Ein außergewöhnliches Naturschauspiel hat am Mittwoch zahlreiche Menschen an das Ufer des Bodensees gelockt. Vor Friedrichshafen bildete sich am frühen Nachmittag eine imposante Wasserhose – ein Tornado über Wasser. Der gewaltige Luftwirbel war rund 15 Minuten lang deutlich sichtbar und zog anschließend in Richtung Lindau weiter, bevor er sich wieder auflöste. Die Wasserhose war von der Uferpromenade aus hervorragend zu erkennen. Viele Passanten, Touristen und Restaurantgäste unterbrachen ihren Alltag, um das seltene Wetterereignis zu beobachten und zu filmen. Zahlreiche Videos und Fotos verbreiteten sich anschließend in sozialen Netzwerken und sorgten weit über die Region hinaus für Aufmerksamkeit.
Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h möglich
Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes erreichten die Windgeschwindigkeiten innerhalb des Tornados vermutlich zwischen 100 und 150 Kilometern pro Stunde. Exakte Angaben zu Höhe oder Durchmesser des Wirbels sind zwar nicht möglich, dennoch handelte es sich um ein außergewöhnlich gut sichtbares Exemplar einer Wasserhose. Da sich der Tornado ausschließlich über dem Wasser entwickelte und keine Ortschaft erreichte, wurden weder Schäden noch Verletzte gemeldet. Auch die Wasserschutzpolizei berichtete von keinen Notfällen auf dem Bodensee.
Warum sich Wasserhosen über dem Bodensee bilden
Wasserhosen entstehen, wenn feuchtwarme Luft über der Wasseroberfläche auf deutlich kühlere Luftschichten trifft und sich in Verbindung mit einer Gewitterzelle starke Aufwinde bilden. Durch die Rotation der Luftmassen entwickelt sich schließlich der charakteristische Trichter, der vom Himmel bis zur Wasseroberfläche reicht. Nach Angaben der Meteorologen kommt es auf dem Bodensee regelmäßig zu solchen Tornados. Besonders häufig treten sie allerdings im Spätsommer und Frühherbst auf. Das aktuelle Ereignis gilt daher als vergleichsweise früh im Jahresverlauf.
Wetterdienst warnt vor weiteren Tornados
Mit dem Abzug der Wasserhose ist die Gefahr in der Region noch nicht vollständig gebannt. Der Deutsche Wetterdienst schließt weitere Tornados oder Wasserhosen in den kommenden Stunden nicht aus. Besonders in Oberschwaben und im Allgäu könnten sich bei anhaltend instabiler Wetterlage erneut rotierende Gewitterzellen entwickeln. Sollte ein solcher Tornado das Festland erreichen, wären auch größere Schäden möglich. Umstürzende Bäume, beschädigte Dächer und gefährliche Windböen zählen zu den möglichen Folgen.
Keine Schäden – aber eindrucksvolle Erinnerung
Obwohl der Tornado glimpflich verlief, machte das Naturereignis deutlich, welche Kraft in den Wetterlagen über dem Bodensee steckt. Experten betonen, dass Wasserhosen zwar meist nur wenige Minuten bestehen, dennoch insbesondere für Schwimmer, Segler und kleinere Boote eine erhebliche Gefahr darstellen können. Für die Menschen am Ufer blieb das Ereignis vor allem als spektakulärer und seltener Anblick in Erinnerung.


