Schwere Gewitter haben am Montagabend weite Teile Norddeutschlands lahmgelegt und für hunderte Feuerwehreinsätze gesorgt. Besonders betroffen waren Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Hagelkörner in der Größe von Tennisbällen, überflutete Straßen und vollgelaufene Keller sorgten innerhalb weniger Stunden für chaotische Zustände. Während Einsatzkräfte die Folgen der Unwetter noch immer beseitigen, warnen Meteorologen bereits vor einer neuen Gewitterfront. Vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands drohen am Dienstag erneut Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen.
Tennisballgroßer Hagel verwandelt Straßen in Winterlandschaften
Besonders heftig traf das Unwetter den Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Dort gingen Hagelkörner nieder, die nach Angaben von Einsatzkräften die Größe von Tennisbällen erreichten. Innerhalb kürzester Zeit türmten sich die Eismassen auf Straßen und Gehwegen meterweit auf. Die Hagelschicht war stellenweise so massiv, dass Radlader eingesetzt werden mussten, um die Straßen freizuräumen. Augenzeugen berichteten von Szenen, die eher an einen Wintereinbruch als an einen Sommerabend erinnerten. Fahrzeuge blieben in den Hagelmassen stecken, zahlreiche Straßen waren zeitweise nicht mehr passierbar.
Allein innerhalb einer Stunde gingen bei der Leitstelle Westmecklenburg rund 168 wetterbedingte Notrufe ein. Die Feuerwehr war bis tief in die Nacht damit beschäftigt, Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume zu beseitigen.
Überflutungen legen Hamburger Umland lahm
Auch im Umland von Hamburg richteten die Unwetter erhebliche Schäden an. Besonders betroffen waren Elmshorn im Kreis Pinneberg sowie Teile der niedersächsischen Landkreise Harburg und Stade. Binnen weniger Minuten liefen Straßen, Tiefgaragen und Bahnunterführungen voll Wasser. Zahlreiche Keller standen unter Wasser, Fahrzeuge wurden beschädigt oder konnten ihre Fahrt nicht fortsetzen. Die Feuerwehren arbeiteten unter Hochdruck, unterstützt vom Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz.
Blitzeinschlag setzt Dachstuhl in Brand
In Elmshorn sorgte vermutlich ein Blitzeinschlag für einen weiteren Großeinsatz. Der Dachstuhl eines Einfamilienhauses geriet in Brand, als das Gewitter seinen Höhepunkt erreichte. Beim Eintreffen der Feuerwehr schlugen bereits Flammen aus dem Dach, dichter schwarzer Rauch war weithin sichtbar. Die Einsatzkräfte gingen zunächst davon aus, dass sich noch eine Bewohnerin im Gebäude befinden könnte. Nach einer intensiven Suche konnte jedoch Entwarnung gegeben werden – das Haus war leer.
Mehr als 220 Feuerwehrkräfte waren zeitweise im Einsatz und mussten über 130 Einsatzorte gleichzeitig bewältigen.
Polizeiwagen bleibt in Hochwasser-Unterführung stecken
Die Wassermassen sorgten auch bei der Polizei für Probleme. Während eines Einsatzes blieb ein Streifenwagen in einer überfluteten Unterführung in Elmshorn stecken und musste geborgen werden. Verletzt wurde dabei niemand. Der Vorfall verdeutlicht jedoch die enorme Wucht der Niederschläge, die innerhalb kurzer Zeit selbst größere Fahrzeuge an ihre Grenzen brachten.
Hagelschauer zerstören Dächer und beschädigen Autos
Im niedersächsischen Heidenau im Landkreis Harburg hinterließen die Unwetter ebenfalls deutliche Spuren. Ein massiver Hagelschauer beschädigte zahlreiche Hausdächer, zudem wurden Dutzende Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Auch im Landkreis Stade meldeten Anwohner außergewöhnlich große Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu mehreren Zentimetern. Die Schäden an Gebäuden, Autos und Gärten dürften erheblich sein.
Selbst Fische überleben den Hagel nicht
Besonders ungewöhnlich waren Berichte aus dem Landkreis Stade. Dort sollen die Hagelkörner nach Angaben von Anwohnern so heftig auf einen Gartenteich eingeschlagen sein, dass mehrere Fische verendeten. Viele Bewohner beschrieben das Unwetter als das schwerste Hagelereignis seit Jahrzehnten. Ein derart intensiver und lang anhaltender Hagelschauer sei in der Region seit rund 40 Jahren nicht mehr beobachtet worden.
Region Hannover mobilisiert hunderte Einsatzkräfte
Auch die Region Hannover blieb von den Unwettern nicht verschont. Zahlreiche Keller, Tiefgaragen und Aufzugsschächte liefen voll Wasser. Sämtliche Ortsfeuerwehren der Region wurden alarmiert, selbst dienstfreie Einsatzkräfte mussten zum Dienst erscheinen. Rund 300 Feuerwehrleute aus 17 Ortsfeuerwehren waren über Stunden im Dauereinsatz. Neben Überflutungen sorgten umgestürzte Bäume und mutmaßliche Blitzeinschläge für zusätzliche Einsätze.
Wetterdienst warnt vor neuer Unwetterlage
Eine Entspannung ist jedoch noch nicht in Sicht. Der Deutsche Wetterdienst warnt bereits vor weiteren schweren Gewittern in der Mitte und im Süden Deutschlands. Vor allem Starkregen könnte erneut für gefährliche Situationen sorgen. Innerhalb kurzer Zeit sind Niederschlagsmengen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter möglich, lokal sogar deutlich mehr. Zudem rechnen Meteorologen mit schweren Sturmböen von bis zu 90 Stundenkilometern sowie Hagelkörnern mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern.
Besonders gefährlich bleibt die Kombination aus Starkregen und bereits gesättigten Böden. Überflutungen von Straßen, Kellern und Unterführungen könnten sich deshalb in den kommenden Stunden erneut häufen.


