Kadugli. Ein tödlicher Drohnenangriff auf eine Einrichtung der Vereinten Nationen hat die Gewaltspirale im sudanesischen Bürgerkrieg weiter angeheizt. In der umkämpften Stadt Kadugli in der Region Kordofan wurde am Samstag die Logistikbasis der UN-Friedensmission UNISFA getroffen. Sechs Blauhelmsoldaten kamen dabei ums Leben, acht weitere wurden verletzt. UN-Generalsekretär António Guterres bestätigte den Angriff und verurteilte ihn scharf.
Bei den getöteten und verletzten Soldaten handelt es sich ausschließlich um Angehörige aus Bangladesch, die im Rahmen der Interimssicherheitsmission der Vereinten Nationen für Abyei im Sudan stationiert sind. Der Angriff traf die Einheit in einem Gebiet, das zunehmend zum Brennpunkt des seit fast zwei Jahren andauernden Bürgerkriegs geworden ist. Die Vereinten Nationen sprachen von einem schweren Angriff auf internationale Friedenstruppen und warnten vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie jüngster Drohnenangriffe ein. Erst wenige Tage zuvor waren bei einem Luftschlag auf eine Ölverarbeitungsanlage im Grenzgebiet zum Südsudan Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben aus Militärkreisen zielte der Angriff auf Stellungen der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), die die Anlage zuvor besetzt hatten. Die RSF erklärten, das Ölfeld in Heglig sei von einer türkischen Akinci-Drohne angegriffen worden und sprachen von einer schweren Verletzung des Völkerrechts.
Die Zahl der Opfer dieses Angriffs ist weiterhin unklar. Während einzelne Militärangehörige von mindestens 25 Toten berichten, bestätigten die Behörden des südsudanesischen Bundesstaates Unity bislang den Tod von drei eigenen Soldaten. Offizielle Stellungnahmen aus dem Militär des Südsudan blieben aus. Unter den Opfern sollen sich jedoch auch südsudanesische Sicherheitskräfte befunden haben, was die Spannungen in der Region zusätzlich verschärft.
Der Sudan versinkt seit April 2023 in einem blutigen Machtkampf zwischen der regulären Armee und der RSF-Miliz. Was als interner Konflikt begann, hat sich zu einem der verheerendsten Kriege der Gegenwart entwickelt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bislang mehr als 40.000 Menschen getötet worden, Hilfsorganisationen gehen jedoch von deutlich höheren Opferzahlen aus. Millionen Menschen sind auf der Flucht, weite Teile des Landes gelten als humanitäre Katastrophenzonen.
Nach der Einnahme der letzten Militärhochburg in Darfur durch die RSF haben sich die Kämpfe zuletzt auf die ölreiche Region Kordofan verlagert. Dort verlaufen strategisch wichtige Versorgungsrouten, und die Kontrolle über Öl- und Energieanlagen gilt als entscheidend für den weiteren Kriegsverlauf. Der Südsudan betont offiziell seine Neutralität, steht jedoch unter dem Verdacht, die RSF indirekt zu unterstützen – ein Vorwurf, den die Regierung in Juba zurückweist.
Der tödliche Angriff auf die UN-Blauhelme markiert einen weiteren Tiefpunkt in dem Konflikt. Beobachter warnen, dass die zunehmende Zahl gezielter Drohnenangriffe nicht nur die Zivilbevölkerung, sondern auch internationale Friedensmissionen massiv gefährdet. Die Vereinten Nationen fordern erneut den Schutz ihrer Einsatzkräfte und ein sofortiges Ende der Gewalt – doch ein Ausweg aus dem Krieg ist derzeit nicht in Sicht.


