Angriffe zwischen Afghanistan und Pakistan

Die Spannungen zwischen Afghanistan und Pakistan sind in der Nacht dramatisch eskaliert. Nach einer Offensive der afghanischen Taliban entlang der umstrittenen Grenze griff die pakistanische Luftwaffe militärische Ziele im Nachbarland an. Bombardiert wurden nach Angaben beider Seiten Einrichtungen in Kabul sowie in den Provinzen Kandahar und Paktia.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bestätigte die Angriffe und erklärte, es gebe keine Berichte über Opfer. Islamabad hingegen sprach von Dutzenden getöteten Taliban-Kämpfern. Der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar nannte die Zahl von 133 getöteten Kämpfern bei Gegenschlägen. Zudem seien Waffenlager, Panzer und militärische Anlagen zerstört worden. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben bislang nicht.

Zuvor hatte Kabul mitgeteilt, afghanische Einheiten hätten pakistanische Grenzstellungen angegriffen und 55 Soldaten getötet. Mehrere Posten seien eingenommen worden. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari sprach von einer „umfassenden und entschlossenen“ Reaktion der Streitkräfte und betonte, sein Land werde keinerlei Abstriche bei seiner territorialen Integrität hinnehmen.

Die Lage hatte sich bereits am Wochenende zugespitzt. Nach pakistanischen Luftschlägen berichtete die United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA), 13 Zivilisten seien getötet und sieben verletzt worden. In früheren Gefechten im Herbst kamen laut UN-Angaben rund 70 afghanische Zivilisten ums Leben. Vermittlungsbemühungen unter anderem durch Katar und die Türkei blieben bislang erfolglos.

Hintergrund des Konflikts sind seit Jahren anhaltende Vorwürfe Islamabads, Kabul gewähre Terrorgruppen Unterschlupf. Insbesondere die Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) verübt immer wieder Anschläge in Pakistan. Laut dem Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terrorattacken 2025 auf fast 700. Auch ein Ableger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ ist in der Region aktiv.

Die rund 2.400 Kilometer lange, als „Durand-Linie“ bekannte Grenze zwischen beiden Ländern ist seit ihrer Festlegung im Jahr 1893 umstritten. Immer wieder kommt es dort zu Gefechten. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach inzwischen offen von einem „offenen Krieg“ und warf den Taliban vor, als Stellvertreter Indiens zu agieren.

UN-Generalsekretär António Guterres rief beide Seiten zur Deeskalation auf und forderte diplomatische Lösungen. Doch die Rhetorik und die jüngsten Militärschläge lassen befürchten, dass der Konflikt in eine neue, gefährliche Phase eingetreten ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert