischen massiv auf LNG aus unterschiedlichen Weltregionen. SEFE – kurz für Securing Energy for Europe – spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Unternehmen war früher Teil des russischen Gazprom-Konzerns und wurde während der Energiekrise verstaatlicht. Seitdem arbeitet SEFE daran, neue Gasquellen für Deutschland und Europa zu erschließen. Bereits zuvor hatte das Unternehmen Lieferverträge mit den USA, Norwegen, Oman und Argentinien abgeschlossen.
Kritik an langfristigen Gasverträgen wächst
Der neue Kanada-Deal sorgt allerdings auch für Kritik. Umweltverbände und Klimaschützer warnen davor, Deutschland mit langfristigen LNG-Verträgen über Jahrzehnte an fossile Energieträger zu binden. Besonders brisant: Deutschland will eigentlich bis 2045 klimaneutral werden. Der geplante Vertrag könnte jedoch bis in die 2050er Jahre laufen. Kritiker sprechen deshalb von einem Widerspruch zwischen Klimazielen und langfristiger Gasstrategie.
Energiekrisen und geopolitische Konflikte treiben LNG-Boom an
Die weltweiten Spannungen auf den Energiemärkten treiben den Ausbau der LNG-Infrastruktur massiv voran. Neben dem Ukraine-Krieg sorgen auch Konflikte im Nahen Osten zunehmend für Unsicherheit bei globalen Energieflüssen. Deutschland versucht deshalb, seine Versorgung auf möglichst viele Lieferländer zu verteilen. Kanada gilt dabei als politisch stabiler Partner mit großen unerschlossenen Kapazitäten.
Auch andere europäische Staaten bauen derzeit ihre LNG-Importe deutlich aus.
Milliardenprojekt stärkt Kanadas Rolle als Energielieferant
Für Kanada markiert das Abkommen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur globalen Energieexportnation. Die Regierung in Ottawa verfolgt seit Jahren das Ziel, ihre Rohstoffexporte stärker nach Europa und Asien auszubauen. Das Ksi-Lisims-Projekt könnte dabei zu einem zentralen Baustein werden. Unterstützt wird die Anlage unter anderem von der indigenen Nisga’a Nation sowie internationalen Investoren.
Europas Energieordnung verändert sich dauerhaft
Der neue LNG-Deal zeigt, wie dauerhaft sich Europas Energieversorgung seit Beginn der Ukraine-Krise verändert hat. Die Abhängigkeit von russischem Gas wird zunehmend durch ein globales Netzwerk aus LNG-Lieferanten ersetzt. Gleichzeitig wächst damit aber auch die Bedeutung von LNG-Terminals, Tankerschifffahrt und geopolitisch sicheren Rohstoffpartnern. Deutschland setzt mit dem Kanada-Abkommen nun auf eine langfristige Absicherung seiner Energieversorgung – auch wenn die Debatte über Klimaziele, Kosten und neue Abhängigkeiten weitergehen dürfte.


